Wort zum Sonntag

Zum Frieden gibt es keine Alternative

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In wenigen Tagen kommt das "Friedenslicht aus Bethlehem" in Gießen an. Seit 1986 gibt es diese Aktion, die in Österreich ins Leben gerufen wurde. Seit 1994 kommt das Friedenslicht auch nach Deutschland. Von Beginn an wurde es von Pfadfindern in unser Land gebracht. Am kommenden Mittwoch dürfen wir es um 18 Uhr auf dem Kirchenplatz in Gießen begrüßen.

Mich berührt bei der ganzen Aktion besonders, dass das Licht direkt aus Bethlehem kommt, dem Geburtsort Jesu. Es wird von einem Kind entzündet und von dort in viele Länder gebracht.

Auch in Deutschland werden viele Menschen dieses Licht erwarten und weitergeben. Es wird Platz finden in Kirchen, Kindergärten, Krankenhäusern, Pflegeheimen, Gefängnissen und Privathäusern. Das Licht ist das wichtigste Symbol im Advent und der Weihnachtszeit. Es steht dafür, jede Dunkelheit zu überwinden, die viele Formen hat: Unfrieden, Ignoranz, Lüge, Intoleranz und Hass.

Diese Formen der Unmenschlichkeit nehmen in Deutschland leider wieder immer mehr Raum ein. Das ist erschreckend und abstoßend. Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit und die Achtung der Würde jedes Menschen sind nicht mehr selbstverständlich akzeptierte Werte in unserer Gesellschaft.

Gerade in Deutschland, einem Land, das aus der Zeit des Nationalsozialismus eine schmerzhafte Lehre gezogen haben müsste, verstören diese Entwicklungen zutiefst. Heimatsuchende, Menschen anderer Religionen und Kulturen, Helfer auf der Straße oder bei Rettungseinsätzen werden in einem nicht zu akzeptierenden Maß angefeindet und sogar mit dem Leben bedroht.

Der hinterhältige und feige Mordanschlag auf den Kassler Regierungspräsidenten Walter Lübcke und der Anschlag von Halle im Oktober sind nur zwei Beispiele, die zeigen, dass es Menschen und Organisationen gibt, die ein Klima der Unmenschlichkeit direkt vor unserer Haustür verbreiten. Dabei entstehen die abstoßenden Gedanken zuerst in Köpfen, werden im Netz oder auf Plakaten weiter verbreitet, um später auf Spruchbändern bei Demonstrationen zu landen. Gerichte stellen mittlerweile immer öfter die Meinungsfreiheit über den Schutz des Menschen.

Ich frage mich, was noch passieren muss, damit sich hier etwas ändert. Wer stillschweigend akzeptiert oder sogar unterstützt, ist ein Mittäter.

Warum sind so viele Menschen nicht in der Lage, das Böse vom Guten zu unterscheiden und sich für das Gute einzusetzen? Das Friedenslicht aus Bethlehem ist ein Symbol, das dabei Mut macht. Es zeigt, dass die christliche Botschaft eine politische Dimension hat, die unsere vielfältige Gesellschaft für ein gerechtes Zusammenleben braucht.

Christoph Weber-Maikler, kath. Pastoralreferent, Liebigschule Gießen

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