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Frank Sommerlad hat bereits mit 14 Jahren im elterlichen Unternehmen mitgearbeitet.

Mensch, Gießen

Frank Sommerlad: Aus dem Schatten des Vaters

  • Christoph Hoffmann
    VonChristoph Hoffmann
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Frank Sommerlad ist ein Geschäftsmann, wie er im Buche steht. Über 500 Mitarbeiter arbeiten für den Gießener. Das Geschäft mit Möbeln ist in der Familie fest verankert,

Das Verwaltungsgebäude des Möbelunternehmens Sommerlad liegt im Flutgraben. Für Geschäftsführer Frank Sommerlad ein besonderer Ort. Von dem Besprechungsraum aus, in dem er gerade eine Kanne Tee genießt, kann er auf den Hof der Goetheschule blicken, wo er selbst einmal das Einmaleins gelernt hat. Vor allem aber befindet sich das Gebäude dort, wo Sommerlads Großvater 1938 seine Schreinerei unterbrachte, direkt neben der Möbelausstellung in der Bahnhofstraße. »Angefangen hatte er bereits 1930 in Beuern, wo er von seinem Hof aus handgefertigte Möbel verkauft hat«, erzählt Sommerlad und fügt mit einem Augenzwinkern zu: »Der Hof war quasi sein Showroom.« Seither hat sich viel getan, aus der einstigen Werkstatt in einem Busecker Garten ist ein erfolgreiches Unternehmen mit 500 Mitarbeitern geworden. Mit Herausforderungen, die Sommerlads Vorfahren noch nicht einmal erahnen konnten. Von Hackerangriffen und Corona hat Firmengründer Rudolf Sommerlad sicher nie etwas gehört.

Frank Sommerlad ist echter Schlammbeiser, wie er durchaus stolz betont. »Ich bin in Gießen geboren und aufgewachsen.« Das Elternhaus, indem zuvor schon die Großeltern gelebt hatten, stand an der Ecke Alicenstraße/Bahnhofstraße. »Ich kenne die Wieseck also rauf und runter, sie war so etwas wie ein Abenteuerspielplatz für mich.«

Nach der Grundschule ging Sommerlad auf die Herderschule, lange blieb er jedoch nicht. Seine Eltern beschlossen, das beschauliche Launsbach sei für die drei Kinder - Sommerlad hat zwei Schwestern - das bessere Umfeld zum Aufwachsen.

Gießen blieb er dennoch verbunden. »Um mir etwas dazuzuverdienen, habe ich bereits mit 14 Jahren im elterlichen Unternehmen angefangen. Da unten, in der Holzbude«, sagt der 53-Jährige beim Blick aus dem Fenster. Die Holzbude war damals der erste Mitnahmemarkt des Unternehmens. Nach dem Abitur auf der Friedrich-Feld-Schule stand für den Jugendlichen daher auch fest, in die Fußstapfen des Vaters treten zu wollen. Für diese Verantwortung wollte er gut ausgebildet sein, und so entschloss er sich für ein Studium. Zunächst forderte jedoch die Bundeswehr seinen Dienst. Ein Glücksfall für den Weg in den Chefsessel, wie sich später herausstellen sollte. »Ich habe damals viel über Führung gelernt. Vor allem, wie man es nicht machen sollte.«

Nach seiner Zeit beim Bund studierte Sommerlad BWL an der Fachhochschule in Gießen. Auch bei einer Unternehmensberatung in Hamburg hospitierte er, bevor er mit 26 Jahren in das Möbelgeschäft einstieg. Sein Vater Rudolf Sommerlad junior war damals Chef des Hauses. Trotzdem gab er dem Sohn Möglichkeiten zur Entfaltung. »Er hat mich unwahrscheinlich viel machen lassen, ich durfte schon mit 26 mein erstes großes Projekt angehen.«

Damals gehörte zum Unternehmen auch eine in Wettenberg ansässige Großhandelssparte, in der nur Handwerker einkaufen durften. Sommerlad registrierte schnell, dass dieser Zweig keine große Zukunft hatte. »Ich habe es dann in einen Möbeldiscountmarkt umgewandelt.« Sommerlad war der Überzeugung, dass das Unternehmen auch Möbel für Menschen mit kleinerem Geldbeutel anbieten musste. Das war Mitte der 90er Jahre, der Somit-Möbelmarkt war geboren. Allerdings stieß er dabei auch auf Widerstände. »Im Unternehmen haben die Leute geklagt, dass ich nun Spanplatten verkaufen würde.« Auch die Bank schien nicht sonderlich begeistert, erinnert sich Sommerlad. Schlussendlich habe der Berater die nötigen Gelder jedoch freigegeben. Nach dem Motto: Wenn es nicht klappt, wird der Senior schon einspringen. »Das war natürlich Ansporn für mich«, sagt Sommerlad. Allerdings habe er sich in seinem Businessplan tatsächlich verkalkuliert, was er der Bank auch umgehend mitgeteilt habe. »Der Gewinn fiel doppelt so hoch aus wie geplant.«

