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Freuerwehr und Pilsköpfe

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Vom Pfadpfinder bis zur Verwürstung: Auch im vergangenen Jahr hat das GAZ-Korrektorat viele Verschreiber abgefangen. Manchmal entging den Lesern damit ein Anlass zum Lachen oder Nachdenken. Nun erscheinen sie doch noch: Unsere schönsten Fehler 2019.

Schon wieder so ein surrendes Fluggerät, das Bilder macht. Vielleicht hatte der Redakteur die indiskreten Aspekte moderner Technik im Kopf, als er in einer Überschrift "eine ständige Bedrohnung" beklagte. In der Zeitung stand am Ende die schnöde "Bedrohung". Denn das Korrektorat unseres Verlaghauses hat den Schnitzer rechtzeitig entdeckt - so wie zahlreiche andere auch. Manchmal ist das beinahe schade. Auch im Jahr 2019 haben die Kollegen die amüsantesten verhinderten Druckfehler gesammelt. Und Sie, liebe Leser, bekommen sie an dieser Stelle doch noch zu Gesicht.

Manche Verschreiber lassen Bilder im Kopf entstehen, die Abteilungsleiterin Petra Pickenhahn zu einer Zeichnung inspirieren. Etwa: "In und um Ockstadt baut er Erdbeeren, Spargel und Kirchen an." Oder, etwas unappetitlicher: "Die Gewinner können sich aussuchen, ob sie à la carte speien oder sich von der Chefköchin ein Menü zusammenstellen lassen wollen."

Ein einziger fehlender Buchstabe kann ganz neuen (Un-)Sinn mit sich bringen. Zum Beispiel hier: "Das Obergeschoss wird über einen Aufzug erschossen." Oder wenn ein Motorsportverein Zuschauer auf seiner "Haustrecke" begrüßt. Hallenbad-Fachangestellte müssen unter anderem "Chortabletten nachfüllen". Anonyme Formen der Bestattung machen Angehörigen mitunter zu schaffen. Sie können allerdings zur Selbsthilfe greifen: "Viele Menschen brauen einen Ort zum Trauern."

Ungeahnten Charme entfalten kann ein Buchstabe zu viel, etwa beim "Pfadpfinderbetreuer". Das "Bild der Verwürstung" bietet sich höchstens beim Schlachter. Um Musik im Verfallsprozess handelt es sich wohl bei "populären Kompostitionen". Zur Verhinderung von Glatteis streut man "ein Salz-Sohle-Gemisch".

Quälitäten als Fußballer-Tugend

"Freuerwehren" trafen sich in Hungen - sie sind wahrscheinlich verwandt mit der im Jahr zuvor gesichteten "Feierwehr". Dass Brandschützer sich amüsieren können, belegt dieser Satz über den Ausflug zum Trampolinspringen: "22 waagemutige Jugendfeuerwehrmitglieder hüpften, so lange die Puste ausreichte." Vielleicht wollte der Autor betonen, dass sie nicht nur Mut zeigten, sondern auch die Balance wahrten. Welche Herausforderungen die Feuerwehr meistern muss, belegt folgende Schilderung eines Einsatzes: "Ein Gottesdienst mit fast 100 Besuchern, eine kurze Unachtsamkeit des Pfarrers, eine umstürzende Kirche und ein brennender Altar" - selbst wenn es nur eine Kerze war, die in der Kirche umfiel. Ein anderer Fall gibt noch Rätsel auf: "Wer das Feuer in Brand steckte, ist bislang unklar."

Buchstaben-Verwechsler bergen ebenfalls Heiterkeitspotenzial. Beispiele: Einen Angeklagten erwartet "eine Geldstraße", ein Mundart-Duo sorgt in der "vollgesetzten Stadthalle" für Begeisterung, in einem Wald ist die Buche "die dominierende Baumamt". Eine Bürgermeisterin hat am 1. Januar "ihr Amt eingetreten", ein Fußballtrainer analysiert die "Quälitäten der Liga und die seiner Mannschaft".

Ein Jugendraum ist in den Sommerferien "nur sonnerstags geöffnet". Eine Band beginnt ihr Konzert mit Beatles-Klassikern, also Titeln der "Pilsköpfe". Die hätten vielleicht, wäre er denn nicht bereits 1860 gestorben, auch dem Philosophen "Arthur Schoppenhauer" gefallen.

Klassiker sind die - für Hessen schwer hörbaren - Verwechslungen von weich und hart ausgesprochenen Konsonanten. Jemand will "das Steuer herumreisen", vielleicht weil "die Macht ins Wangen gerät", und einer berichtet genervt von "breitem Gaugummi-Kauen" - muss das nicht Gauen heißen?

Eine hübsche Wortschöpfung, ja eine Idee für eine originelle Benennung ist die "Gemüseackerdemie". Der "Wehmutstropfen" versuchte sich erneut ins Blatt zu mogeln - vergeblich. Er dürfte einer falschen Vorstellung über die Wortherkunft entspringen. Die Idee, ein Laie beanspruche vorübergehend, was eigentlich Experten vorbehalten bleibt, könnte hinter der Erkenntnis einer "Redakteurin im Selbstversuch" stecken. Sie stellt fest: "Als Leihe mit Atemgerät zu tauchen ist gar nicht so einfach."

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