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Demo auf der neuen Rathenaustraße.

Demonstration

Forderung: Kein Durchfahrtsverkehr durch Rathenaustraße in Gießen

  • VonChristian Schneebeck
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Als „Landebahn“ wird die um- und vor allem ausgebaute Rathenaustraße gerne bezeichnet. Bei einer Demonstration des Uni-AStA wurde am Samstag eine Platznutzung gefordert.

Gießen – So ruhig wird man die Rathenaustraße demnächst nur noch selten erleben. Dabei haben sich die rund 50, überwiegend jungen Menschen am sonnigen Samstagnachmittag getroffen, um lautstark zu demonstrieren. Zwischen Phil I und Phil II machen sie es sich für zwei Stunden mitten auf der umgestalteten Straße gemütlich.

Sie parken ihre Fahrräder, bemalen den Asphalt mit Kreide, schießen Fotos und spielen Frisbee. Dann heißt es irgendwann: Alle mal herhören! „Wir befinden uns hier auf dem neuen Campusplatz“, begrüßt Oliver Jenschke von der Studierendenvertretung der Universität (AStA) die Teilnehmer der Demo.

Was für Fremde vielleicht gut klingt, hat allerdings einen gravierenden Haken. Denn der zukünftige Platz ist gar kein Platz - sondern eine Durchfahrtsstraße. So liefere dieser Teil des JLU-„Campus“ der Zukunft„ nicht weniger als ein „Sinnbild für die Gießener Verkehrspolitik“, sagt Jenschke. „Die Kommunalpolitiker haben viel darüber diskutiert und am Ende einen Minimalkonsens geschlossen.“ Statt dem in der Uni-Masterplanung von 2011 enthaltenen „Shared Space“ mit einer Gleichberechtigung von Fußgängern, Radfahrern, Bussen und Autos, erlebe man nun ein „Konzept der 70er Jahre“.

Gießen: Kein sicherer Querungspunkt in Rathenaustraße

Konkret heißt das: Der Autoverkehr bleibt nach Stand der Dinge in der Rathenaustraße durchgehend bevorrechtigt, Fußgänger müssen auf einer langen Mittelinsel warten, bis die Straße frei ist. Im Ausbaubereich gelte Tempo 30, sonst sind 50 km/h zulässig. Unter anderem, weil die neue Mensa auf der Ostseite der Straße gebaut werde und so bald mehrere Tausend Studenten auf dem Weg vom oder zum Mittagessen die Straße überqueren müssten, sieht Jenschke „die Belange der Studenten mit Füßen getreten“.

Denn Fußgänger hätten anstelle des früheren Zebrastreifens überhaupt keinen sicheren Querungspunkt mehr. Für Radfahrer bedeute der nicht durchgängige Schutzstreifen wenigstens „eine Gefahr“. Und barrierefrei sei das Ganze auch nicht. So könne die Politik den „Campus der Zukunft“ einfach nicht gestalten, wettert Jenschke, der mit einem solchen Präzedenzfall den Weg für ähnliche Konstrukte an anderen Orten geebnet sieht: „Wir wollen verhindern, dass sich diese falschen Verhältnisse etablieren.“

Gießen: Bürgerantrag für Expressbuslinie

Was die Demonstranten fordern, geht deutlich über die ursprüngliche Masterplanung hinaus. Um die „Abkehr vom motorisierten Individualverkehr“ zu forcieren, wünschen sie sich einen „Shared Space“ mit Durchfahrtsverbot für private Pkw. Nur Busse und Uni-Zulieferer sollen ihn passieren dürfen. Zusätzlich haben sie zum Beispiel einen Bahnhaltepunkt der Vogelsbergbahn hinter der Großen Mensa an der Ostschule auf der Liste.

AStA-Referent Maximilian Voigt kündigt am Samstag schließlich noch an, einen Bürgerantrag für eine „Expressbuslinie 18“ zwischen Philosophikum und Bahnhof zu initiieren. Auf der städtischen Bürgerbeteiligungsplattform GießenDirekt ist er bereits eingestellt worden. Dann geht das bunte Treiben weiter. Fast wie auf einem autofreien Platz. (csk)

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