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Viel Platz zwischen den Tischen. Die Gäste genießen ihren Kaffee im Freien. FOTO:CG

Fast wie früher und doch ganz anders

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Zettel ausfüllen? Nicht mit uns! Das Paar hatte sich gerade an einem Tisch niedergelassen, die Kellnerin eine Speisekarte samt "Personalbogen" mitgebracht. Frau und Mann erheben sich wieder und verschwinden. Sie wollen nicht "erfasst" werden. "Das kommt vor", sagt Pedro Bulut, Inhaber des "Türmchen", und zuckt mit den Schultern. Nicht oft, aber ab und zu.

Lieber nicht zu viel riskieren

"Da haben die Leute keinen Bock drauf", bestätigt eine Mitarbeiterin. Davon abgesehen läuft das Geschäft allmählich wieder an. Besonders an Markttagen sind viele Tische belegt. "Aber es ist natürlich kein Vergleich zu sonst", sagt der Wirt. Es stehen deutlich weniger Tische draußen, der Innenraum ist noch geschlossen, Bulut will warten, wie sich die Lage entwickelt. Gleich vorzupreschen ist ihm zu riskant.

"Gießen, ohne einen Cappucchino trinken zu können, ist öde", klinkt sich eine Frau vom Nebentisch ins Gespräch ein. "Ich bin so glücklich, dass ich hier wieder sitzen kann." Sie lächelt und zieht genüsslich an ihrer Zigarette. Aber in den Geschäften sei wenig los, das hat die Pensionärin beobachtet. "Kaum einer hat Lust zu bummeln." Vorne auf dem Kirchenplatz steht eine Gruppe junger Mütter mit Babys auf der Hüfte und Kaffeebechern in der Hand. Sie quatschen und lachen. Sie tragen keine Maske. Drei Meter weiter ist das Pflicht. Denn dorthin wurde der Wochenmarkt ausgedehnt. Ordnungspolizisten an den Zugängen ermahnen immer wieder Passanten, die Mund und Nase nicht bedeckt haben.

Wer sich versorgt hat mit frischen Kräutern, Blumen oder Tomaten, lässt sich gerne im Türmchen nieder. Endlich! Dieser Stoßseufzer kommt von einigen Tischen. "Ich habe es so vermisst, im Freien meinen Kaffee zu trinken", sagt ein älterer Mann, der sich mit einem Freund hier trifft. Beide sind mit dem Rad gekommen und erzählen sich, was so los war in den letzten Wochen. "Die Kosten für die Flüge kriegen wir ja zum Glück wieder, aber mit Korfu wird es erst mal nichts… Dann wird eben im Allgäu geradelt."

Für Plaudereien hat der junge Gast gleich neben der Tür keinen Kopf. Er hämmert auf die Tastatur seines Laptops und scheint nicht mitzubekommen, was rechts und links von ihm geschieht. Homeoffice im Café? Vielleicht. Vielleicht schreibt er auch einen Roman oder beschwert sich bei Amazon oder, oder, oder. "Und jetzt ein Eis", ruft ein kleines Mädchen und rennt zum Straßenverkauf. Ein paar Kinder samt Begleitern folgen, sie haben ihre Bollerwagen und Roller dabei.

Fast wie früher. Aber nur fast. Die Ordnungspolizei patrouilliert, die Kunden an den Marktständen halten gebührend Abstand, die Kellnerinnen schnaufen unter ihren Masken. "Es ist anstrengend, aber besser als nichts", sagen sie. Das gilt nicht nur fürs Kellnern. (cg)

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