Alles wird gut! Sara Becker und Lina Gföller halten Maxwell fest, während Dr. Ahrem den Verband erneuert.
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Alles wird gut! Sara Becker und Lina Gföller halten Maxwell fest, während Dr. Ahrem den Verband erneuert.

Ein feuchter Kuss als Dankeschön

  • Christine Steines
    vonChristine Steines
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Maxwell hat seinen Halskragen zerlegt und erfolgreich versucht, an seiner OP-Wunde zu lecken. Das ist gar nicht gut, denn es verzögert die Heilung des Hinterbeins. Aber im Gegensatz zu einem Familienhund, der nach einer Operation sorgsam zu Hause überwacht wird, lässt es sich in einem Tierheim nicht immer verhindern, dass die Patienten stundenweise unbeaufsichtigt in ihren Zimmern sind. Dr. Barbara Ahrem schaut sich das Malheur an und versorgt die Wunde. Anschließend bekommt der Rüde einen neuen Verband. Tierheimmitarbeiterin Sara Becker und Auszubildende Lina Gföller halten den 44 Kilogramm schweren Rüden fest, streicheln ihn und lenken ihn ab. Zum Dank gibt es einen feuchten Schlabberkuss vom stattlichen Presa Canario.

Montag ist Arzttag im Tierheim. Vor der Tierärztin steht ein voller Karteikasten. Die Liste der Patienten, die ihr vorgestellt werden, ist lang. Bevor Ahrem in ihre Praxis in Buseck fährt und ihre "eigene" Sprechstunde beginnt, kümmert sie sich um die Vierbeiner des Tierheims.

Dabei blickt sie immer wieder in Abgründe - und zwar in menschliche. Denn die Häufchen Elend, die da zitternd vor ihr auf dem Tisch stehen, wurden häufig gerade dann von ihren Besitzern im Stich gelassen, wenn sie deren Zuwendung dringend gebraucht hätten. "Sobald es Geld kostet, trennen sich viele von ihrem Tier", sagt sie. Die Veterinärmedizinerin weiß das aus jahrzehntelanger Arbeit im Tierschutz.

So war es auch bei Flocki. Der kleine wuschelige Rüde ist blind und taub. Da er nicht weiß, was gerade mit ihm passiert, sind die Frauen mit ihm besonders vorsichtig. "Wenn er seine Kuscheldecke dabei hat, fühlt er sich sicherer", sagt Sara Becker. Damit in der Sprechstunde möglichst viele Tierheimbewohner an die Reihe kommen können, wird die Liste zügig abgearbeitet. Nachkontrolle bei Ohren- oder Augenentzündungen, Impfungen, Verabreichung von Wurmkuren. Frisst er? Sind Harn- und Kotabsatz normal? Gibt es Auffälligkeiten? Die Visite geht routiniert vonstatten. Ahrem und Becker sind ein eingespieltes Team.

Die nächste Patientin ist eine große schwarze Hündin. Sie wurde abgegeben, weil die Besitzer nicht alle ihre Hunde mit in die neue Wohnung nehmen durften. Das Tier humpelt, es leidet unter Arthrose. Die Auszubildende geht mit ihr auf den Hof, durch das geöffnete Fenster schaut Ahrem sich das Gangbild an. Sie beschließt, das schmerz- und entzündungshemmende Medikament noch weiter zu geben. Als die Hündin ins Tierheim kam, war sie viel zu dick, auch das hat den Verschleiß der Gelenke gefördert. Mittlerweile ist sie normalgewichtig.

Struppi, ein Widderkaninchen mit Hängeohren, gibt an diesem Vormittag seine letzte Vorstellung. Die Blasensteine, an denen es vor der Behandlung gelitten hat, sind weg, dem Tier geht es gut. Und noch eine gute Nachricht gibt es: Es hat sich eine Familie gefunden, die das Kaninchen zu sich nimmt. So viel Glück hat an diesem Vormittag sonst keiner. (cg)

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