Häuser werden auf den Halligen auf Hügeln errichtet, den sogenannten Warften. Die zusätzliche Höhe schützt die Gebäude vor Überschwemmungen. FOTO: PM
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Häuser werden auf den Halligen auf Hügeln errichtet, den sogenannten Warften. Die zusätzliche Höhe schützt die Gebäude vor Überschwemmungen. FOTO: PM

Fennen und Fethinge

  • vonSebastian Schmidt
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Gießen(seg). Die erste Woche der Exkursion nach Hooge ist vorbei. 18 Gießener Studierende haben sich unter der Leitung von Professor Hans-Peter Ziemek mit Videos und in Live-Schaltungen auf die Hallig Hooge begeben. Die Ausflüge ans Meer gibt es an der JLU schon seit 2009. Dass der Ausflug dieses Jahr nur digital stattfindet, ist aber ein Novum und Corona geschuldet. Das Experiment "Exkursion über das Internet" kommt bei den Teilnehmern aber gut an.

Grundwortschatz für die Halligen

Am ersten Tag lernen die Lehramtsstudierenden zunächst einmal das Wichtigste über Hooge: Was ist eigentlich eine Hallig? Ziemek erklärt in einem Video: "Eine Hallig ist ein Stück Land, dass mehrmals im Jahr überflutet wird." Die Überflutungen nennen die Bewohner der Halligen "Land unter". Diesen Ausdruck hört man auch in Hessen manchmal, wenn es viel regnet. Der Rest des Hooger-Grundwortschatzes ist in Gießen aber nicht geläufig. So heißen die aufgeschütteten Erdhügel, auf denen die Häuser stehen, Warften. Die zusätzliche Höhe schützt die Gebäude vor dem Wasser bei Überschwemmungen. Die durch Gräben abgetrennten Weiden nennen die Hallig-Bewohner Fennen. Und zu einem Becken, in dem Trinkwasser gespeichert wird, sagen die Einheimischen Fething.

Die Studierenden sind vom ersten Tag begeistert. Hannah Herbert lobt: "Die Uni hat aus der momentanen Lage das Beste gemacht, und die Videos sind echt gut geworden." Auch Janina Heinigk sieht das so und urteilt: "Viel spannender als ein normales Seminar."

Am nächsten Tag geht es raus ins Watt. Mitarbeiter der Schutzstation Wattenmeer erklären in einem Video zunächst, wie Ebbe und Flut durch die Anziehungskraft des Mondes entstehen. Anschließend zeigen die Mitarbeiter den Studierenden die Tiere im Watt, allen voran den Wattwurm. Von dem Wurm können sich Katzen noch etwas abschauen, denn er habe nicht nur neun, sondern 33 Leben, erklärt der Helfer. So viele Teile seines Schwanzes könne der Wurm abwerfen, wenn ihn Fressfeinde attackieren.

Viele Klassenstufen zur gleichen Zeit

Am Mittwoch haben die angehenden Lehrer von der JLU den Schultag auf der Hallig kennengelernt. In Gießen würden die Eltern wahrscheinlich protestieren, aber auf Hooge ist das normal: 13 Schüler zwischen 6 und 16 Jahren werden zusammen in einer Klasse unterrichtet. Die Besucher vom Festland können sich nicht vorstellen, so zu arbeiten. Herbert sagt: "Für den jahrgangsübergreifenden Unterricht braucht man mehr Erfahrung."

Dass die Halligen auch wichtige Brutstätten für Vögel sind, zeigt eine Mitarbeiterin der Schutzstation am Donnerstag. Die Expertin erzählt vom Sandregenpfeifer. Der Vogel sei vom Aussterben bedroht. Deswegen zähle die Helferin regelmäßig die unterschiedlichen Nester. Die Mitarbeiterin sagt: "Da kommt es auf jedes einzelne Gelege an." Keine leichte Aufgabe, da der Nationalpark Hallige das Brutgebiet von 100 000 Vogelpaaren ist. Am Freitag ist es dann soweit. Vor dem Online-Ausflug hatten sich die Teilnehmer drei verschlossene Pakete mit geheimem Inhalt abgeholt. Das erste Paket darf nun geöffnet werden. Darin befinden sich echte Muscheln, die die Studierenden bestimmen sollen.

Obwohl die Teilnehmer wegen Corona nicht selbst ans Meer gefahren sind, haben die Studierenden so ein Teil des Meeres zu sich nach Gießen bekommen.

Die GAZ wird am Ende der Exkursion noch einmal davon berichten, was die Gießener Studierende auf ihrem digitalen Ausflug zur Hallig Hooge erlebt haben.

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