Manch ein Patriarch hätte den Erfolg der Somit-Gründung als eigene Leistung verkauft. Doch so war Sommerlads Vater nicht, wie der Sohn betont. »Er hat überall erzählt, dass das mein Verdienst war.«

Sechs Jahre lang arbeiteten Vater und Sohn zusammen. Und das gut, wie Sommerlad betont. Einen Generationenkonflikt habe es nicht gegeben. Doch dann, im Jahre 1998, wurde das Leben der Familie auf den Kopf gestellt. »Mein Vater hat Mitte August erfahren, dass er todkrank ist. Mitte Oktober ist er dann gestorben.« Rudolf Sommerlad wurde 62 Jahre alt.

Der Tod eines Elternteils kann einen aus der Bahn werfen, vor allem, wenn man erst 31 Jahre alt ist. Auch Sommerlad hat der Schicksalsschlag getroffen. Zeit zum Trauern blieb ihm jedoch nicht, schließlich musste er als neuer Geschäftsführer den Betrieb nicht nur aufrechterhalten, sondern auch den Bau der damals in Planung befindlichen Möbelstadt im Schiffenberger Tal vorantreiben. »Auf einmal waren da 300 Mitarbeiter, die mich erwartungsvoll angeschaut haben. Da habe ich die Last, aber auch Verantwortung gespürt«, sagt er und betont: »Ich musste mich abschotten. Ich hatte keine Zeit, den Tod meines Vaters zu verarbeiten.«

Doch Sommerlad überstand die schwere Zeit und baute das Unternehmen immer weiter aus. Inzwischen gehören mehrere Häuser und Unterfirmen zur Sommerlad-Gruppe, die Mitarbeiterzahl hat sich fast verdoppelt. Sommerlad ist also ein alter Hase im Geschäft - die unternehmerisch schwerste Zeit liegt allerdings gar nicht lange zurück.

»Der Hackerangriff war ein Schock«, sagt der 53-Jährige über die Cyber-Attacke von vor eineinhalb Jahren. Die Hacker-Gruppe »Darkside, Inc.«, die auch für einen großen Hackerangriff auf eine amerikanische Pipeline verantwortlich sein soll, hatte sich über einen Kundenaccount Zugriff auf die Server verschafft und das System durch eine sogenannte Ransomware lahmgelegt. Die Erpresser wollten Geld, wie viel, weiß Sommerlad aber nicht. »Die NSA hat sie gegengehackt, danach sind sie abgetaucht.«

Ebenfalls schwerwiegende Folgen für das Unternehmen hat die Corona-Pandemie. Viele Monate musste das Möbelhaus im Schiffenberger Tal geschlossen bleiben. Sommerlad zog deswegen vor Gericht, mal gewann er, mal verlor er. »Wir haben durch die Pandemie viel Kapital verloren«, räumt der Gießener ein. Zum ersten Mal in der über 90-jährigen Firmengeschichte sei das Unternehmen auf staatliche Hilfen angewiesen gewesen. »Sonst wäre es zu einer Katastrophe gekommen.«

Dass er diese privaten und beruflichen Krisen überstanden hat, hat Sommerlad auch seiner Ehefrau zu verdanken. »Sie war eine Freundin meiner großen Schwester, ich war damals 18, 19 Jahre alt«, sagt Sommerlad und kann beim Gedanken an das Anbandeln das Lächeln nicht verkneifen. »Ich war ein jüngerer Kerl, außerdem war sie damals vergeben. Ich musste mich also sehr anstrengen.« Zum Glück habe der damalige Freund »viele taktische Fehler« gemacht, wie es Sommerlad formuliert, die er für sich habe nutzen könnte. Das klingt schon fast nach dem Geschäftsmann, der er später werden sollte.

Die Sommerlads sind inzwischen seit 35 Jahren ein Paar und seit 25 Jahren verheiratet. Ihre beiden Söhne studieren und arbeiten parallel ebenfalls im Unternehmen. Ob sie irgendwann in die Fußstapfen des Vaters treten, weiß Sommerlad nicht, er will auch keinen Druck ausüben. Er macht aber keinen Hehl daraus, dass er sich dieses Szenario durchaus vorstellen kann. Lächelnd sagt er: »Vielleicht führen sie das Unternehmen ja irgendwann einmal gemeinsam.«

Mit Herausforderungen, von denen der Vater heute noch nichts ahnen kann.

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