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Hä? Mathe ist für manche ein rotes Tuch und sorgt für viele Fragezeichen. FOTO: CHH

Formen, Zahlen und ein großes Fragezeichen

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Direkt neben dem Eingang des Mathematikums prangt ein großes Fragezeichen an der Wand. Dieses Satzzeichen bringt meine mathematischen Kenntnisse ganz gut auf den Punkt. Ich war nicht besonders gut in der Schule, aber in Mathe war ich richtig schlecht. Meine Abinote hat selbst die Zahl Pi um einige Kommastellen überstiegen. Und die kenne ich auch nur, weil sie im Mathematikum gut sichtbar an die Wand geschrieben ist. Also: In Mathe bin ich eine Null.

Vielleicht liegt es ja daran, dass es in meiner Kindheit solch ein tolles Mitmachmuseum nicht gegeben hat. Die Grundschulklasse, die an diesem Nachmittag mit mir durch die Gänge streift, ist von der Materie jedenfalls begeistert. Vor allem die Konstruktion, die es ermöglicht, in eine Seifenblase zu schlüpfen, sorgt bei den Kindern für Jubelschreie.

Bis auf die Kinder ist das Mathematikum in diesem Moment aber weitgehend leer. Das gibt mir die Gelegenheit, die einzelnen Exponate etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Auf einem Bildschirm erfahre ich zum Beispiel, dass die Ziffernfolge meines Geburtstags an der 797 172-ten Nachkommastelle von Pi zu finden ist. Hätten Sie’s gewusst? Auch den Fibonacci-Schieber führe ich mir zu Gemüte. Haben den nicht die Freimaurer erfunden? Beim daneben gezeigten Exponat macht es zum ersten Mal Klick. Es geht um den Goldenen Schnitt. Den kennen wir Journalisten, weil er beim Fotografieren eine wichtige Rolle spielt.

Während ich staunend durch die Gänge schlendere, begegne ich einem älteren Herren, der in eine Art Murmelbahn vertieft ist. Immer wieder lässt er zwei Kugeln die Schienen hinunterlaufen. Egal, wo er sie auflegt, die Kugeln kommen immer zum selben Zeitpunkt unten an. Der Senior schüttelt ungläubig den Kopf. Gibt’s doch nicht. Die Szene zeigt: Es ist nie zu spät, sich von der Faszination Mathematik in den Bann ziehen zu lassen. Trotzdem sind es die Kleinsten, die den Exponaten am meisten abgewinnen können. Ihr Jauchzen ist überall zu hören, sie bilden quasi die akustische Untermalung zum Museumsbesuch.

Am Ende meines Rundgangs komme ich noch einmal an der Seifenblasenmaschine vorbei. Die Kinder sind weg, der Boden ist verschmiert, auch an den Wänden hängt die Lauge. Somit dürfte klar sein: Die Mathematik ist, wenn sie spannend vermittelt wird, alles andere als eine staubtrockene Angelegenheit. (chh)

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