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Milad Ghafari gibt derzeit viel Geld für Desinfektionsmittel aus und erhofft sich Unterstützung. FOTO: MAC

Frau und Sohn müssen warten

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Gießen(mac). Wenn Briefträger Milad Ghafari nachmittags nach seiner Tour durch das Gießener Südviertel nach Hause kommt, nimmt er normalerweise erst mal seine Frau in den Arm und drückt seinen kleinen Sohn an sich. Beide bekommen vom Papa dann natürlich auch ein Küsschen. "Familie ist mir sehr wichtig. Wir gehen liebevoll miteinander um", sagt der 34-jährige gebürtige Iraner.

In der Corona-Krise müssen sich seine Frau und sein Sohn aber erst mal eine Weile gedulden, bis sie den Familienvater herzen können. "Ich ziehe vor der Wohnung die Kleidung aus, gehe duschen und mich desinfizieren", sagt Ghafari. Keinesfalls will er seine Familie in Gefahr bringen. Schon die Vorstellung, in der kleinen Wohnung mit drei Personen in Quarantäne zu sein oder sich von Frau und Kind fernhalten zu müssen, macht ihm Sorgen.

Ghafari arbeitet erst seit gut zwei Monaten als Briefträger bei der Deutschen Post. Auf seinen Touren beschäftigt er sich schon mit dem Gedanken, dass er sich bei möglichen Begegnungen an den Haustüren infizieren könnte. Aus diesem Grund trägt er Gummihandschuhe. "Sie können sich vorstellen, wie die Haut nach acht Stunden in diesen Handschuhen aussieht", sagt Ghafari. Kontakt mit den Empfängern der Postsendungen vermeidet er. "Ich lege die Sachen auf die Treppe. Die meisten Leute haben Verständnis, manche haben auch Angst und sagen schon von Weitem: "Kommen Sie mir nicht zu nah!". Ghafari lacht.

Der Iraner mag seinen Job. Es sei durchaus ein gutes Gefühl, in dieser Krisenzeit etwas für die Menschen machen zu können", sagt er. Oft freuen sie die Leute schließlich auf die Dinge, die er bringt. Als Held fühle er sich aber nicht. "Ich mache meine Arbeit. Irgendjemand muss das ja tun."

Trotzdem freut sich Ghafari, wenn er an manchen Briefkästen kleine Botschaften entdeckt. Zettelchen oder Bilder. Einige Menschen bedanken sich auf diese Weise bei ihm und den anderen Briefträgern oder Paketfahrern, die derzeit trotz Corona-Krise rausgehen und ihren Job machen.

Kleine Botschaften und Danksagungen an den Briefkästen

"Es ist schön, wenn Menschen wertschätzen, dass wir jetzt auch Risiken eingehen und mit unserer Arbeit dazu beitragen, dass die Welt sich weiterdreht"; sagt Ghafari. Von manchen dieser Botschaften hat der Briefträger Fotos gemacht, die zeigt er nach Feierabend dann seinem Sohn. Vielleicht versteht der kleine Mann, dann besser, warum er gerade einen Moment warten muss, bis er seinen Vater in den Arm nehmen kann.

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