Wort zum Sonntag

Den Fremden nicht bedrücken

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Das Fremde löst in uns etwas aus, schon allein, weil es fremd ist. Es macht uns neugierig oder ist uns befremdlich, macht uns vielleicht sogar Angst. Wenn ein Fremder oder eine Fremde in unser Land kommen, lösen sie in uns etwas aus. Allerdings geht es ihnen auch so, wir sind für sie fremd und lösen auch in ihnen Neugier, Befremden oder Angst aus.

Dass das schon immer so war, zeigt die Weisung in der Bibel: Du sollst den Fremden nicht bedrücken. Denn gerade wer Angst hat, neigt dazu, das Fremde möglichst weit weg zu drücken, sich selbst möglichst stark darzustellen. Das ist wie das Kind, das pfeifend in den Keller geht, um seine Angst vor der Dunkelheit nicht so stark zu spüren.

Es gab schon immer Fremde im Land, das belegt die Weisung aus der Bibel auch. Deshalb bekommen wir den Auftrag, unsere Angst zu beherrschen und den Fremden so zu behandeln, dass wir auch seine Angst nicht noch verstärken, ihn nicht bedrücken.

Wo immer wir das schaffen, ist es eine Bereicherung und fördert das Leben für uns ebenso wie für Fremde. Wir haben die Angst vor fremden Früchten überwunden und dabei enorme geschmackliche Bereicherungen erfahren, die wir nicht mehr missen wollen. Die Fremden nicht zu bedrücken ist das Mindeste, was wir tun können.

Aber es geht noch mehr, wenn wir Fremde kennenlernen: Es besteht die gute Möglichkeit, dass wir die Fremden sogar schätzen lernen. Die Fremden, die in unser Land kommen, bereichern uns dann ebenso wie die Früchte - wenn wir es mit ihnen probieren. Wenn wir die Fremden allerdings schon an den Außengrenzen wegdrücken, dann haben wir keine Chance, uns von ihnen bereichern zu lassen. Ohne Import wäre unser Land leer. Wir werden wahrscheinlich manche nicht mögen und andere dafür umso mehr lieben. Doch das erfahren wir nur, wenn wir ohne Bedrücken aufeinander zugehen.

Susanne Metzger-Liedtke ist Pfarrerin der ev. Gesamtkirchengemeinde Freienseen-Sellnrod/ Altenhain

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