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Long-Covid-Syndrom nennt man anhaltende Spätfolgen einer Covid-19-Infektion. Dazu zählen Müdigkeit, Konzentrationsschwäche oder Schmerzen in Muskeln und Gelenken. SYMBOLFOTO: DPA

Folgen von Long Covid behandeln

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Gießen (pm). Von Covid-19 genesen zu sein, heißt: Die akute Infektion ist überstanden. Doch viele Patientinnen und Patienten kämpfen noch monatelang mit Folgebeschwerden, die sich auch auf die Psyche auswirken - etwa chronische Müdigkeit, Muskelschwäche oder Konzentrations- und Schlafstörungen. An der Vitos-Klinik Gießen-Marburg hat sich nun ein Schwerpunkt zur Behandlung von Long Covid herauskristallisiert.

Das sogenannte Post-Covid-Syndrom (auch: Long Covid) hat unterschiedliche Symptome: Dazu gehören auch Atembeschwerden bei kleinster Belastung, Geruchs- und Geschmacksstörungen sowie diffuse Schmerzen oder Juckreiz. Die chronische Müdigkeit ist eine häufige Nachwirkung. Nicht selten kann sich sogar eine schwerwiegende Depression entwickeln.

Verschiedene Hilfen möglich

Das Auftauchen einer chronischen Müdigkeit nach Infektionskrankheiten ist laut Prof. Dr. Uwe Gieler, Klinikdirektor der Vitos-Klinik für Psychosomatik Gießen, nichts Neues. Bereits bei der Spanischen Grippe 1918 hätten im Nachgang viele Menschen an chronischer Müdigkeit und Erschöpfung gelitten, wird er in einer Vitos-Pressemitteilung zitiert. Es sei wissenschaftlich erwiesen, dass Entzündungsreaktionen durch einen Mitbefall des Gehirns in der Lage seien, eine chronische Müdigkeit und damit depressionsähnliche Symptome auszulösen. Auch andere Folgen einer Covid-19-Infektion wirkten sich auf die psychische Verfassung aus. So könnten Muskel-, Brustschmerzen und Atemprobleme zu Ängsten führen oder Geschmacksstörungen zu einer Beeinträchtigung des Essverhaltens. Damit einher gehe die Sorge, dass die Symptome für immer bleiben. Gieler betont: Das Post-Covid-Syndrom sei eine komplexe Störung, die eine klare körperliche Ursache hat, sich aber stark auf die Psyche auswirken könne.

Doch es gebe Auswege: »Viele Betroffene wissen nicht, dass es Konzepte zur Behandlung gibt«, sagt der Klinikdirektor. Hier könnten die VitosKliniken beispielsweise durch spezialisierte Behandlungsmethoden Krankheitsbilder wie Depressionen therapieren. Ebenso eigne sich das multimodale Konzept der Vitos-Klinik für Psychosomatik Gießen für eine Behandlung. Es umfasse Gespräche in Gruppen und Einzeltherapien, ergänzt durch Bewegungstherapie, Ergo-, Musik- und tiergestützte Therapie. Kombiniert werde dies mit einer körperlichen Diagnostik und der medikamentösen Ergänzung bei auffälligen Laborparametern.

Erste Betroffene in Therapie

Die ersten Betroffenen haben bei Vitos in Gießen eine Therapie durchlaufen - mit Erfolgen. »Das Post-Covid-Syndrom ist keine normale Erschöpfung und auch keine reine Depression, da der gesamte Mensch und seine psychische Stabilität in Mitleidenschaft gezogen werden«, sagt Gieler. Besonders die chronische Müdigkeit erfordere eine spezielle Herangehensweise, bei der körperliche wie psychische Aspekte gleichermaßen erfasst werden. Dafür sei die Psychosomatik prädestiniert. Stehe bei Patienten die depressive Symptomatik im Vordergrund, seien die psychiatrischen Teams an den Vitos-Kliniken für Psychiatrie und Psychotherapie gefragt. In Gießen gebe es Stationen, die auf die Behandlung von depressiven Störungen mit individuell zugeschnittenen Therapiebausteinen spezialisiert sind. Gieler appelliert an Betroffene, sich Hilfe zu suchen - bei der psychosomatischen Ambulanz oder der psychiatrischen Ambulanz der Vitos-Klinik.

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