Der Strafprozess gegen einen JLU-Professor vor dem Amtsgericht Gießen endete mit einem Freispruch.
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Der Strafprozess gegen einen JLU-Professor vor dem Amtsgericht Gießen endete mit einem Freispruch.

Amtsgericht Gießen

Freispruch für JLU-Professor: Untreue nicht belegbar

  • Guido Tamme
    VonGuido Tamme
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Der Strafprozess gegen einen JLU-Professor vor dem Amtsgericht Gießen endete mit einem Freispruch. Hinter den Nachforschungen zu seinem Umgang mit Universitätsgeldern sieht der Wissenschaftler eine gezielte Kampagne gegen ihn.

Gießen – Mit einem Freispruch endete am Amtsgericht der Strafprozess gegen einen JLU-Professor. Ihm wurde Untreue angelastet, weil er zwei Rechnungen über insgesamt 44 000 Euro für ein Forschungsprojekt aus für andere Zwecke eingerichteten Fördertöpfen hatte begleichen lassen. Die hemdsärmelige Vorgehensweise widersprach zwar dem Haushaltsrecht der Justus-Liebig-Universität, doch sei dieser kein Vermögensschaden entstanden, begründetete Dr. Dietrich Claus Becker die Entscheidung. Alle Prozessbeteiligten kritisierten die Kontrolle des 61-Jährigen durch die JLU als unzulänglich.

Freispruch für JLU-Professor: Strafverfahren drehte sich um Umgang mit Fördergeldern

Das Strafverfahren gegen den Professor für Landschaftsökologie und Ressourcenmanagement war bereits im vergangenen Herbst angelaufen. Nach einem Befangenheitsantrag der Staatsanwaltschaft gegen den damaligen Richter und einem Hilfsbeweisantrag war es aber ausgesetzt worden. Die Nachermittlungen von Staatsanwalt Dr. Volker Bützler führten zwischenzeitlich zu einer Reduzierung der Anklagevorwürfe von vier auf zwei strittige Rechnungen aus dem Jahr 2011. Nicht mehr aufrechterhalten wurde auch die Darstellung, die Überweisungen seien zur Pflege einer damals bereits geschlossenen Algenzuchtanlage bei Bamberg getätigt worden.

Zur Begleichung der einen Rechnung der Algenland GmbH hatte der Professor ein Drittmittelkonto verwendet, aus dem seine Gutachten zu etwaigen Problemen durch die Einleitung von Enteisungsmittel-Rückständen des Frankfurter Flughafen ins die Kläranlage Niederrad finanziert worden war. Dieses Projekt war schon 2008 ausgelaufen, doch waren gut 16 000 Euro übrig geblieben. Als dies der JLU-Finanzabteilung zweieinhalb Jahre später auffiel, veranlasste der Wissenschaftler die Überweisung des Restbetrags an die Alpenland GmbH, in der er Mitgesellschafter ist. Der korrekt Weg wäre aber die Übertragung auf ein Drittmittel-Restkonto der Professur gewesen.

Freispruch für JLU-Professor: JLU-Revision ist bis heute unzufrieden mit den beiden Überweisungen

Die zweite Rechnung dieser Gesellschaft über 27 700 Euro ließ der Wissenschaftler aus dem Drittmitteltopf für einen Forschungsauftrag der Entsorgungsbetriebe Wiesbaden zur Mülldeponie-Organisation anweisen, das damals noch lief.

Die JLU-Revision ist bis heute unzufrieden mit den beiden Überweisungen: Aus ihrer Sicht hat der Hochschullehrer nicht schlüssig belegen können, wofür genau die GmbH sie bekommen hat.

Dass es noch nicht einmal einen Kooperationsvertrag mit der Firma gab, kritisierte auch Staatsanwalt Bützler. Die Überweisungen zweckgebundener Mittel nach Gutdünken seien eindeutige Rechtsverstöße, betonte er und beantragte eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten.

Freispruch für JLU-Professor: Effektive Kontrolle für Umgang mit Drittmitteln durch die JLU fehlte

»Eigentlich müsste die Universität auf der Anklagebank sitzen«, widersprach Verteidiger Frank Richtberg entschieden. Ihr seien sämtliche Informationen zu den Drittmitteln vorgelegt worden. Auch die Algenforschung sei als Projekt anerkannt gewesen.

Die JLU habe jederzeit Zugriff zu den verschobenen Mitteln gehabt, zumindest damals aber keine effektive Kontrolle ausgeübt, unterstrich auch Gerichtsvorsitzender Becker in der Begründung des Freispruchs. Die Pflichtverletzungen hätten aber offenkundig die Projekte nicht gefährdet.

Der Professor hatte bereits zweimal mit der Justiz zu kämpfen. Im Oktober 2019 war er im Woolrec-Verfahren vor dem Landgericht Gießen wegen Beihilfe zum unerlaubten Umgang mit gefährlichen Abfällen zu einer hohen Geldstrafe verurteilt worden; Revision ist eingelegt. Wenig später wurde er wegen Subventionsbetrugs und Untreue in acht Fällen vor dem hiesigen Amtsgericht verwarnt; es ging um falsche Abrechnungen für seine Doktoranden.

Hinter den Nachforschungen zu seinem Umgang mit Universitätsgeldern sieht der Wissenschaftler eine gezielte Kampagne gegen ihn. Er verweist darauf, dass er seinerzeit binnen zwölf Jahren rund 6,2 Millionen Euro an Drittmitteln eingeworben hatte. Inzwischen erfüllt der Professor an der JLU nur noch seine Pflicht. Seine Forschungsaufträge und Gutachten wickelt er allein über die TransMIT GmbH ab. (ta)

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