J. Schmidt-Lohmann Erfinder der Gratofafie
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J. Schmidt-Lohmann Erfinder der Gratofafie

Ferraris in Spaghetti-Optik

  • Karola Schepp
    vonKarola Schepp
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Das Ausstellen ihrer Werke ist für künstlerisch Tätige momentan schwierig. Galerien dürfen erst seit Kurzem wieder öffnen, Messen und Märkte fallen aus, das Publikum fehlt. Hier bietet es sich an, im virtuellen Raum seine Kunst zu zeigen. Der Gießener Künstler, Designer und Fotograf Jürgen Schmidt-Lohmann nutzt diese Chance auf der Plattform Kunstmatrix.

Fluss mit Flair, Golden Oldies, diverse Messen - Jürgen Schmidt-Lohmann wollte in diesem Jahr überall dort seine Bilder zeigen. Corona hat ihm diese Möglichkeit genommen. Doch wie kann man in diesen Zeiten Werbung für sich machen, Kunden aquirieren oder einfach nur seine Kunst zeigen? Hier ist der Gießener Fotograf und Designer, der seine ganz eigene Technik der Gratofafie entwickelt hat, auf die Berliner Online-Plattform Kunstmatrix aufmerksam geworden. Dort präsentiert er noch bis Ende des Jahres seine erste virtuelle Ausstellung mit allen möglichen Versionen von künstlerisch bearbeiteten Ferraris und beteiligt sich zudem an einer 70 Werke umfassenden Ausstellung der Gruppe Meinkunstgarten.de unter dem Stichwort "Bunte Isolation".

"Das nutzen Künstler und Galerien weltweit als Plattform", berichtet der Wahl-Gießener. Man muss nur für einen bestimmten Zeitraum einen virtuellen Ausstellungsplatz abonnieren und kann Kunstmatrix mit der eigenen Homepage verlinken. Schmidt-Lohmann freut sich vorallem über die Möglichkeit, seine Arbeiten in einer virtuellen Raumansicht zeigen zu können. Es wirkt fast so, als ob man tatsächlich durch Ausstellungsräume gehen würde. "So werden die Proportionen und Größenverhältnisse von Bild zu Raum deutlich", sagt der 62-Jährige. Und sogar mit Musik und Ton könnte er die einzelnen Bilder unterlegen.

Und das könnte bei Schmidt-Lohmanns Arbeiten von besonderem Reiz sein, schließlich zeigt er in seiner ersten virtuellen Ausstellung ausschließlich Ferraris, die auch für ihren satten Motorklang bekannt sind. Fotoaufnahmen der exklusiven Fahrzeuge verwandelt er mit der von ihm entwickelten Technik der Gratofafie, einer Mischung aus Fotografie und Grafik, zu ungewöhnlichen Kunstwerken. Die Fotos nutzt er als Vorlage für seine Bilder, die mit Stift und Grafiktablett entstehen. Durch Löschen und Hinzufügen von Teilen, Abstrahieren und Weglassen, neue Kombinationen von Details, Übertreibung einzelner Elemente, Experimentieren mit Farben, Flächen und Formen entstehen so ganz neue optische Eindrücke. Da kann es schon mal passieren, dass ein Ferrari in Spaghetti-Technik dargestellt ist. Das sieht in etwa so aus, als ob Spaghetti in Ferrari-Form auf einem schwarzen Karton arrangiert und noch einmal fotografiert worden seien. Aber auch kunstvoll demolierte Karrossen, verschwommene Konturen oder körnige Pixelungen sorgen für Überraschungsmomente.

Solche besonderen Formate von Abstraktion und Auflösung sind auch auf andere Motive zu übertragen. Architektur etwa bietet sich an. Dabei kommen verschiedene Programme zum Einsatz, um das gewünschte Bild entstehen zu lassen. Doch keine Porträts. "Wer will schon aussehen wie ein Picasso-Gemälde", scherzt Schmidt-Lohmann. Weil er der einzige ist, der die Kunst der Gratofafie beherrscht, hat der gebürtige Sulinger, außerhalb der Corona-Zeiten, ohnehin jede Menge Auftraggeber. Der Fotografenmeister mit Designdiplom ist häufiger Gast auf Oldtimer-Messen und in Oldtimer-Museen. Er bekommt auch von privaten Autoliebhabern Aufträge, ihr Fahrzeug einmal in besonderer Art zu zeigen.

Seine Bilder hängen mittlerweile an vielen Orten im In- und Ausland. Und die können auch schon mal zwei mal drei Meter groß sein.

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