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Der Autor Jochen Schmidt (r.) und sein größter Fan, Prof. Sascha Feuchert (l.). FOTO: GL

Feiern mit Jochen Schmidt

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Gießen(pm). 377 Veranstaltungen, mehr als 26 000 Besucher, im Schnitt mehr als 80 Zuhörer pro Lesung - die Gesamtbilanz des Literarischen Zentrums, zehn Jahre nach seiner Gründung, kann sich sehen lassen. Kein Wunder also, dass die Geburtstagsfeier im KiZ sehr ausgelassen gefeiert wurde. Von der Oberbürgermeisterin gab es nicht nur ein dickes Lob - "die Pläne und Hoffnungen bei der Gründung sind bei Weitem übertroffen worden" -, sondern auch die Zusage, bei der dringend notwendigen Erweiterung der Geschäftsstellenleitungsstelle hilfreich zur Seite zu stehen (wir berichteten).

Auf Stellwänden ließen Noch-Geschäftsstellenleiterin Anna-Lena Heid und ihr Team mit Fotos und Programmheften die zehn LZG-Jahre Revue passieren. Und mit Autor Jochen Schmidt als Gast wurde der Geburtstag nicht nur zu einer kleinen Zeitreise, schließlich war der im Februar 2010 der allererste LZG-Vorleser, sondern auch ein durchweg unterhaltsames Vergnügen. Der 1970 in Ostberlin geborene Schmidt ist erklärtermaßen der "absolute Lieblingsschriftsteller" des LZG-Vorsitzenden Prof. Sascha Feuchert, hat mit ihm schon gemeinsam in der deutschen Autorennationalmannschaft gekickt und ist Mitbegründer der Berliner Lesebühne "Chaussee der Enthusiasten". Wobei das Vorlesen offenkundig nicht Schmidts Lieblingsbeschäftigung ist - kaum, dass er einen Blick ins Publikum wirft. Betonungen hält er für Mogelpackungen. Und Fragen aus dem Publikum scheinen ihm eher unangenehm. Doch es sind seine Texte, die Jochen Schmidt zu einem anerkannt "genialen" Autor machen. Solch skurrile Plots, solch abstruse Charaktere und solche Situationskomik findet man nur selten. Kein Wunder also, dass nicht nur das Publikum schallend lacht, sondern auch der Autor selbst beim Vorlesen zuweilen vor Kichern innehalten muss.

"Ein Auftrag für Otto Kwant"

Auch in seinem neuen Roman "Ein Auftrag für Otto Kwant", aus dem Schmidt zwei kurze Kapitel liest, wimmelt es nur so vor schrägen Momenten. Architekturstudent Otto Kwant soll mit Stararchitekt Holm Löb in das fiktive Land Urfustan reisen, um in dem postsowjetischen, zentralasiatischen Staat Prestigebauten zu errichten. Doch plötzlich ist Löb verschwunden und Kwant soll es richten. Auf seiner Reise und späteren Flucht zurück in den Westen trifft er auf allerlei skurrile Gestalten: eine stoische Kugelstoßerin, den triebhaften Zellengenossen Ursus oder den verbitterten "Karpatenbär" Achim, der so gerne Memory mit Nacktbildern spielt. Und wer will, kann sogar noch versteckte Literaturzitate entdecken. Das Publikum johlt und genießt als Zugabe noch einen Schmidt-Text über "Meine schlimmste Lesung" - beim LZG hat der Autor die ganz gewiss nicht erlebt.

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