Frankreich als Mahnung

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"Trotz Freibad-Flatrate sind so viele gekommen." Die Freude war Julia Hinze vom AStA der Justus-Liebig"-Universität am Montagnachmittag anzusehen, als sie die Zuhörer der letzten Vortragsveranstaltung im Rahmenprogramm der von der Studentischen Initiative gegen Antisemitismus und Antizionismus organisierten Israel-Ausstelung begrüßte. Trotz Badewetter waren rund 70 vorwiegend junge Leute in den Margarete-Bieber-Saal in der Ludwigstraße gekommen, um dem lanjährigen Bundestagsabgeordneten Volker Beck (Grüne) zum Thema "Antisemitismus heute" zuzuhören.

"Trotz Freibad-Flatrate sind so viele gekommen." Die Freude war Julia Hinze vom AStA der Justus-Liebig"-Universität am Montagnachmittag anzusehen, als sie die Zuhörer der letzten Vortragsveranstaltung im Rahmenprogramm der von der Studentischen Initiative gegen Antisemitismus und Antizionismus organisierten Israel-Ausstelung begrüßte. Trotz Badewetter waren rund 70 vorwiegend junge Leute in den Margarete-Bieber-Saal in der Ludwigstraße gekommen, um dem lanjährigen Bundestagsabgeordneten Volker Beck (Grüne) zum Thema "Antisemitismus heute" zuzuhören.

In dem von JLU-Politikwissenschaftlerin Jeanette Ehrmann geführten Gespräch forderte Beck, der früher unter anderem Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Parlamentariergruppe war, mehr Solidarität der Mehrheitsgesellschaft mit den Juden in Deutschland. "Antisemitismus ist nicht das Problem der Juden. Wenn wir das nicht verstehen, werden wir erleben, was in Frankreich gang und gäbe ist", sagte Beck mit Blick auf die seit Jahren anhaltende Auswanderung französischer Juden nach Israel. "In Frankreich gab es keine Solidarität", fügte Beck hinzu.

Becks deutlichen Aussagen zum Umgang mit dem Antisemitismus hierzulande war anzumerken, dass er sich Sorgen macht, weil sich zu wenige Menschen "zuständig fühlen". Diesbezüglich typisch sei der Skandal um die Echo-Verleihung an zwei Rapper gewesen, die trotz antisemitischer Textpassagen riesige Verkaufserfolge hätten feiern können. Weder Plattenfirmen noch die Jury des Echos seien ihrer Verantwortung gerecht geworden, stattdessen sei das Format hinterher in Form eines "Reinigungsrituals" beerdigt worden. "Ignorant" angesichts einer leider existenten Judenfeindschaft findet Beck auch Aussagen wie die: "Antisemitismus hat in Deutschland in keinen Platz." Statt solche "ideologischen Endsiege" zu proklamieren und Antisemitismusbeauftragte dann folgerichtig materiell wie "einen Grüßaugust" auszustatten, forderte Beck mehr Bewusstsein für das Problem.

Recht gab er einer Zuhörerin, die sich über die einseitige und israelkritische Berichterstattung vor allem von ARD und ZDF über den Nahostkonflikt beklagte. "Israel ist immer der Aggressor, auch wenn es sich verteidigt", meinte Beck. Viele in Deutschland ("Wir sind ein Land von 82 Millionen Nahostexperten") redeten "empathielos und besserwisserisch" über Israel, ohne das Land jemals besucht zu haben. Um sich bei dieser Gelegenheit zum Beispiel selbst ein Bild von der Sicherheitslage zu machen. Beck mit Hinweis auf den Terroranschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt vor zwei Jahren: "In Israel haben sie 100 Breitscheidplätze, wir hier haben einen." (Foto: Schepp)

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