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Franziska Müller Autorin der Festschrift

Festschrift zum Liebig-Museum

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Die coronabedingte Absage der Jubiläumsveranstaltungen zum 100. Geburtstag des Liebig-Museums ist bitter. Aber es gibt auch noch Positives zu berichten: Die Festschrift und die Festbroschüre liegen nun vor und bieten reichlich Lektüre, historische Fotos und Informationsmaterial.

Die Liebig-Gesellschaft wandelt seit vielen Jahren auf einem schmalen Grat. Einerseits bemühen sich die Mitglieder, das Erbe von Justus Liebig der naturwissenschaftlichen Präzision gemäß zu dokumentieren. Andererseits will man aber auch Leben und Wirken des großen Chemikers einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen.

Diesen "zwei Seelen in der Brust" trägt die Liebig-Gesellschaft auch im durch die Corona-Pandemie so gründlich vermasselten Jubiläumsjahr zum 100-jährigen Bestehen des Museums Rechnung. Nachdem alle geplanten Feierlichkeiten abgesagt werden mussten, dürften gleich zwei Publikationen zum Jubiläum beiderlei Ansprüchen gerecht werden.

Masterarbeit als Festschrift

Die soeben erschienene Festschrift "Das Liebig-Laboratorium - Von seinen Anfängen bis in die Gegenwart" stellt das Museum im Laboratorium und seinen berühmten Namensgeber im Stil einer wissenschaftlichen Arbeit vor. Eine ebenfalls neu erschienene Broschüre bietet Lesestoff für all jene, die Wissenswertes in kompakterer und leichter zugänglicher Form präferieren.

Die Festschrift wurde von der JLU-Historikerin Franziska Müller verfasst, entstanden auf der Basis ihrer 2019 an der Justus-Liebig-Universität vorgelegten Masterarbeit im Fach Neuere und Neueste Geschichte. Seit Januar 2017 arbeitete die Historikerin zudem im Archiv des Liebig-Museums, das sie, begleitet vom Regensburger Chemiehistoriker Prof. Dr. Christoph Meinel, inhaltlich erfasst und umstrukturiert hat. Meinel ist einer der bedeutenden deutschen Wissenschaftshistoriker. Er forscht zu Justus Liebig und begleitet die Justus-Liebig-Gesellschaft auf dem Weg zum angestrebten UNESCO-Weltkulturerbe. Er sollte ursprünglich Ende März den Festvortrag zu den Jubiläumsfeierlichkeiten halten. Corona hat es verhindert.

Auf rund 170 Seiten, inklusive zahlreicher Abbildungen, zeigt die Festschrift das "Liebig-Laboratorium als Ort der Wissensproduktion" sowohl unter Liebig in den Jahren 1824 bis 1852 als auch nach seinem Wirken in Gießen. Weitere Kapitel beschreiben unter dem Titel "Transformation in einen Erinnerungsort" die Gründung des Museums vor 100 Jahren, die maßgeblich auf die Initiative des Gießener Professors und Geheimen Medizinalrats Robert Sommer zurückgeht. Der hatte die Gründung des Museums im ehemaligen Laboratorium ab 1909 zu seiner Lebensaufgabe gemacht. So konnte - durch die Wirren des Ersten Weltkriegs mit Verzögerung - am 26. März 1920 das Museum im Laboratorium, begleitet von einem Akademischen Festakt der Universität und einem Galaabend im Stadttheater, er-öffnet werden.

Aber auch die Gründung der Liebig-Gesellschaft sowie unter der Überschrift die "Etablierung von Erinnerungspraktiken" sind die Anfänge des Museumsbetriebes, Jubiläumsfeiern und die Erschließung der Sammlung auch für die Öffentlichkeit Themen der Festschrift. Auch der Blick in die nähere Vergangenheit, etwa zu Jubiläen und Sammlungstätigkeiten in den 1970er Jahren oder Modernisierungsmaßnahmen in den 199er Jahren, dürfen nicht fehlen.

Ebenso werden die Bemühungen, das "Liebig-Laboratorium" als UNESCO-Weltkulturerbe anerkennen zu lassen, dokumentiert. Schließlich sei das Laboratorium "hinsichtlich seiner Aura mit Teilen der originalen Ausstattung, in seinem authentischen Gesamteindruck und als Teil eines städtebaulichen Ensembles einzigartig", betont Müller.

Gemeinsam zum Weltkulturerbe

"Dem Andenken Liebigs", wie bereits auf der Frontfassade des Museums in großen Lettern zu lesen ist, dient auch die Festbroschüre zum Museumsjubiläum. Diese hat ein Redaktionsteam mit Franziska Müller, Prof. Gerd Hamscher und Prof. Eduard Alter sehr ansprechend aufbereitet. Das Heft bietet auf knapp über 30 Seiten im nahezu DIN-A4-Format reich bebilderte Lektüre. Hierfür haben Mitstreiter des Museums 13 Beiträge verfasst. So berichtet Eberhard Theophel von den zahlreichen Experimentalvorlesungen, Bernd Commerscheidt stellt Liebigs berühmten Fünf-Kugel-Apparat vor, Gerd Hamscher thematisiert die Bedeutung Liebigs für die Lebensmittelchemie und auch Liebig-Sammelbilder (Christoph Müller), Liebigs Silberspiegel (Eduard Alter), sein Gießener Wohnhaus (Werner Schmidt) sowie seine Freundschaft mit dem Chemiker Friedrich Wöhler (Erwin Glaum) werden in prägnant kurzer Form vorgestellt.

Drei Städte wollen den großen Chemiker für sich beanspruchen. Und daher findet man in Liebigs Geburtsort Darmstadt und seinen Forschungsorten Gießen und München Denkmäler. Dass ausgerechnet in Gießen nur noch Liebigs Kopf am 1953 eingeweihten Liebig-Denkmal an das im Zweiten Weltkrieg zerstörte Denkmal von Bildhauer Fitz Schaper erinnert, wird dank der Auflistung Franziska Müllers in einem weiteren Kapitel schmerzlich bewusst.

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