Freude nicht verlernen

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Diese Zeiten sind sogar für unverbesserliche Optimisten wie mich eine Herausforderung, aber ich möchte Ihnen davon erzählen, wie ich sie anzunehmen versuche:

Ich übe mich darin, das Staunen und die Freude nicht zu verlernen. Ist es nicht ein Geschenk, dass die Wintersonne in diesen Tagen oft ein Licht auf die kahl gewordenen Bäume wirft, das die Sehnsucht nach Frühlingserwachen stark macht? Ist es nicht wunderschön, wie sich innerhalb kurzer Zeit die Blüten einer Amaryllis prachtvoll entfalten, aber dann auch wieder welken und der nächsten Blüte Raum geben? Ist es nicht erstaunlich, welche Kreativität und welche Zeichen liebevoller Zuwendung entstehen, wenn der Lockdown uns zu Rückzug und Isolation treibt, aber verteiltes Weihnachtsgebäck zusammen mit guten Gedanken und Wünschen oder von Herzen kommende Andachten auf allen Kanälen abrufbar sind? Ja, manche Aktionen sind darauf ausgerichtet, die fehlende Nähe in der eigenen Gemeinde zu ersetzen, aber die Vielfalt dessen, was ein weltweites Netz uns an Solidarität und Anteilnahme ermöglicht, zeigt mir, dass ich mit meinen Empfindungen nicht allein bin. Ich stelle mir vor, dass am Heiligen Abend Fernsehgottesdienste und Online-Übertragungen uns helfen, uns in die eigene oder eine andere schöne Kirche mit einem Weihnachtsbaum und zarter Musik ohne Pauken und Trompeten hineinzuträumen und die Freude des Festes an uns herankommen zu lassen. Das kann gelingen wie ein Feiertagsspaziergang zur geöffneten Kirche. Ich lerne von älteren Angehörigen oder Mitbürgern, die auch ohne Corona ihre Wohnung oder ihr Seniorenheim nicht verlassen konnten, dass der Anspruch an das Feiern können manchmal sehr bescheiden ausfallen muss, aber Liebe und Aufmerksamkeit ihren Weg finden, wenn wir es wollen.

Dekanin Barbara Alt, Lich

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