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Unter dem Motto "Fridays for Future" demonstrieren Schüler vor dem Gießener Rathaus für Klimaschutz.

Demonstration

"Fridays for Future": Hunderte Schüler demonstrieren vor dem Rathaus

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Mit bunten Schildern und lauter Musik demonstrieren am Freitagvormittag Hunderte Schüler vor dem Gießener Rathaus. Für ihr Anliegen sind einige bereit, die Schule zu schwänzen.

Die Bewegung "Fridays for Future" hat Gießen erreicht: Am Freitagvormittag haben sich Schüler mehrerer Schulen in der Innenstadt versammelt, um für mehr Klimaschutz zu demonstrieren. Die Kundgebung am Berliner Platz vor dem Rathaus besuchen Hunderte junger Menschen aus unterschiedlichen Klassen. Laute Musik und die Durchsagen der Veranstalter sind schon von Weitem zu hören. "Die Welt braucht unsere Hilfe", "Ihr klaut unsere Zukunft" oder "Make earth cool again" steht auf bunten, selbst gemalten Schildern, die viele der Jugendlichen in die Höhe halten. Die Stimmung ist ausgelassen. Viele der Demonstranten tanzen zur Musik von "Die Ärzte" bis "Journey" aus den Lautsprecherboxen. "Von Amerika bis Australien finden heute 'Fridays foer future'-Demonstrationen statt. Uns alle verbindet die Forderung: Climate Justice now", ruf ein Redner den Demonstranten zu und erntet Jubel und Applaus.

Die Kundgebung am Berliner Platz startete am Freitagmorgen gegen 10.15 Uhr und soll bis 13 Uhr dauern.  Am Morgen hatte es zudem einen Demonstrationszug von der Herderschule gegeben, der kurz nach Beginn der Veranstaltung am Rathaus eintraf. Beide Demonstrationen waren bei der Stadt angemeldet worden. Die Stadt hatte mit insgesamt mit rund 1000 Teilnehmern gerechnet, wie Claudia Boje, Sprecherin der Stadt Gießen, auf Anfrage dieser Zeitung mitteilte. 

"Fridays for Future" (FFF) ist mittlerweile zu einer weltweiten Bewegung geworden, die freitags zu Schulstreiks aufruft, um sich für Klimaschutz einzusetzen. Inspiriert wurde diese Aktion von der 16-jährigen schwedischen Schülerin und Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg, die seit August des vergangenen Jahres so auf klimapolitische Missstände aufmerksam machen will. In Deutschland wurde das erste Mal im September 2018 in Berlin gestreikt. Nun ist Gießen zum ersten Mal dabei.

"Fridays for Future": Initiative in Gießen von vier Schülern

Initiiert wurde die Gießener Demo von vier Schülern. Erst am vergangenen Freitag war die Idee dazu entstanden. Bei der Kundgebung werden unter anderem mehrere Schulsprecher und Stadtschulsprecher Martin Klein reden. Es werden auch Schüler aus Grünberg, Wetzlar und Frankfurt erwartet. Auf der Homepage der "Fridays for Future"-Bewegung heißt es zu den Motiven: "Der Klimawandel ist längst eine reale Bedrohung für unsere Zukunft. Wir werden die Leidtragenden des Klimawandels sein. Gleichzeitig sind wir die letzte Generation, die einen katastrophalen Klimawandel noch verhindern kann. Doch unsere Politiker unternehmen nichts, um die Klimakrise abzuwenden". Die Freitagsstreiks begründet die Gruppe damit, dass jeder ungenutzte Tag, der verstreiche, ihre Zukunft aufs Spiel setze.

"Fridays for Future": Schulen in Gießen reagieren unterschiedlich

Die Gießener Schulen reagierten unterschiedlich auf die Aktion. Die Ostschule betrachte das Engagement durchaus als positiv, hieß es aus dem Sekretariat. Einige Schüler hätten sich bei der Schulleitung informiert, ob man teilnehmen dürfe. Schüler, die sich an der Demo beteiligen wollen, müssten eine Einwilligung der Eltern vorweisen, ansonsten fehlten sie unentschuldigt. Für die Herderschule gab der stellvertretende Schulleiter Christian Kneipp an, offiziell nichts von der Demo zu wissen. "Der Unterricht findet statt. Wer fehlt, muss sich entschuldigen."

 

Die Schüler Union Gießen bewertete es in einer Pressemitteilung durchaus positiv, dass sich Schüler politisch engagieren und für eine bessere Zukunft eintreten. Insbesondere in Bezug auf klimapolitische Themen sei ein solches Engagement begrüßenswert. Es stelle sich jedoch die Frage, wie ein solches Engagement aussehen könne. "Es ist absolut nicht akzeptabel, dass Schüler die Schule schwänzen und vom Unterricht fernbleiben, um zu demonstrieren. Das Engagement der Schüler des Landkreises und des FFF in allen Ehren, jedoch müssen auch diese Schüler akzeptieren, dass das Schwänzen der Schule illegal ist", sagt der stellvertretende Kreisvorsitzende der Schüler Union Gießen, Julian Sann. "Die Schüler, die aufgrund der Demo am Freitag die Schule schwänzen, gehören in angemessener Weise sanktioniert", meint er.

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