Sigrid Fuhr übergibt die Geschäftsführung des Spielwarengeschäfts zum 1. Januar 2021 an Dirk Lonthoff.
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Sigrid Fuhr übergibt die Geschäftsführung des Spielwarengeschäfts zum 1. Januar 2021 an Dirk Lonthoff.

Veränderung im Einzelhandel

Gießen: Umbruch bei Spielwarengeschäft „Fuhr“ – „Herz hat ganz schön gepocht“

  • Kays Al-Khanak
    vonKays Al-Khanak
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Die Inhaberin des Gießener Spielwarengeschäfts Fuhr, Sigrid Fuhr, gibt die Verantwortung für das Familienunternehmen in neue Hände. Ihr Nachfolger ist ein Kenner der Branche.

  • Das Spielwarengeschäft „Fuhr“ ist weit über die Grenzen Gießens hinaus bekannt.
  • Nun steht ein Umbruch bei dem Gießener Traditionsunternehmen an.
  • Die Inhaberin Sigrid Fuhr übergibt ihren Laden an einen bekannten Gießener Namen.

Gießen – Es ist vielleicht die freundlichste Übernahme, die man sich vorstellen kann. Am Freitag sitzen Sigrid Fuhr und Dirk Lonthoff gemeinsam mit einem Lächeln an einem Tisch und sprechen darüber, dass die 64 Jahre alte Gießenerin die Verantwortung für ihr Spielwarengeschäft am 1. Januar 2021 in die Hände des 49-Jährigen geben wird. Sigrid Fuhr führt das Traditionsunternehmen an der Sonnenstraße in fünfter Generation; ihr Laden ist ein Anker des innerstädtischen Einzelhandels. »Es ist kein schweres, aber ein wichtiges Erbe«, sagt Dirk Lonthoff, Inhaber der Gießener Bastler Zentrale in zweiter Generation. Er werde den Spielwarenhandel im Sinne der Fuhrs weiterführen.

Sigrid Fuhr hat schon länger darüber nachgedacht, sich aus dem Geschäft zurückzuziehen. Nur: Wem sollte sie es übergeben? Ihr Sohn arbeitet bei Porsche in Stuttgart; auch andere Verwandte haben Lebenswege abseits des Einzelhandels eingeschlagen. Ihr sei klar gewesen, dass es ein Externer sein wird, erzählt sie: »Jemand, der es mit Leidenschaft macht, der dafür sorgt, dass das Geschäft familiengeführt bleibt und der ein Kenner der Branche sowie des Gießener Umfeldes ist.«

Gießen: Bei „Fuhr“ das erste Mal ein Stofftier gekauft

Ausgerechnet in Köln - auf der Messe des Bundesverbands des Spielwaren-Einzelhandels - sprach sie der Gießener Dirk Lonthoff vor etwa drei Jahren an. »Mein Herz hat dabei ganz schön gepocht«, erzählt er. Zum einen, weil er schöne Erinnerungen an den Laden hat. Als er das erste Mal sein eigenes Geld ausgeben durfte, habe er sich im »Fuhr« ein Stofftier gekauft: einen schwarzen Panther. »Ich habe sogar noch das Regal vor Augen«, sagt er und lächelt. Zum anderen weiß Dirk Lonthoff um die Geschichte und Bedeutung von »Fuhr« für die Kunden, die zum Teil seit Generationen dort einkaufen, und für den Einzelhandel in der Innenstadt. Bei der 190-jährigen Geschichte spüre er Ehrfurcht - aber auch Verantwortung, diese Tradition weiter zu pflegen. Von Sigrid Fuhr bekommt er Rückendeckung: »Der Einzelhandel ist heute nicht einfach. Aber es ist schön zu sehen, dass es Menschen mit Mut gibt.« Und: Wir brauchen eine lebendige Stadt.«

Gießen: „Fuhr“ ist keine Konkurrenz, sondern ein „Traumpartner“

»Fuhr« sei für ihn ein »Traumpartner«, betont Dirk Lonthoff. Bereits seit einiger Zeit habe er darüber nachgedacht, die Bastlerzentrale zu vergrößern. Doch seien die Räumlichkeiten am aktuellen Standort weder gegeben, noch andere angebotenen Läden passend gewesen. Er betont in diesem Zusammenhang, dass es zu keiner Vermischung von »Fuhr« und der auf Modellbau spezialisierten Bastler Zentrale kommen werde. »Beide Geschäfte haben immer gut koexistiert«, sagt er. Teilweise seien die Kunden jeweils an den anderen verwiesen worden, wenn etwas nicht im Sortiment war. »Wir haben uns nie als Konkurrenz gesehen«, sagt er. Sigrid Fuhr lächelt, als sie ergänzt: »Das haben unsere Väter anders gesehen.« Dirk Lonthoff wünscht sich jedenfalls, die Geschäfte irgendwann an einen seiner beiden Söhne übergeben zu können.

Zu einer Vermischung wird es auch bei den Mitarbeitern nicht kommen: Die 30 Angestellten von »Fuhr« und die 20 Mitarbeiter der Bastler Zentrale sollen in ihren Stammgeschäften bleiben. Bei der Mitarbeiterversammlung von »Fuhr« sei die Nachricht, dass Dirk Lonthoff das Geschäft übernehmen wird, mit Erleichterung aufgenommen worden, sagt die Chefin. Und ganz aus der Welt sein wird sie auch nicht: Sie will ihrem Nachfolger beratend zur Seite stehen. Und zum 200-jährigen Geburtstag von »Fuhr« soll sie die Jubiläumsrede halten.

Gießen: Spielwarengeschäft „Fuhr“ soll glänzende Zukunft haben

Die beiden Geschäftsinhaber glauben fest an die Zukunft des Spielwarengeschäfts. Service, Einkaufserlebnis und emotionale Verbundenheit seien die Stärken des Einzelhandels. Und auch das haptische Spielen bleibe wichtig, betont Dirk Lonthoff. »Weil Kinder dabei für ihr Leben lernen.«

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