So verwaist wie am stürmischen Mittwoch könnte das Herz des Wochenmarkts im Winter, wenn weniger Händler kommen, künftig häufiger aussehen. Trotzdem sind fast alle Händler und Kunden dafür, den Betrieb dauerhaft bis auf den Kirchenplatz auszudehnen. FOTO: KW
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So verwaist wie am stürmischen Mittwoch könnte das Herz des Wochenmarkts im Winter, wenn weniger Händler kommen, künftig häufiger aussehen. Trotzdem sind fast alle Händler und Kunden dafür, den Betrieb dauerhaft bis auf den Kirchenplatz auszudehnen. FOTO: KW

Umfrage

Freude über mehr Platz am Gießener Wochenmarkt

  • Karen Werner
    vonKaren Werner
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War das Gewusel auf dem Gießener Wochenmarkt früher gemütlich - oder viel zu eng? Händler und Kunden begrüßen die Ausdehnung des Marktes bis zum Kirchenplatz.

Ein paar Gemüsefreunde verlieren sich zwischen den halb verwaisten Marktlauben, auch auf dem Brandplatz und Lindenplatz ist Abstandhalten kein Problem. Am Mittwoch sind etliche Händler dem Gießener Wochenmarkt wegen des Sturmtiefs "Kirsten" ferngeblieben. Da kann man schon einmal besichtigen, wie leer es manchmal im Winter aussehen könnte, falls der Markt langfristig bis zum Kirchenplatz ausgedehnt wird. Dennoch äußern sich bei einer kleinen GAZ-Umfrage vor Ort Beschicker wie Kunden einhellig: Sie befürworten einen "aufgelockerten" Markt auch nach der Corona-Pandemie. Dieses Vorhaben hat Bürgermeister Peter Neidel (CDU) im GAZ-Gespräch angekündigt.

Nach dem "Lockdown" Mitte März erlebte der Wochenmarkt einen wahren Kundenansturm, obwohl es Lebensmittel wie gewohnt in den Geschäften gab. Einkaufen unter freiem Himmel, Vitamine aus der Region, ein Begegnungsort mitten in der Stadt - all das wirkte attraktiv. Entsprechend schwer war es, den virensicheren Abstand einzuhalten. Die Stände wurden deshalb immer weiter auseinandergerückt und stehen mittlerweile bis zur Grenze des Marktplatzes. Für manche Radler und Fußgänger, die von und zur Walltorstraße unterwegs sind, ist das Fahrverbot und die Maskenpflicht an zwei Vormittagen in der Woche etwas lästig.

Doch die Händler, die dorthin ausweichen mussten, erweisen sich nun als Glückspilze. "Wir haben schätzungsweise zehn Prozent neue Kundschaft gewonnen, die auf dem Weg vom oder zum Marktplatz vorbeikommt", sagt Maik Bannert von Langgärtners Backhaus aus Pohlheim. "Die Leute sagen spontan: Ach, das probieren wir mal - und kommen dann wieder. Wir würden uns freuen, wenn die Aufstellung so bleibt." "Sehr zufrieden" ist auch Katharina Klaasen, Juniorchefin des Käsehandels Kirschbaum aus Betzdorf. Dort kaufen nun ebenfalls Menschen ein, die sonst nie auf den Wochenmarkt gehen. "Manche fragen: Sind Sie schon länger hier? Dabei stehen wir seit 24 Jahren auf dem Markt." Zugleich finde die Stammkundschaft den neuen Standort problemlos.

Selbst in der an diesem Tag recht trostlos wirkenden Marktlaubenstraße herrscht allenthalben Zufriedenheit. "Für mich ist es ideal, ich habe viel mehr Platz als früher und stehe unterm Dach", sagt Ute Knippel, die seit 55 Jahren Blumen und Gemüse der Wißmarer Gärtnerei Mülich verkauft ("mein Vater hat 1947 hier angefangen"). "Es ist viel entspannter als früher", findet eine Metzgereiverkäuferin.

Wie sah es hier eigentlich aus vor Corona? Manche Kunden müssen kurz nachdenken, um sich das einstige Gewusel vor Augen zu rufen. Und sie meinen unisono: Es war eher zu gedrängt als gemütlich. Mit viel Platz und Übersicht gefällt ihnen der Einkaufsbummel besser. Höchstens ganz in der Mitte zwischen den Marktlauben könnten noch ein, zwei kleinere Stände oder ein paar Sitzgelegenheiten stehen, meint eine Frau.

Beschicker: "Mit uns hat keiner geredet"

Neidels Äußerung habe er am Dienstag in der GAZ überrascht gelesen, erklärt Eric Döbele, Sprecher der Marktbeschicker. Er wünsche sich, dass die Interessengemeinschaft besser einbezogen oder zumindest informiert wäre. "Mit uns hat keiner geredet."

Grundsätzlich sehe auch er eine dauerhafte Ausdehnung positiv, "aber es sind noch einige Fragen zu klären. Stichwort Weihnachtsmarkt." Die Stromversorgung, derzeit noch mit Extrakästen sichergestellt, müsste auch auf dem Kirchenplatz fest in den Boden verlegt werden. "Und man muss erst einmal sehen, wie es im November oder Januar aussieht, wenn nicht immer alle Händler hier sind", so Döbele. Lücken wie an diesem Mittwoch könnten manchen Kunden bei ungemütlichem Wetter vielleicht zu groß sein.

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