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Kapellmeister Martin Spahr dirigiert den Opernchor des Stadttheaters in der Pankratiuskapelle. FOTO: RW

Fesselnde Vokalmusik

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Der Opernchor des Stadttheaters bot "Nachtgesänge" in der Pankratiuskapelle. Und die zeigte mal wieder, dass sie als "Konzertzimmer" im positiven Sinn eine Lücke im heimischen Musikleben füllt.

Werke von Johannes Brahms bildeten den musikalischen Rahmen einer Reihe von Kompositionen weltlicher Chormusik, die sowohl an die Ohren der Zuhörer als auch an die Konzentration der Sänger hohe Ansprüche stellten. In der stimmungsvollen Pankratiuskapelle mit ihrer hervorragenden Akustik demonstrierten neun Damen und zehn Herren des Opernchors ihr Können einmal außerhalb des Stadttheaters.

Dirigent Martin Spahr, jüngst zum 1. Kapellmeister avanciert und kommissarischer Chordirektor, kennt seine Sänger nach fünf Jahren Tätigkeit am heimischen Musentempel sehr gut. Selbst auch Sänger, führte er mit der erwarteten Professionalität durch das Programm im voll besetzten Gotteshaus.

Solistische Qualität zusammengefasst im Ensemble aus Sopran, Alt, Tenor und Bass - das versprach ein Hörerlebnis, dessen Niveau auch bei kniffligsten harmonischen und rhythmischen Verhältnissen gehalten wurde.

Mit Drei Gesängen op. 42 von Johannes Brahms wurde die Abendstunde unter dem Titel "Nachtgesänge" eröffnet. Den sechsstimmigen, streng gebauten Sätzen mit dem archaisierenden letzten Teil (Darthulas Grabgesang) schloss sich Edvard Griegs "Ave maris stella" als harmonisch gefälliges Gebet an, dem der Chor liebliche Farben verlieh. Dazu kontrastierten Beispiele französischer Literatur verschiedener Epochen: Camille Saint-Saëns’ "La romance du soir" op. 18 mit ihren eleganten Wendungen und solistischen Ansätzen erklang dynamisch gestaltet, ebenso Francis Poulencs vierteilige Kammerkantate "Un soir de neige". Im technisch kniffligen Opus mit Gedichttexten von Paul Élouard (1944) bewiesen Spahr und das Ensemble Sinn für dynamische Abstufungen. Gustav Holst war mit "The evening watch" vertreten; Tenor Shawn Mlynek gab die lyrische Einleitung, Ayano Matsui (Alt) gefiel mit einem chorisch eingebundenen Solo.

Nahezu hypnotisch

Trond Kvernos Hymne "Ave maris stella" mit liedhaften Passagen und trockenen Klangakzenten gab ein Beispiel gegenwärtigen Musikschaffens wie auch Eric Whitacres "Sleep", das in sensibler Interpretation geradezu hypnotisch wirkte. Eingängig dagegen Hugo Distlers "Um Mitternacht"; Mörikes Gedicht "Gelassen stieg die Nacht ans Land" fand hier die angemessen lyrische Wiedergabe. Brahms’ "Waldesnacht, du wunderkühle" (Paul Heyse) beschloss das anspruchsvolle und informationsreiche Programm. Die Stimmungen wurden musikalisch ausdrucksstark umgesetzt, die Texte gut artikuliert, dennoch hätte man sich die Zeilen gedruckt gewünscht. Nach herzlichem Beifall gaben die Sänger ihrem Publikum einen Ohrwurm auf den Weg, Johannes Brahms’ populäres Lullaby "Guten Abend, gut’ Nacht".

Die Pankratiuskapelle mit ihrer optisch schönen und akustisch ansprechenden Holzkonstruktion hat wieder einmal gezeigt, dass sie als "Konzertzimmer" im positiven Sinn eine Lücke im heimischen Musikleben füllt, und es steht zu hoffen, dass sie auch in Zukunft regelmäßig ein Ort für genussreiche Hörerlebnisse ähnlicher Formate sein wird.

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