+
Arndt Niedermayer bestreitet gerade seine erste Kampagne als GFV-Präsident. FOTO: SCHEPP

Fassenacht

Fassenachts-Präsident will "Brauchtum bewahren"

  • schließen

Seit dem vergangenen Frühjahr ist Arndt Niedermayer Präsident der Gießener Fassenachts-Vereinigung. Das ist kein einfacher Job. Er wird auch mit Widerständen konfrontiert.

Arndt Niedermayer muss manchmal durchatmen. "Ehrlich gesagt, ist es anstrengender, als ich es mir vorgestellt habe", erzählt der neue Präsidenten der Gießener Fassenachts-Vereinigung (GFV), der seit dem vergangenen Frühjahr im Amt ist. Da sein Vize-Präsident zudem krankheitsbedingt im Moment ausfalle, bleibe an ihm, dem "Neuling", wie er sich selbst nennt, eine Menge hängen: "Seit Dezember geht etwa die Hälfte meiner Arbeitszeit für die GFV drauf", sagt Niedermayer, Chef des Gießener Toiletten-Miet-Service.

Den Begriff "Neuling" verwendet Niedermayer für sich, da er gerade seine erste Kampagne als Präsident bestreitet. Doch auch in der Fassenacht selbst ist er gewissermaßen noch neu: Erst seit er in der Kampagne 2017/2018 Prinz der GFV war, ist Niedermayer Mitglied des Vereins.

Von seiner vermeintlichen Unerfahrenheit lässt sich Niedermayer aber nicht beirren. Er versucht vielmehr, eigene Akzente zu setzen. "Wenn man nichts ändert oder ausprobiert, weiß man auch nicht, was besser ist", sagt Niedermayer, der im Rahmen der Gießener Ballnacht am 25. Januar erstmals das übliche Drei-Gänge-Menü, das den Gästen bisher immer an den Tischen serviert worden war, durch ein "Gala-Buffet" ersetzte. "Man hatte zuvor keine Möglichkeit auszuwählen, was man essen wollte, das hat mir nicht gefallen", erzählt er. Wie immer, wenn man etwas verändern wolle, habe es Widerstand gegeben, doch am Ende seien alle von der kleinen Veränderung begeistert gewesen.

Gleiches gelte für den "Bräu der Tollitäten", eine Art närrischer Frühschoppen, der früher im Brauhaus stattfand, nach dessen Insolvenz zunächst im Saalbau Schepers in Wieseck abgehalten wurde und zuletzt ganz ausgefallen war. "An die Idee, die Veranstaltung ins Admiral zu verlegen, hat niemand geglaubt - Karnevalisten im Ornat in einer Disco, das fanden alle total unpassend. Und doch hat es ganz wunderbar funktioniert", berichtet Niedermayer über die Veranstaltung, zu der am 2. Februar sieben Prinzenpaare und einige karnevalistische Abordnungen aus der Region gekommen waren. "Es war etwas kurzfristig, aber wir wollen das nächstes Jahr höchstwahrscheinlich wieder so machen und rechnen dann mit 100 Leuten mehr, weil sich herumspricht, dass es gut war." Für die Vereine aus der Region sei die Veranstaltung etwas besonderes, da es kein Programm gebe, dem man zuhören müsse, wie es bei Faschingssitzungen in der Regel der Fall sei. "Hier können sich die Leute einfach miteinander unterhalten."

Sich Neuem zu öffnen findet Niedermayer äußerst wichtig, Und er hält fest: "Bisher haben alle Veränderungen gut funktioniert". Dennoch gelte: In einem Verein könne man es nicht immer allen Mitgliedern recht machen, insbesondere dann nicht, wenn der Verein vor einem Generationswechsel stünde. Dies gelte nicht nur für die GFV, sondern auch für viele andere Karnevalsvereine in der Region.

Trotzdem - das sagt Niedermayer die Frage, was seine Aufgabe als Präsident der GFV ausmache - wolle er "für alle da sein". Sein Ziel lautet: "Eine gute Gemeinschaft haben". Der Verein bestehe aus 74 Menschen aller Gesellschaftsschichten und jeden Alters und er lebe vom ehrenamtlichen Engagement seiner Mitglieder - ob Programmausschuss, Technikteam, Deko-Teams oder Wagenbauer, die ganzjährig tätig seien. Wenn man wie die GFV 13 große Veranstaltungen zu planen habe, gebe es nunmal viel zu tun.

Der GFV-Präsident, der gerne den Heuchelheimer Umzug mit seinen politischen Motivwagen besucht, findet es daher zwar "schade", aber auch nachvollziehbar, dass der Umzug in Gießen so unpolitisch ist. Aufwendige politische Motivwagen würden noch mehr ehrenamtliche Arbeit erfordern, was schwer zu leisten sei. "Reine ›Sauf-Wagen" finde ich jedoch auch nicht gut", betont er. "Es sollte schon optisch ansprechend sein."

Das Besondere an der Fassenacht ist für Niedermayer das Gemeinschaftliche. Es sei schön, neue Leute kennenzulernen und Freundschaften zu knüpfen. "Wir sind ein ausgewiesener Spaßverein", sagt er über die GFV, hebt gleichzeitig aber auch den Wert der Brauchtumspflege hervor. "Ich finde, es lohnt sich, dieses Brauchtum in Gießen am Leben zu halten." Dazu passt sein Vorsatz, mit der GFV in Zukunft mehr in die Öffentlichkeit zu drängen, um neue Fassenachter zu gewinnen."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare