1. Gießener Allgemeine
  2. Gießen

Gießen: Landgericht verhandelt folgenreichen Sturz im Stadtbus

Erstellt:

Kommentare

Ein Bus, der an einer Haltestelle steht.
In einem Bus der Linie 2 ereignete sich der verhängnisvolle Unfall. (Symbolfoto) © Oliver Schepp

In Gießen sitzt ein pensionierter Lehrer seit seinem Sturz im Stadtbus im Rollstuhl. Die Richterin nannte nun die Höhe des Schmerzensgeldes.

Gießen – Eine schwere Wirbelfraktur zog sich ein 81-Jähriger im September 2020 zu, als er in einem anfahrenden Stadtbus zu Boden stürzte. Seitdem ist der pensionierte Lehrer auf den Rollstuhl angewiesen. Ein kleiner Ausgleich dafür sind die 15.000 Euro Schmerzensgeld, auf die sich der Betroffene und die Mit.Bus GmbH als Beklagte in einem Widerrufsvergleich beim hiesigen Landgericht einigten. Der orthopädisch schon angeschlagene Senior wollte damals in der Nähe seiner Wohnung an der Haltestelle Lutherberg den Bus der Linie 2 verlassen und strebte mit seinem Rollator dem Ausgang zu. Der Busfahrer bemerkte das allerdings nicht, schloss die Tür und startete. Durch diesen Ruck kam der Fahrgast ins Straucheln und stürzte.

Die Heilung des Wirbelbruchs dauerte lange und erforderte mehrere stationäre Krankenhausaufenthalte. Bis heute ist der langjährige Kommunalpolitiker nicht wieder gesund. Er musste seine Wohnung aufgeben und lebt jetzt in einer Einrichtung mit betreutem Wohnen.

Der Senior sah die Verantwortung für seinen Unfall bei dem Busunternehmen und reichte eine Zivilklage mit einer Forderung von wenigstens 20.000 Euro Schmerzensgeld ein. Die Mit.Bus GmbH bestritt ein Mitverschulden und argumentierte, der stehende Fahrgast habe sich nicht festgehalten. Außerdem habe der Pfleger nicht ausreichend auf seien Schützling aufgepasst.

Gießen – Gericht sieht Mitverschulden des Busbetriebs

Gleich zu Beginn der Güteverhandlung in dieser Woche verdeutlichte Einzelrichterin Romy Kanzler, ein Haftungsausschluss für die Beklagte komme nicht in Betracht. Sie schlug deshalb einen Vergleich vor mit der Zahlung von 15.000 Euro plus gut 1000 Euro Anwaltskosten. Dem liege ein Mitverschulden des Stadtbusbetriebs von 50 Prozent zugrunde, bei einem Schmerzensgeld von 20.000 Euro und einer Ausgleichssumme von 10.000 Euro für die Dauerschäden. Rechtsanwalt Christoph Fockenberg stimmte für den Kläger zu. Sein Mandant sei an einer raschen Zahlung mehr interessiert als an einem langwierigen Rechtsstreit mit einer womöglich etwas höheren Summe, betonte er.

Die Rechtsvertreterin der Stadtwerke mochte indes zunächst nicht zustimmen. Sie verwies auf die weiteren Belastungen durch zu erwartende Rückforderungen der Beihilfestelle für die Behandlungskosten und das Kostenbeteiligungsverlangen des Sozialversicherungsträgers der Mit.Bus GbmH.

Landgericht in Gießen: Im Fall eines Prozesses könnte Summe noch steigen

Richterin Kanzler legte nach. Bei einem Urteil würde das Mitverschulden der Beklagten zwischen 50 und 100 Prozent liegen, versicherte sie. Außerdem könnte sich nach einem Sachverständigengutachten zum Zusammenhang zwischen dem Unfall und dem aktuellen Gesundheitszustand des Klägers dessen Ausgleichsanspruch noch erhöhen.

So kam es dann doch zu einem Vergleich, den beide Parteien innerhalb der nächsten Wochen widerrufen können. Mit den 15.000 Euro gelten alle etwaigen weiteren Ansprüche als abgegolten. Unabhängig von dem Betrag einigten sich die Anwälte auf eine Haftungsquote von 30 zu 70 Prozent. Das könnte der Versicherung der Mit.Bus GmbH das Ja zu dem Vergleich erleichtern. (ta)

In einem Mordprozess am Gießener Landgericht kam es indes zu einem heftigen Gefühlsausbruch. Vor mehr als fünf Jahren ist der Sohn der 70-Jährigen umgebracht worden. Nun sitzt Frau M. den mutmaßlichen Mördern gegenüber und macht eine emotionale Aussage vor Gericht.

Auch interessant

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,
wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.
Die Redaktion