Ferienprogramm hat noch Luft

  • Karen Werner
    vonKaren Werner
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Das Ferienkarussell stockt im Corona-Sommer. Für das aus dem Boden gestampfte Ersatzprogramm der Stadt laufe die Anmeldung gut, sagen die Organisatoren. Die Kinder müssen aber auf einiges verzichten - vor allem auf Freibad-Freuden im gewohntem Umfang.

Alles war fertig." Matthias Lotz kann sich einen Seufzer nicht verkneifen. Der Jugendpfleger der Stadt Gießen und sein Team hatten rund ein halbes Jahr lang das "Ferienkarussell" organisiert - dann schwappte die Coronakrise nach Deutschland. Immerhin: Das kurzfristig aus dem Boden gestampfte Ersatzprogramm komme gut an, sagen Lotz und Stadträtin Gerda Weigel-Greilich (Grüne) im GAZ-Gespräch. Es gebe bisher rund 150 Anmeldungen, fast alle Wünsche konnten erfüllt werden. Und es sind noch Plätze frei.

"Richtig stolz" sei sie auf das Engagement und die Flexibilität der Mitarbeiter, hebt Weigel-Greilich hervor. Sie erinnert daran, dass alle im März und April "auf Sicht fahren" mussten. Niemand wusste, ob in den Ferien überhaupt etwas stattfinden kann. Bald wurde klar: Wenn, dann mit Abstand und Hygienekonzept.

Das Angebot ist entsprechend stark reduziert von normalerweise gut 3000 auf etwa 500 Teilnahmeplätze. Dafür ist es kostenlos. Es reicht von Computer-Kursen über Kreativtechniken und Yoga bis zu Natur-Wandertouren und Kinovorführungen. Besonders beliebt ist dieses Jahr die Radfahrausbildung mit Polizeibeamten, berichtet Lotz - wahrscheinlich weil sie in den Grundschulen ausfiel.

In der Regel ist die Teilnehmerzahl auf acht beschränkt. Um Ansteckungsrisiken zu mindern, sollen pro Kurs nur Kinder aus höchstens zwei Klassen derselben Schule zusammenkommen. Die Anmeldung läuft ausschließlich über die Schulen. Das heißt, sie ist nur noch diese Woche möglich bis auf die Familienangebote (mehr im Kasten).

Der traditionelle Ferienpass - in der meistgebuchten Form auch Sommer-Dauerkarte für Freibäder und Busse - sei unter Pandemie-Umständen nicht sinnvoll erschienen, erläutert Weigel-Greilich. Der Verkauf, normalerweise mit Gedränge im Rathaus abgewickelt, war dabei nur ein Aspekt. Schwerer wog: Ob, wann und mit welchen Beschränkungen die Freibäder öffnen, stand lange nicht fest. Für den Nahverkehr haben die meisten inzwischen sowieso das Schülerticket.

"Kein böses Wort von Eltern gehört"

Es sei schwer, einen Platz zu ergattern: Dieser Vorwurf aus einem Leserbrief erstaune ihn, sagt Lotz. "Keine einzige" Beschwerde von Betroffenen sei bei ihm angekommen. Die Jugendpflege habe bisher kaum Absagen erteilen müssen.

Die Eltern zeigten Verständnis, wenn man ihnen die Lage erklärt. "Manche äußern Traurigkeit zum Beispiel wegen der Freibäder. Aber ich habe noch kein böses Wort gehört. Den Eltern ist der Ernst der Lage durchaus bewusst." Manche berichteten sogar, dass ihre Kinder erstmals das Stadt-Angebot wahrnehmen, weil sie wissen, dass sie dort auf Schulkameraden statt Fremde treffen.

Im Freibad Ringallee "wird es nicht die Leichtigkeit geben wie normalerweise", räumt Stadtwerke-Sprecherin Ina Weller ein, und die Stadtteilbäder in Kleinlinden und Lützellinden müssten leider geschlossen bleiben. Sowohl technisch als auch vom Personalbedarf her sei es eine schwierige Herausforderung, den Betrieb sicher zu regeln.

Auch Weigel-Greilich bedauert, dass Kinder auf die Freibad-Freuden in gewohntem Umgang verzichten müssen. Sie wisse, dass für Kinder aus benachteiligten Familien sowohl die Eintrittspreise als auch der Online-Ticketkauf Hürden seien. Über Fragen wie günstige Saisonkarten oder den gemeinsamen Freibadbesuch mit Freunden "haben wir uns viele Gedanken gemacht. Aber wie könnten wir die Plätze verteilen, welche Stelle soll das organisieren?" Schon die Anmeldung zu den Kursen sei nur dank des Einsatzes von Lehrern und Schulsozialarbeitern möglich, unterstreicht die Dezernentin

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