Der Körper soll sich leicht drehen, die Kraft weniger aus den Armen kommen. FOTO: ZY
+
Der Körper soll sich leicht drehen, die Kraft weniger aus den Armen kommen. FOTO: ZY

Ein fester Stand ist wichtig

Gießen(zy). Der Vogelsberg ist nicht nur Mitteleuropas größtes zusammenhängendes Vulkangebiet. Hier finden sich auch die sogenannten Bergmähwiesen. Sie bestechen durch ihren hohen Artenreichtum, darunter seltene Pflanzen, Vögel, Insekten und Wildtiere. "Auf 25 Quadratmetern kommen zum Beispiel bis zu 61 Pflanzenarten vor. Das macht die Bergmähwiesen zu einem der wertvollsten Naturräume in Mitteleuropa", schwärmt Janina von Römer, die dieses Bewusstsein, zusammen mit der Initiative "Nähe ist gut", in das 40 Kilomter entfernte Gießen getragen hat.

Flora und Fauna schützen

Denn mäht Mensch noch händisch mit der Sense, soll er Flora und Fauna der Wiesen schützen können. Mähmaschinen hingegen sind laut und wenig umweltfreundlich, wenn es darum geht die Grasnarben zu stutzen. Zudem töten sie dabei Insekten, Nager, Wild und Vögel - sofern sie nicht schnell genug fliehen können. Oft bekommt das der Fahrer einer Mähmaschine gar nicht mit. Auf den Vogelsberger Bergmähwiesen ist dieses Risiko bei der Arbeit mit Sensen gering und soll wohl auch etwas therapeuthisches an sich haben, glaubt man den Sensenmännern und -frauen.

Wie das genau funktioniert konnten interessierte Bürger am Samstag im Stadtpark Wieseckaue beobachten und sogar lernen: In den drei Stunden durften jeweils acht Teilnehmer drauf los mähen. Das wirkte hier und da zwar noch etwas ungeschult, aber die Wiesen neben den Wegen des Parks wurden trotzdem mit viel Elan gestutzt.

So leicht wie es aussieht, ist es nicht. "Wichtig ist dabei ein fester Stand. Die Knie dabei leicht anwinkeln. Beim Schneiden dann vor allem mit der Körperdrehung und weniger mit Kraft aus den Armen arbeiten", lautete hier die Devise. Unter dem geschulten Auge und Anleitung von erfahrenen Profis, klappte das Sensen mit etwas Übung immer besser. Doch auch weitere Vorteile dieser Methode wurden erläutert. So etwa die schonender gekürzten Gräser und Kräuter, die eine Delikatesse für Nutztiere sein sollen. Die Tiere produzieren daraus wiederum die Milch und das Fleisch für hochwertige Produkte. Allerdings benötigt man zum Bewirtschaften von Bergmähwiesen Menschen, also Landwirte. Sensen ist langsamer, weniger effizient und der fast komplette Verzicht auf Düngung führt dazu, dass nur zweimal im Jahr gemäht werden kann. Vom geringen Einkommen dabei für Bauern mal abgesehen. Es braucht also Initiativen wie "Nähe ist gut" damit die naturschonende Bewirtschaftung weiter gehen kann.

Die Teilnehmer am Workhsop kamen aus unterschiedlichen Gründen. "Ich bin Mitglied in einem Obst- und Gartenbauverein und wollte dafür lernen, wie man eine Sense schwingt", verriet ein älterer Herr, der konzerntriert die gelernten Techniken umzusetzen versuchte. Frisch in Rente gegangen war ein anderer, der künftig um sein Refugium in Kroatien herum das Sensen anwenden möchte. "Für mich ist Umweltbewusstsein sehr wichtig geworden, und das Sensen hat fast schon etwas Beruhigendes in dieser schnelllebigen Zeit." Eine Frau blieb zunächst verwundert stehen und wollte dann spontan die Kunst des händischen Mähens lernen. So erreichte die seit Jahrhunderten bewährte Art des Mähens auch Gießener Hobbygärtner.

Weitere Infos zu den Vogelsberger Bergmähwiesen unter www.bergmähwiesen.de oder www.naehe-ist-gut.de.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare