Bei den Karnevalfreunden Allendorf steht der Spaß im Vordergrund. FOTO: LKL
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Bei den Karnevalfreunden Allendorf steht der Spaß im Vordergrund. FOTO: LKL

Fasching ist das ganze Jahr

  • vonLena Karber
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Für die meisten Leute ist Fasching kaum mehr als ein feuchtfröhliches Wochenende im Februar. In den Vereinen wird jedoch zum Teil ganzjährig und ehrenamtlich eine aufwendige Kinder- und Jugendarbeit geleistet - auch in Gießen und den Stadtteilen.

Fußspitzen strecken und lächeln", ruft Sandra Pilz immer wieder, während 14 kleine Tänzerinnen in einem kleinen Saal der Mehrzweckhalle Allendorf über das Parkett hüpfen. Die Mädchen üben ihren diesjährigen Kampagnetanz, den sie an den Faschingstagen dem Publikum präsentieren .

Pilz, langjä hriges Mitglied der Karnevalfreunde Allendorf, hat früher selbst getanzt und gemeinsam mit ihrer Mutter eine Kindergruppe trainiert. Dann lebte sie sechs Jahre lang in Shanghai und hatte mit der Fassenacht nur noch wenig am Hut, aber als die Kleinsten des Vereins letztes Jahr plötzlich ohne Trainer waren, ließ sie sich breitschlagen, noch einmal auszuhelfen.

Jetzt ist sie gemeinsam mit Nicola Linnebaum für die "KFA Girls" zuständig und übt mit den Sechs- bis Zwölfjährigen seit Herbst. In der "heißen Phase" vor den Auftritten zweimal wöchentlich, denn es gibt viel zu tun: Neben dem Gardetanz wird für die eigene Prunksitzung auch ein Tanz mit Bändern einstudiert.

"Der Tanz ist schön, Mädels, aber ihr müsst euch konzentrieren und vor allem lachen", sagt auch Anne Briegel, eigentlich Trainerin der "Dancing Divas", die etwa 13 bis 16 Jahre alt sind. Sie selbst tanzt bei den Ältesten in der KFA-Garde und hat dort im Moment zweimal wöchentlich Training. Die Frage, wie sie dazu gekommen ist, zusätzlich einen Trainer-job zu übernehmen, beantwortet sie mit einem Schulterzucken: "Es war sonst keiner da", sagt sie. Zusätzlich zu dem eigenen Training und den zweimal zwei Stunden, die das Training der "Dancing Divas" in der Woche umfasst, kalkuliert sie einiges an Zeit für das Drumherum ein; etwa um Tanz und Zugabe zu schreiben, sich um die Kostüme zu kümmern und die Musik zu schneiden. Bezahlt wird sie dafür nicht, auch eine Aufwandsentschädigung springt nicht heraus. Während Trainer- tätigkeiten in anderen Sportvereinen oft vergütet werden, gehen die Trainer in Karnevalsvereinen in der Regel leer aus. Fast überall wird die Arbeit ehrenamtlich geleistet.

Nach der Kampagne ist vor der nächsten

Dies gilt auch für die Gießener Fassenachts-Vereinigung (GFV), bei der die diesjährige Prinzessin Carina Römer gemeinsam mit ihrer Hofdame Alexandra Weisbrod seit 2017 für die Kleinsten (4-9 Jahre) zuständig ist. Aktuell sind das 20 Zwerge und ein Schneewittchen, die mittwochs nachmittags eineinhalb Stunden trainieren. Auch für die beiden sind die wöchentlichen Übungsstunden jedoch nicht der einzige zeitliche Aufwand. Noch bevor das Trainingsjahr startet, laufen bei den GFV-Trainerinnen die Planungen auf Hochtouren. "Abends auf dem Sofa oder zwischendurch sitzt man dann doch sehr oft mit dem Handy in der Hand und schaut nach passender Musik oder schönen Kostümen", erzählt Römer. "Am Anfang des Trainingsjahres ist der Aufwand eigentlich am größten. Später, wenn der Tanz steht und alles organisiert ist, wird es etwas ruhiger." Da das Training bei der GFV für die Gruppen bereits nach den Osterferien startet, gehen die Vorbereitungen schon kurz nach der Kampagne wieder los.

Dass Fasching nur ein feuchtfröhliches Wochenende im Februar ist, stimmt für die Aktiven in den Vereinen also nicht. Die Vorbereitungen für die Kampagne, das Training und der regelmäßige Kontakt erstrecken sich vielerorts über das ganze Jahr - oder, wie Präsident Arndt Niedermayer über die ehrenamtliche Arbeit im Verein sagt: "Nach der Kampagne ist vor der Kampagne."

Förderung der Teamfähigkeit

Auch der Karnevalclub Rödgen würde gerne ganzjährig trainieren. Da ihm jedoch in der örtlichen Halle monatlich nur eine Stunde pro Gruppe zusteht, sammelt er bisher über das Jahr die Hallenzeiten, um ab Oktober oder November wöchentlich trainieren zu können. "Gerade für die Größeren wäre es wichtig, Routine zu haben", berichtet Christine Möller, die in dem Verein als Schnittstelle zwischen Vorstand, Elferrat und Trainern fungiert und die Abläufe koordiniert. Aber auch für die Kleinen wäre es sinnvoll. "Die Medienwelt hat sich sehr stark verändert und Bewegung kommt oftmals zu kurz", sagt sie. "Das Training ist ein Ausgleich zu Kindergarten und Schule und fördert auch die Teamfähigkeit der Kinder." Denn die kleinen Tänzerinnen müssen üben, "die Reihe zu halten", also mit ihren Platznachbarn auf einer Höhe zu stehen, Laufwege abzusprechen und einander bei kleineren akrobatischen Übungen oder Hebefiguren zu vertrauen. Außerdem werden das Taktgefühl, das Körper- bewusstsein und auch das Verantwortungsbewusstsein gestärkt, da eine regelmäßige Teilnahme am Training wichtig ist, egal, ob draußen Rodel- oder Freibadwetter ist. Wenn Tänzer fehlen, bleiben Lücken und die anderen wissen nicht, wo sie stehen müssen. Letztlich ist Gardetanz eben auch ein Mannschaftssport.

Und da die Arbeit ehrenamtlich geleistet wird, ist oftmals nur ein nicht allzu hoher Jahresbeitrag fällig, sodass die Teilnahme kostengünstig ist.

Gleichzeitig sind die Auftritte für die Kinder ein tolles Erlebnis, denn die meisten haben großen Spaß daran, das Gelernte zu präsentieren. "Der Applaus nach den Auftritten bei Sitzungen ist die schönste Belohnung für die Kinder", sagt Möller.

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