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Beeindruckend: Die Riesenseerose im Victoriahaus.

Fantastische Tabletts und Pomeranze ohne Spritz

  • Christine Steines
    VonChristine Steines
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Es könnte ein Hund darauf sitzen. Oder ein nicht zu schwerer Mensch. Oder lauter Kerzen könnten für zauberhaftes Licht sorgen. Wer sich am Victoriahaus des Botanischen Gartens die Nase platt drückt, um die beeindruckende Amazonas-Riesenseerose mit ihren tablettartigen Blättern zu bestaunen, begibt sich nach der Lektüre des Begleittextes auf eine Fantasiereise.

Denn dort heißt es, die Blätter verfügten über eine Tragkraft von 60 Kilogramm, kurzzeitig zumindest.

Ausprobieren darf man das - zum Glück für die Pflanze - nicht, denn das neue gläserne Schmuckstück ist ebenso wie die anderen Gewächshäuser geschlossen. Man kann aber die Pflanzen auch von außen bestens betrachten. Das Wort Schaufenster bekommt eine ganz neue Bedeutung.

Es ist Sonntagnachmittag, der Botanische Garten ist gut besucht. Neben intensiv an der Flora Interessierten gibt es Besucher, die beim Spaziergang durch die Stadt mal eben vorbei schauen, weil sie sonst nichts vorhaben. Und es gibt die Grüppchen, die aus einheimischen Gastgebern und angereisten Gästen bestehen. Merkwürdigerweise kann man diese Konstellation sofort erkennen. »Ach, schau mal, eine Bitterorange.« Die ältere Dame zeigt auf einen der neuen Kübel, die neben dem Victoria-Haus stehen. »Citrus aurantium. Pomeranze«, liest sie vor. Ihre junge Begleiterin schaut mäßig interessiert. »Daraus macht man Aperol.« »Oh, echt?« Sofort schaut sie sich das Bäumchen genauer an, fast so, als sei zwischen den sattgrünen Blättern irgendwo ein orangefarbener Aperol-Spritz verborgen.

Können wir jetzt endlich gehen? Ein kleines Mädchen zerrt an der Hand seiner Oma, es hat keine Lust mehr auf all die Bäume und Blumen, und die Riesenseerose hat sie nun auch lange genug angeschaut. »Sei froh, dass du nicht auch noch in die Gewächshäuser musst«, sagt ihre Großmutter und lacht. In einem der Glashäuser wässert eine Mitarbeiterin die Pflanzen, die sind auch sonntags durstig. Freundlich winkt sie den Besuchern zu.

Es wird Zeit zu gehen. Ein kühler Wind fegt durch den Garten, dunkle Wolken ballen sich am Himmel. Gleich wird es einen Schauer geben. Am Eingang wird jeder Gast persönlich begrüßt und verabschiedet, ein freundlicher Herr vom Verein Ehrenamt hat diesen Dienst übernommen. Auf Wiedersehen, bis zum nächsten Schaufensterbummel. (cg)

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