Der Vorab-Blick aufs Bühnenbild zeigt: "Die Fledermaus" von Johann Strauß hat Treppen gern und Vorhänge auch. Foto: Lukas Noll
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Der Vorab-Blick aufs Bühnenbild zeigt: "Die Fledermaus" von Johann Strauß hat Treppen gern und Vorhänge auch. Foto: Lukas Noll

"Fledermaus" mit neuen Flügeln

  • Manfred Merz
    vonManfred Merz
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Gießen(mm). Wenn es die Corona-Lage zulässt, flattert am Wochenende ein Operettenklassiker durchs Stadttheater: "Die Fledermaus" von Johann Strauß. In einer speziellen Fassung für Salon-Orchester, erstellt von Dirigent Andreas Kowalewitz, kommt das Stück im Großen Haus zur Aufführung. Auch textlich gibt es Neues. Poetry-Slamer Lars Ruppel findet für einige Nummern innovative Worte und schärft die Dialoge an.

Zum ersten Mal Regie bei einer Operette führt Intendantin Cathérine Miville, die am Libretto den Rotstift ansetzt, um das eigentlich dreistündige Werk auf pausenlose 90 Minuten zusammenzustreichen. "Den 1. Akt haben wir extrem verkürzt", sagt sie während der Pressekonferenz im Theater, "ohne dass entscheidende Dinge fehlen". Premiere ist am Samstag, 31. Oktober, um 19.30 Uhr.

"Spritzig und witzig" soll die neue Orchesterfassung sein. Sie sieht im Gegensatz zum üppig orchestrierten Original eine kleine Besetzung vor, die pandemiebedingt mit 14 Musikern im Graben auskommen muss. Auf die Ouvertüre wird gepfiffen - sie entfällt komplett. "Wir nutzen die Vielfalt des Klaviers und lassen die Harfe häufiger spielen als in der Originalpartitur", unterstreicht Kowalewitz seinen Anspruch, den Humor mit neuen Klangfarben auszuloten.

Die noch immer notenreiche Bühnenintrige setzt auf Tempo. Wenn Prinz Orlofsky zum Fest lädt, will das niemand verpassen - weder Herr von Eisenstein, der an diesem Abend eigentlich eine Haftstrafe antreten sollte, noch seine Gattin Rosalinde, die ihn bei einem feurigen Csárdás wieder für sich gewinnen will.

Auch Adele, der Gefängnisdirektor Frank und Rechtsanwalt Dr. Blind sind mit von der Partie. Sie fungieren als Komplizen für Dr. Falkes Racheakt an Eisenstein wegen einer lange zurückliegenden Demütigung.

Als Stück im Stück geht’s im zweiten Akt in die Entstehungszeit der "Fledermaus", indem der berühmte Kostümball im historischen Premierenjahr 1875 verortet wird. Die Rahmenhandlung hingegen spielt in der Gegenwart. Das Ganze setzen Bühnenbildner Lukas Noll und Kostümbildnerin Katharina Sendfeld in Szene.

Ihr Gießen-Debüt gibt die Sopranistin Netta Or als Rosalinde, eine Spezialistin des dramatischen Koloraturfachs mit Erfahrung auch auf dem Gebiet der Operette. Tilman Unger spielt den Eisenstein, die bezaubernde Annika Gerhards die Adele. Daniel Arnaldos (Alfred) und Denis Lakey (Orlofsky) waren bereits bei der Uraufführung der Oper "Alp Arslan" im vergangenen Jahr in Gießen zu Gast. Aus dem Hausensemble sind Grga Peroš (Dr. Falke) und Tomi Wendt (Gefängnisdirektor Frank) zu erleben. Schauspiel-Altmeister Harald Pfeiffer wird in seiner erweiterten Rolle als Frosch eigene Akzente setzen.

Es singt der Opernchor unter Leitung von Jan Hoffmann, zu sehen sind ferner Mitglieder der Tanzcompagnies. Für die Körpersprache sorgt Choreograf Anthony Taylor.

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