Erinnerungsort in Gießen

Förderverein für »Lernort Meisenbornweg« gegründet

  • Marc Schäfer
    VonMarc Schäfer
    schließen

In Gießen ist der Förderverein »Lern- und Erinnerungsort Meisenbornweg« gegründet worden. Er will das Gedenken an die Erstaufnahmeeinrichtung lebendig erhalten.

Gießen (mac). Bis der vom Land Hessen angedachte und geplante Lern- und Erinnerungsort am ehemaligen Standort der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung im Gießener Meisenbornweg eröffnet werden kann, wird es noch eine Weile dauern. Ungeachtet dessen hat sich am Mittwochabend im Forum der Volksbank Mittelhessen im Schiffenberger Tal aber schon ein Förderverein gegründet. Er trägt den Namen »Förderverein Lern- und Erinnerungsort Meisenbornweg e.V.«.

Zweck des Vereins ist laut Satzung »die Förderung des Gedenkens, der Erinnerung, Information und des Dialogs über die Geschichte der ehemaligen Erstaufnahmeinrichtung des Landes Hessen seit dem Zweiten Weltkrieg durch ideelle und materielle Unterstützung des geplanten Lern- und Erinnerungsortes«.

Auf Einladung von Lars Witteck, einem der Initiatoren des Vereins, waren gut 30 Personen zur Gründungsversammlung gekommen, darunter Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz, Bürgermeister Peter Neidel, Stadträtin Gerda Weigel-Greilich, Landtagsabgeordneter Frank-Tilo Becher, Regierungspräsident Christoph Ullrich, Polizeipräsident Bernd Paul und weitere zum Teil bekannte Vertreter der Stadtgesellschaft. Gemeinsam hörten sie zunächst einen Vortrag von Alexander Jehn, dem Direktor der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung, und Mathias Friedel, bei der Landeszentrale verantwortlich unter anderem für Grenzmuseen und die Aufarbeitung der SED-Diktatur, zum aktuellen Stand der Planungen. Sie sehen unter anderem einen partiellen und vorsichtigen Rückbau der Anlage in den Zustand der Jahre 1963/64 vor. Zu dieser Zeit erhielt das Lager offiziell den Status eines zentralen Bundesnotaufnahmelagers. »Damit beginnt die große Geschichte dieser Anlage. Das ist das Alleinstellungsmerkmal«, betonte Friedel. Daher sei der Markenkern der Gedenkstätte - laut Jehn - auch »die Aufarbeitung der SED-Diktatur«. 900 000 Menschen aus der DDR, darunter fast alle freigekauften Häftlinge, sind am Meisenbornweg angekommen. Gießen galt bei vielen DDR-Bürgern daher als Sehnsuchtsort.

Über eine mögliche Zuspitzung auf die deutsch-deutsche Geschichte schien OB Grabe-Bolz indes nicht einverstanden zu sein. Kurzfristig hatte sie mehrere Änderungsvorschläge der Präambel des Vereins eingebracht, die im Kern alle auf die Funktion des Meisenbornwegs auch als Anlaufstelle für Spätaussiedler, Bürgerkriegsflüchtlinge und Asylsuchende hinweisen. Letztlich wurde daraufhin die Abstimmung über die Präambel zurückgestellt.

Vorsitzender des Vereins ist Pfarrer Matthias Leschhorn. Er wurde von den 21 weiteren Mitgliedern einstimmig gewählt. Seine Stellvertreterin ist Nicola Roether, Geschichtslehrerin an der Liebigschule. Außerdem im Vorstand: Lars Witteck (Kassierer), Peter Neidel (Schriftführer), Frank-Tilo Becher, Gerda Weigel-Greilich und Historikerin Jeannette van Laak (alle Beisitzer). Über die Gründung des Fördervereins waren Jehn und Friedel glücklich. »Das ist ein Schritt von großer Bedeutung für uns, denn der Lern- und Erinnerungsort soll an die Stadtgesellschaft angebunden sein«, meinte Friedel. Gerade bei der beginnenden inhaltlichen Gestaltung der Gedenkstätte setze man, so Jehn, auf die Bevölkerung, auf Zeitzeugen und Expertenwissen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare