Amtsgericht Gießen

Freispruch für Türsteher

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Gießen(khn). Es waren heftige Vorwürfe, die gegen einen 55 Jahre alten Türsteher im Raum standen: Der Mann soll Ende August 2018 einen jungen Lehrer vor einem kleinen Gießener Club geschlagen und getreten und Mitte September 2018 eine Gruppe von jungen Menschen an gleicher Stelle brutal aufgemischt haben. Nicht nur Richter Dr. Dietrich Claus Becker hatte Zweifel an einigen Angaben der mutmaßlichen Opfer, als er den Türsteher im Prozess am Amtsgericht Gießen jetzt freisprach. Auch die Staatsanwaltschaft hatte den Vorwurf der schweren Körperverletzung in zwei Fällen nicht mehr aufrechterhalten wollen und einen Freispruch gefordert.

Der 55 Jahre alte Türsteher ist kein Lamm; das war während des ersten Prozesstags Mitte März deutlich geworden: Eine kurze Zündschnur, leicht erregbar. Ein Kollege von ihm hatte als Zeuge ausgesagt und die Arbeit so beschrieben: "Du kannst keine Kirche oder keine Blume sein." Und in die Clubs gingen keine Priester, sondern Menschen, die viel Alkohol trinken würden.

Bereits am ersten Prozesstag war der Tatvorwurf vom September - die Körperverletzung gegen mehrere Studierende oder Hochschulabsolventen - nicht haltbar. Zu widersprüchlich erschienen die Aussagen der zum Teil erheblich alkoholisierten Partygänger. Auch im August war bei dem als Nebenkläger auftretenden 35 Jahre alte Lehrer von der Polizei 1,68 Promille im Blut festgestellt worden. Richter Becker sagte in seiner Urteilsbegründung, es sei anzunehmen, dass dem Mann nicht nur die körperliche Kontrolle fehlte, sondern auch die Erinnerung an die Ereignisse nicht hieb- und stichfest gewesen sei.

Die Staatsanwaltschaft griff in ihrem Plädoyer die bildhafte Sprache des Türsteherkollegen des Angeklagten auf: Im Gericht gehe es nicht um Glauben wie in einer Kirche. Es gehe darum, ob nach den Regeln des Rechtsstaats eine Verurteilung zu rechtfertigen sei. Die war es im Fall des 55 Jahre alten Türstehers nach einhelliger Ansicht von Gericht und Staatsanwaltschaft nicht.

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