Eva Berck, Monika Seul, Rosa Grätz-Jung und Heide Blum gehören zu den "Frauen für den Frieden Gießen". FOTO: BF

"Frauen für Frieden" sind besorgt

Gießen(bf). Aktuell spricht die Welt vor allem über die Corona- und Klimakrise. Geht es nach den Gießener "Frauen für den Frieden", darf aber auch die weltweite Militäraufrüstung nicht in Vergessenheit geraten. Das Team um Eva Berck und Heide Blum, das sich seit fast 40 Jahren für den Frieden einsetzt, lud daher zum kommenden 75. Jahrestag (am 6. August) des Atombombenabwurfs der USA auf Hiroshima ins Frauenkulturzentrum ein, um dieses Ereignis ins Gedächtnis zu rufen.

Immer wieder richtet die Gießener Initiative Schreiben an Bundestagsabgeordnete. "Antworten bekommen wir eigentlich nur von den linken Parteien", moniert Heide Blum, die in der SPD Mitglied ist.

Tatsächlich fand das Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) für 2019 heraus, dass ein Höchststand an Militärausgaben erreicht wurde. Die unvorstellbare Zahl weltweiter Ausgaben für Militärs: 1917 Milliarden US-Dollar. Die USA haben dabei mit Abstand den größten Anteil mit 38 Prozent, sagen die Friedensforscher, gefolgt von China mit 14 Prozent und Indien mit 3,7 Prozent. Deutschland befindet sich auf Platz sieben mit 2,6 Prozent.

Das Geld für Militärausgaben solle besser in Armutsregionen fließen, um Projekte zur Selbsthilfe zu fördern, wie etwa Solaranlagen oder Wasseraufbereitung, wünschen sich die Gießener Frauen für den Frieden. Das würde auch Fluchtursachen bekämpfen.

Den geplanten Abzug von US-Militär aus Deutschland sieht Eva Berck positiv. "Würden sie doch nur auch die Atombomben mitnehmen", ergänzt sie. Dass Deutschland einer der großen Waffenproduzenten in der Welt ist und deutsche Rüstungsgüter in Krisenregionen zum Einsatz kommen, sehen die Friedensaktivistinnen genauso kritisch wie den Einsatz von Drohnen als Militärwaffen. Mit den ferngesteuerten Fluggeräten werde das Töten, weil aus der Ferne per Knopfdruck ausgeführt, noch leichter gemacht. Hemmungen gebe es da noch weniger. Dass dafür auch der Militärstützpunkt in Ramstein genutzt wird, dürfe zwar nicht sein, aber "aufgeben werden die USA diesen wichtigen Stützpunkt niemals", glaubt Eva Berck.

Sorgen machen sich die Frauen auch um den Nachwuchs in der Friedensbewegung, sie rufen daher zur Unterstützung auf: "Wir suchen natürlich Menschen, die gegen diesen Irrsinn endlich protestieren wollen", erklärt Heide Blum.

Nachwuchs gesucht

Bei jungen Menschen sei da jedoch kaum Interesse vorhanden. "Das liegt vielleicht daran, dass viele glauben, sie könnten eh nichts ändern", ist Blums Vermutung. Eine Mitschuld gibt sie jedoch auch Filmen und Computerspielen, in denen Gewalt oft eine wichtige Rolle spielt. Das wirke bei einigen Menschen abstumpfend gegenüber echten Konflikten in der Welt. Frieden in Deutschland sei irgendwie zu einer vermeintlichen Selbstverständlichkeit geworden, 75 Jahre nach Kriegsende.

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