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Naja Al-Ghadban (l.) und Shewit Yosief Yemane freuen sich, dass sie endlich schwimmen lernen können.

Wie Fische im Wasser

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Gießen (kw). Touristen gehen schwimmen, Männer lernen ebenfalls, sich über Wasser zu halten. Mädchen und Frauen jedoch lernen kaum jemals schwimmen in ihren ehemaligen Heimatländern. Das erzählen Naja Al-Ghadban aus dem Libanon und Shewit Yosief Yemane aus Eritrea mit einem entspannten Lächeln, denn sie holen das Versäumte jetzt nach: In einem Kurs für geflüchtete Frauen, den die Stadt in Kooperation mit der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft DLRG anbietet. Er ist nur eines von vielen Möglichkeiten im Rahmen des Landesprogramms "Sport und Flüchtlinge".

Seit 2016 beteiligt sich die Stadt Gießen an dem vom Land finanzierten Programm, schildern Tarik Mouhib (Fallmanager im Amt für Integration), Anne Rosenkranz-Bach (Sportamt) und Elisabeth Fett (Sportcoach) beim Pressegespräch. Vom Fußball bis zum Tischtennis, vom Tanzen bis zum Radfahren: Vereine und andere Institutionen werden besonders gefördert, wenn sie Migranten einbinden oder ihnen besondere Angebote machen. Dies fördere Integration, soziale Kontakte und Gesundheit für Kinder und Erwachsene, so die Erfahrung. Außerdem lernen die Zuwanderer das deutsche Vereinswesen kennen und schätzen.

Im regelmäßigem Austausch wird besprochen, wo zusätzlich Bedarf besteht. Der Wunsch nach einem Schwimmkurs wurde laut in einer Gymnastikgruppe für Frauen mit Kindern, die das Diakonische Werk in der Weststadt anbot. Wie gern würden sie mit ihren Kindern auch ins Freibad oder Hallenbad gehen, sagten die Frauen - doch weil sie selbst nicht schwimmen können, fühlen sie sich dabei nicht sicher. Anfang des Jahres entstand daraus der erste Kurs. Der zweite wird bald beendet.

Das Interesse sei unerwartet groß, berichtet Stadträtin Astrid Eibelshäuser: Für die zehn zur Verfügung stehenden Plätze hätten sich über 20 Interessentinnen gemeldet. Weitere Kurse seien daher in Planung, möglicherweise auch für männliche Migranten. Der aktuelle Kurs findet im Westbad auf abgesperrten Bahnen mitten im normalen Badebetrieb statt, auch die Betreuer sind mitunter Männer.

Schwimmlehrer dringend gesucht

Die meisten Teilnehmerinnen finden es vorteilhaft, in einer reinen Frauengruppe eine neue Sportart zu lernen. "Man wird selbstbewusster. Schwimmen macht stärker", sagt Naja Al-Ghadban. Shewit Yosief Yemane ist es besonders wichtig, dass auch ihre Kinder früh schwimmen lernen. Und beide betonen, wie viel Freude sie an dem kostenfreien Angebot haben. Meistens fühlen sie sich wohl wie die Fische im Wasser. "Im Tiefen bekomme ich manchmal Panik", gesteht Naja Al-Ghadban, "aber ich mache weiter".

Das Programm "Sport und Flüchtlinge" stößt allerdings an Grenzen, gerade was das Schwimmen betrifft: Händeringend sucht die Stadt Übungsleiterinnen oder -leiter. Wer daran Interesse hat und die nötige Qualifizierung mitbringt, kann sich beim Sportamt melden unter Tel. 0641/306-1704 oder per E-Mail an sportamt@giessen.de.

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