Blick in die Ausstellung: Im Vordergrund hängen Arbeiten der Iranerin Anahita Parhami, dahinter sieht man eine Skulptur der nahe Grünberg lebenden freischaffenden Bildhauerin Eva Watanabe. FOTOS: DKL.
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Blick in die Ausstellung: Im Vordergrund hängen Arbeiten der Iranerin Anahita Parhami, dahinter sieht man eine Skulptur der nahe Grünberg lebenden freischaffenden Bildhauerin Eva Watanabe. FOTOS: DKL.

Feminin und frei

  • vonDagmar Klein
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Von Acrylmalerei über Collage und Fotografie bis hin zu Steinskulpturen und Performance zeigt die neue Ausstellung im KiZ eine Vielfalt künstlerischer Medien. Die ausstellenden Künstlerinnen wollen, wie der Titel verrät, dabei "nicht nur durch die Blume" sprechen.

Neun Künstlerinnen, die in und um Gießen leben, haben sich zusammengetan, um gemeinsam ihre Kunstwerke im KiZ zu zeigen. Das sei ein langgehegter Wunsch, der nun endlich realisiert werden konnte. Dabei sind Frauen fast aller Altersgruppen, die jüngste ist 33, die älteste 71 Jahre alt. Die Bandbreite des Gezeigten ist groß: Von Acrylmalerei über Collage und Fotografie, bis zu Steinskulpturen und installativen Arbeiten. Eine Performance bereichert die Vernissage am heutigen Eröffnungsabend.

Eine Ausstellung braucht ein Thema und das wurde gefunden bei einer Ahnin der feministischen Kunst, bei Judy Chicago. Diese wurde mit ihrer Installation "The Dinner Party" weltberühmt und sie gab ihrer Autobiografie den Titel "Durch die Blume". Heute brauche man solche symbolischen Verfahren nicht mehr, meinen die Gießener Künstlerinnen und zeigen, was ihnen wichtig ist. Daher kommt die Ausstellung "Nicht nur durch die Blume" weder blumenreich noch mit weiblich fokussiertem Blick daher. Eines ist ihnen durchaus wichtig, dass die Ausstellungsdauer über den Internationalen Frauentag läuft, an diesem Tag wollen sie anwesend sein und Führungen anbieten.

Betritt man den Raum vom Haupteingang her, dann ist die Fensterfront mit seitlichen Wänden von Sabine Leistners gemalten Köpfen besetzt. Das reicht von dunkeltoniger Atmosphäre bis zum Haarschmuck im Hippielook. Claudia Grothe zeigt geometrische Farbabstraktionen, die sich um die symbolische Zahl Zwei drehen. Lena Will, sicher eine der bekanntesten unter den beteiligten Künstlerinnen, gestaltet Farbabstufungen mit Tiefenwirkung, ihre Suche nach dem Einfangen des Lichts in ihren Bildern erinnert an Altmeister Heinz Mack.

Christel Stroh hat die Kopfwand mit ihren Gemälden in Beschlag genommen. Ihr Thema ist der menschliche Körper, den sie mit schnellen, aufgerissenen Pinselstrichen auf Leinwand bannt. Heidi Schütte-Kunz ist der gegenständlichen Malerei am nächsten, viele Bilder zeigen atmosphärisch dichte Stadtlandschaften. Ihre Malweise ist sehr zeichnerisch, viele Formen haben schwarze Konturlinien, was an Jugendstil erinnert.

Transformation von Abfall in Kunst

Dazu kommt Bildhauerin, Eva Naomi Watanabe, die mit Fundstücken arbeitet. Die natürlichen Formen von Wurzelholz oder Zweigen werden genutzt als Behältnis für Steine, die sie vorsichtig bearbeitet hat. Bei genauem Hinschauen erkennt man ein Gesicht oder Hände. Ihrer vertikal aufgerichteten Installation aus Stämmchen (im Untergeschoss), mit blau gefärbten Mullbinden wie ein Zeltdach zusammengebunden, hat sie handbemalte Blätter dazugegeben. Obwohl die Objekte teils richtig schwer sind, wirken sie leicht und filigran.

Leicht und filigran sind auch die Collagen von Dorothée Dottke, die aus Zeitungsschnipseln und Fototeilen neue Ansichten kreiert, mit denen sie sich selbst überrascht, wie sie sagt. Mechthild Hermann wird politisch: das Thema Abfall behandelt sie mit einer Serie von Mülltonnen-Fotos und zeigt die Transformation von Abfall in Kunst(fotos).

Daneben beeindruckt eine Reihe von Farbzeichnungen von Anahita Parhami, die erst seit drei Jahren in Deutschland lebt und an der Uni Teheran im Iran Grafikdesign studiert hat. Ihre Figuren, seien sie allein oder zu zweit, haben oft karikatureske Züge oder scheinen einem Comic entsprungen zu sein.

Heute Eröffnung mit Performance

Die Ausstellung wird unterstützt durch das Kulturamt und das Büro für Frauen und Gleichstellung, sie ist bis 5. April zu sehen, im KiZ (Kultur im Zentrum, Kongresshalle, Eingang vom Parkplatz). Geöffnet ist Dienstag bis Sonntag 10 - 17 Uhr, Eintritt frei.

Eröffnung ist am heutigen Freitagabend (7. Februar) um 19 Uhr mit einer Einführung von Doris Regina und einer Performance von Eva Naomi Watanabe.

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