Freiwillig warten

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Noch eine Woche bis Heiligabend! "Wir warten aufs Christkind." Ich erinnere mich heute an den Titel jener Fernsehsendung aus Kindertagen, die am Nachmittag des Heiligabends vor der mutmaßlichen Bescherung in den Familien gezeigt wurde.

Warten fällt vielen schwer. Das spürt man besonders in der Schlange vor der Kasse im Supermarkt. Oder wenn die Fußgängerampel partout nicht auf Grün springen will, weil sie ihrer ganz eigenen Ordnung folgt. Da werden die Leute schon mal ungeduldig, und dann kann es passieren, dass die Stimmung kippt, die Luft knistert und die vorweihnachtliche Atmosphäre buchstäblich gesprengt wird.

Advent ist die Zeit des Wartens. Corona verdonnert uns zum Warten. Das fordert unsere Geduld heraus, die wir je nach Tagesform mehr oder weniger aufbringen können. Auch die Bibel kennt das Wort und die Haltung des Wartens.

Selbst die Jünger Johannes des Täufers fragen den erwachsenen Jesus: "Bist du es, der da kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten? (Lk 7,19)

Wenn ich freiwillig warte, etwa auf Besuch, der sich angekündigt hat, dann richtet sich mein Herz schon auf diese Begegnung aus und erfüllt die Zeit, in der ich sonst nichts tun kann. Genau zu dieser Haltung will der Advent einladen: wachsam zu sein für die Ankunft Gottes in dieser Welt.

Wenn ich unfreiwillig warten muss, könnte ich mir vornehmen, erst einmal durchzuatmen, denn das Warten öffnet uns Menschen auch für die Ankunft Gottes. Und wenn sich Augen und Ohren öffnen für die Zeichen seiner Nähe, wenn wir es schaffen, uns von unseren Erwartungen und vorgefertigten Vorstellungen zu lösen, dann kann es Advent werden. Da nageln wir Gott in seiner Ankunft nicht auf unsere Vorstellungen fest, sondern schaffen ihm in unseren Herzen einen Raum, wo er ankommen kann. Dann kann das Christkind kommen.

Dekan Hans-Joachim Wahl, Katholisches Dekanat Gießen

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