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Künftig sollen Müllscouts für die Problematik sensibilisieren.

Party

Feiernde ziehen von Uni-Vorplatz zu Lahnwiesen – Beschwerden über Lärm und Müll

  • Christoph Hoffmann
    VonChristoph Hoffmann
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Die Partys am Uni-Vorplatz in Gießen haben für viel Unruhe gesorgt. Jetzt ist es still geworden – denn die Feiernden sind weitergezogen.

Die Maßnahmen von Stadt, Polizei und Uni zeigen Wirkung: Weder Freitag- noch Samstagnacht kam es auf dem Uni-Vorplatz zu größeren Ansammlungen von Menschen. Offenbar sind viele der Leute weitergezogen und haben stattdessen an der Lahn gefeiert. Laut Polizei ohne größere Regelverstöße. Beschwerden über Lärm und Müll gab es dennoch.

Gerade junge Leute mussten wegen Corona lange mit Entbehrungen leben. Kaum Schule, wenig Uni, keine Kneipen, Clubs oder Diskotheken. Jetzt, wo die Inzidenz deutlich gesunken ist und die Temperaturen gleichzeitig steigen, wollen sie offenbar etwas nachholen. So haben sich Freitag- und Samstagnacht mehrere hundert Menschen an den Lahnwiesen zum Feiern getroffen. Die Polizei hatte ein Auge auf die Ansammlung, schließlich war es an den beiden vorherigen Wochenenden am Uni-Hauptgebäude zu Problemen gekommen.

»Die Feiern und Treffen bei sommerlichen Temperaturen im Stadtgebiet von Gießen sind bis Sonntagmorgen durchweg friedlich verlaufen. Die gemeinsame Strategie von Polizei, Stadt und der Uni zeigt Wirkung«, teilt die Polizei mit. Durch eine starke Präsenz in den Nächten sei es auf dem Uni-Vorplatz zu keinen größeren Gruppenansammlungen und besonderen Vorkommnissen gekommen.

Gießen: »Müllscouts« sollen an den Lahnwiesen für Ordnung sorgen

Die dort postierte mobile Wache der Polizei sowie die von der Universität veranlasste Markierung des Platzes haben offenbar dafür gesorgt, dass nicht wenige der jungen Leute zum Rugby-Feld an der Lahnstraße weitergezogen sind. Auch Stadtsprecherin Claudia Boje spricht von einem Verdrängungseffekt. Zwar hätten sich auch zuvor regelmäßig Menschen an den Lahnwiesen getroffen, aber eher nachmittags bis abends und nicht die ganze Nacht lang. Bei den Besuchern handele es sich nicht nur um Gießener, sondern auch um junge Leute aus Nachbargemeinden. »Das kann nicht verwundern, da insbesondere für die jungen Menschen auch im Umland wenig geboten wird: Es gibt derzeit keine Seefeste, keine Kirmes, kein Vergnügen jenseits von kleineren gastronomischen Angeboten«, sagt Boje und fügt hinzu: »Wir hoffen sehr, dass mit weiter sinkenden Inzidenzen auch überall wieder kleinere Festformate draußen entstehen, die auch junge Menschen und ihre Bedürfnisse ansprechen.«

Das Bedürfnis zu feiern hat am Wochenende auch für Beschwerden gesorgt. Laut Boje meldeten sich beim Ordnungsamt Anwohner wegen Lärmbelästigung und Müll auf den Wiesen. Polizeisprecherin Sabine Richter spricht von »vereinzelten« Beschwerden wegen Lärmbelästigung, die am Samstag bis etwa 1 Uhr und am Sonntag bis circa 3.30 Uhr bei der Polizei eingegangen seien. Die Beamten hätten den Bereich zudem nach Einbruch der Dunkelheit mit Scheinwerfern mehrerer Dienstfahrzeuge ausgeleuchtet, um eine bessere Sicht auf die Teilnehmenden zu haben. Dies führte laut Polizei zu starken Abwanderungen. Zudem sprachen die Einsatzkräfte bei Lärm oder Auseinandersetzungen die Menschen umgehend an, worauf ebenso Personengruppen das Gelände verließen«, berichtet die Polizei. »Im Großen und Ganzen verhielten sich die Besucher regelkonform und zeigten sich einsichtig.«

Als es in der Nacht auf Samstag regnete, flüchteten einige der Feiernden von der Lahn kurzerhand ins Parkhaus an der Lahnstraße. »Eine Überwachung erfolgte durch die Bundespolizei«, teilt die Polizei auf Nachfrage mit.

Boje äußert Verständnis für die jungen Leute, die nach den vielen Einschnitten in ihren Alltag nach Party und Zusammenkünften dürsteten. Trotzdem müssten sich alle an Regeln halten, deren Einhaltung in den Nachtstunden auch kontrolliert werde. »Dazu zählt der Einsatz von Musikanlagen und sicher auch die Vermeidung von zusätzlicher Vermüllung der Lahnwiesen.«

Allerdings sei es am Wochenende nicht zu einer ungewöhnlichen Müllmenge gekommen, eine beauftragte Firma habe die Hinterlassenschaften noch am Wochenende beseitigt. »Dennoch werden wir, weil der Andrang der Nutzer dieser Freizeitfläche insgesamt auch am Tage gestiegen ist, zusätzliche Abfallbehälter aufstellen«, teilt Boje mit.

Außerdem sollen künftig Müllscouts eingesetzt werden. Junge Menschen mit Orts- sowie Fremdsprachenkenntnissen, die das Thema Müllvermeidung positiv umsetzen und in speziellen Outfits am Wochenende zu Fuß und per Fahrrad Aufklärungsarbeit vor Ort leisten sollen. Auch spezielle Müllsäcke und Einmal-Aschenbecher sollen von den Müllscouts verteilt werden.

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