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Fotos der Generation Y im Neuen Kunstverein

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Nina Weymann-Schulz zeigt Fotos zur Generation Y im Neuen Kunstverein. Zu sehen sind die Aufnahmen noch vom 29. bis 31. August.

Als Generation Y wird in der Soziologie diejenige Bevölkerungskohorte genannt, deren Mitglieder um das Jahr 2000 herum zu den Teenagern zählten. Nina Weymann-Schulz, Jahrgang 1985, hat gerade in Hannover ihren Bachelor in journalistischer Fotografie gemacht und zählt sich zu eben dieser Generation. Ihre dreizehn Fotos, die sie am Freitagabend zur Vernissage im Neuen Kunstverein vorstellte, zeigen Freunde, die beispielsweise entspannt auf der Wiese gegenüber der Liebigschule liegen, eine junge Frau, die nachdenklich ins Leere blickt, eine Person, die nachts nach einer WG-Party das schwach beleuchtete Treppenhaus hinab geht. Es sind Momentaufnahmen einer bestimmten Schicht, einer Gruppierung, die sich in den Endzwanzigern verorten lässt.

In der Diskussion, die sich aus dem Eingangsgespräch der jungen Künstlerin entwickelt, wird Kritik geäußert. Es handele sich bei der Darstellung nicht zwingend um eine ganze Generation, sondern vielmehr um diejenigen deutschen Studenten aus Akademikerfamilien, die es sich finanziell leisten können, ausdauernd »sich selbst zu finden«, zu reisen und mitunter »den Traum ihrer Eltern« leben. Die Fotografin macht kein Geheimnis daraus, zu Hause »die absolute Sicherheit« erfahren zu haben.

Vor ihrem Studium ist sie zwei Jahre lang um die Welt gereist, hat Praktika gemacht und lange überlegen können, wohin ihr Lebensweg führen könnte. »Ohne reale Sorgen leben wir den Traum unserer Eltern, die vielleicht auch gerne etwas Kreatives gemacht und mehr gereist wären«. Es ist nicht so, dass Weymann-Schulz einen überwiegend positiven Blick auf ihre Lebensweise hat. Wenn eines der Bilder eine Frau zeigt, die während der Fahrt im Auto in die Ferne schaut, wird auch viel Melancholie und ein nicht zu vernachlässigendes Gefühl des Verlorenseins spürbar. »Heute ist die einzige Konstante, dass nichts mehr konstant ist.«

Die Künstlerin arbeitet in ihrer Ausstellung gezielt mit Zitaten und dem Gegensatz von objektivem Journalismus und dem Innenleben ihrer Umgebung. Auf einer Seite des ehemaligen Kiosk hängen die Bilder, die mit dem feinfühligen Blick einer Gleichgesinnten die Gefühlswelt der planlosen Studenten porträtieren, unter den Fenstern sind plakativ journalistische Meinungen, diversen Onlinemedien entnommen, notiert, die sich ein distanziertes Urteil über diese Spezies junger Menschen anmaßen. »Begriffe wie Work-Life-Balance, Flexibilität und Selbstbewusstsein werden gerne mit der sogenanten Generation Y in Verbindung gebracht« ist hier zu lesen.

Die Millennials seien jedoch optimistisch und selbstbewusst und hätten wenig Vertrauen in die Regierung, weshalb sie sich durch passiven Widerstand aktiv ins politische Geschehen einbrächten, heißt es, wenn man weiter recherchiert. »Ein Atemzug von Spektrallinien und die gesellschaftlichen Erwartungen« erweitert die ambitionierte Künstlerin ihren Ausstellungstitel. Wenn man nicht den Anspruch hat, auf wenigen Quadratmetern eine umfassende Bewertung einer Gesamtgeneration zu finden, kann man die Fotos sicher schon alleine wegen ihrer Ausdrucksstärke sehr schätzen.

Sophie Nagel

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