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Kim-Viktoria Hammann (l.) und Wenke Ingwersen gehören zu den Organisatorinnen des Femme*Festivals. Die Kulturveranstaltung soll einen feministischen Raum zum Erfahrungsaustausch bieten. Die Idee dazu stammt aus Pit’s Pinte.

Festival für den Feminismus

Ein neues Festival will eine Bühne für den Feminismus bieten, und das mitten im Lockdown. Ein feministischer Stammtisch aus Pit’s Pinte veranstaltet ein Konzert, Workshops und eine Ausstellung. Die wird auf einem Rundgang durch die Stadt hinter Fensterscheiben zu sehen sein.

Der Name des Femme*Festivals verrät es bereits: Die Veranstaltungsreihe diesen Freitag und Samstag (12. bis 13. März) wird sich um den Feminismus drehen. Während der Großteil des Kulturbetriebes durch die Corona-Pandemie lahmgelegt ist, lässt sich eine Gruppe von Gießenerinnen nicht schrecken und organisiert eine Ausstellung, ein Konzert und Workshops. Dort wird sich unter anderem mit der Anatomie und Sichtbarkeit von Vaginas beschäftigt.

»Wir wollen mit dem Festival weiblich gelesenen Personen eine Bühne geben«, sagt Mitorganisatorin Wenke Ingwersen. Dafür stehe auch das »Raum« im Festival-Motto: Raum, Körper und Austausch. Kim-Viktoria Hammann aus dem Organisatorinnen-Kreis erklärt: »In unseren Gesprächen untereinander ging es immer wieder um Räume. Räume, die man sich zusammen nehmen und die man Künstlerinnen geben kann.« Die Freiräume für feministische Inhalte, die sie mit ihrem Festival schaffen, sollen einen Gegensatz zu den meist männlich dominierten Räumen im Kulturbetrieb bilden.

Austausch ist besonders wichtig

Der zweite Begriff des Mottos »Körper« stehe für einen kritischen Blick der Gruppe auf die Erwartungen, die an weibliche Körper gestellt werden, erklärt Hammann. Und der letzte Punkt scheint den Organisatorinnen besonders wichtig zu sein, der Austausch. Hammann sagt: »Wir erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und sagen nicht, das ist der Feminismus und so sieht er aus.« Vielmehr gehe es darum, durch das Festival mit unterschiedlichen Positionen in Dialog zu treten. »Niemand muss ein perfekter Feminist sein, wenn er auf das Festival kommt. Wir wollen über unterschiedliche Meinungen und Erfahrungen reden«, betont Ingwersen. Bei einem solchen Austausch haben sich die Organisatorinnen auch kennengelernt. Ende 2019 habe sich in Pit’s Pinte ein feministischer Stammtisch gebildet. »Wegen Corona ein schlechter Zeitpunkt für eine Stammtischgründung«, meint Ingwersen und lacht. Aber auch wenn die Treffen ins Digitale verlegt werden mussten, wuchs die Idee eines Festivals. »Wir sind alle in unterschiedlichen Subkultur-Initiativen engagiert«, sagt Ingwersen. Sie selbst arbeite bei der Giennale, andere seien zum Beispiel in der Alten Kupferschmiede aktiv. Erfahrung im Organisieren von Kulturveranstaltungen war also vorhanden. Zehn bis 15 Menschen wollten schließlich am Festival mitarbeiten. »Erst sollte es im September 2020 stattfinden, dann haben wir es aber auf März 2021 verschoben. Das war wohl immer noch zu optimistisch«, sagt Hammann.

Trotzdem wird das Festival jetzt stattfinden - zu großen Teilen im Internet. Aber nur zu großen Teilen und nicht ganz. Für die Ausstellung hat sich die Gruppe etwas Besonderes einfallen lassen. Unter dem Motto »Feminismus doppeltverglast« werden feministische Kunstwerke hinter den Fensterscheiben von Privatwohnungen und auch Initiativen wie der Anschlussverwendung zu sehen sein. Auf einer Stadtkarte werden die einzelnen Stationen dann eingezeichnet sein, damit man die Route nachgehen kann. »Es wird aber auch richtige Führungen durch die Stadt geben«, berichtet Hammann.

Das Konzert hingegen wird am morgigen Freitag (12. März, 20 Uhr) als Youtube-Stream zu sehen sein. Hammann wird dabei selbst einen Auftritt haben und sagt: »Wir spielen die Musik live in der Alten Kupferschmiede.« Vor Corona hätten sie eine große Auswahl an Bands gehabt, die sei jetzt deutlich kleiner gewesen. Hammann sagt: »Wir haben dadurch aber mehr lokale Bands gefragt, was sehr schön ist.«

Anatomie und Sichtbarkeit

Die Workshops werden ebenfalls über das Internet zu sehen sein. Freitags (12. März, 17 Uhr) treten die Women in Exile an und erklären, warum Frauen, die zusätzlich zum Beispiel unter Rassismus leiden, einen schlechteren Zugang zu Ressourcen wie Beratungsstellen haben. Am Samstag (13. März, 16 Uhr) gibt es einen Workshop mit dem Namen »Clit Visibility« (Klitoris Sichtbarkeit). Zeichnungen von Penissen sehe man an jeder Schultoilette, aber Vaginas seien unterrepräsentiert, meint Ingwersen. Der Workshop will sich einerseits mit der Anatomie, andererseits aber auch mit der Frage beschäftigen: Warum sind Klitoris und Vaginas weniger sichtbar im öffentlichen Bild?

Alle Veranstaltungen seien umsonst, damit es barrierefrei bleibe. Die Gruppe wolle mit dem Festival ein sehr niedrigschwelliges Angebot für alle Interessierten schaffen. Hammann: »Und es sind auch nicht nur Frauen eingeladen.«

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