Pressetermin statt Richtfest vor den vier Gebäuden für barrierearmes Wohnen in Allendorf. FOTO: SCHEPP
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Pressetermin statt Richtfest vor den vier Gebäuden für barrierearmes Wohnen in Allendorf. FOTO: SCHEPP

"Falsch verstandenes Prestigeobjekt"

  • Kays Al-Khanak
    vonKays Al-Khanak
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Der Bau von insgesamt 42 barrierefreien Wohnungen in Allendorf biegt auf die Zielgerade ein. Vermarktet werden sie ab Januar. Beim Pressetermin blicken die Beteiligten auf ein Bauvorhaben zurück, das im Gießener Stadtteil hohe Wellen geschlagen hat.

Als "falsch verstandenes Prestigeobjekt" hat Projektentwickler Daniel Beitlich die vier Gebäude für barrierearmes Wohnen im Gießener Stadtteil Allendorf bezeichnet. Dabei sei das Bauprojekt im Kleefeld ein Paradebeispiel für eine sinnvolle Innenverdichtung: Die Häuser fügten sich in die Umgebung ein, die bestehende Infrastruktur werde genutzt und modernisiert, von den 42 Wohnungen sind zwölf für den sozialen Wohnungsbau reserviert und mindestens ein Haus soll Allendorfern vorbehalten sein. Außerdem gibt es ein Gemeinschaftshaus für die Bewohner der vier Immobilien. "Dass dann aber mit Fake News Unterschriften gegen das Projekt gesammelt wurden, anstatt sich sachlich damit auseinanderzusetzen, war einfach unnötig", sagte er.

Statt eines Richtfestes fand am Freitagvormittag ein Pressetermin mit Beitlich, Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz, mit der in Allendorf heimischen Stadträtin Gerda Weigel-Greilich sowie Ortsvorsteher Thomas Euler statt. Euler erinnerte an die ersten Ideen, wie barrierearmes Wohnen gerade für Ältere im Stadtteil geschaffen werden kann. Das Projekt sei anschließend ab 2016 mit Bürgerbeteiligung und vor allem transparent umgesetzt worden.

Grabe-Bolz lobte die zügige Umsetzung des Projekts. Besonders hervor hob sie Beitlich, der das Bauvorhaben "ohne Wenn und Aber" mit umgesetzt habe, auch wenn sich manche Dinge für ihn als privaten Projektentwickler sicherlich nicht rechnen würden - wie der soziale Wohnungsbau oder der Gemeinschaftspavillon. Ortsvorsteher Euler habe "Rückgrat" bewiesen, nachdem er von Gegnern des Projekts unter der Gürtellinie angegriffen wurde und trotzdem - als Ehrenamtlicher - weitergemacht habe.

Weigel-Greilich unterstrich, dass das Bauprojekt ökologisch und ökonomisch sinnvoll sei. Zum einen werde hier klassische Innenverdichtung betrieben: Im Gegensatz zu einem Bau solcher Gebäude in den Außenbereichen des Dorfes würden hier weit weniger Flächen versiegelt. Außerdem werde die bestehende Infrastruktur genutzt und ausgebaut. Die Kritiker der örtlichen Bürgerinitiative nannte sie "eine lautstarke Minderheit". Einige von ihnen hätten selbst gleich nebenan gebaut - und würden nun ein Problem damit haben, dass hier weitere Wohnungen entstehen.

Beitlich betonte, als Projektentwickler sei er Kritik gewohnt. Jedes Bauvorhaben sorge auch für Unsicherheit. Was ihn an dem Protest in Allendorf gestört habe, sei die Unsachlichkeit gewesen. Behauptet hatten die Gegner unter anderem, der Spielplatz werde "plattgemacht", dabei wurde er verlegt. Auch dass an dieser Stelle Hochhäuser entstehen würden, sei falsch.

Ein Gegner hatte vor dem Gießener Verwaltungsgericht geklagt und war abgewiesen worden. Nun versucht er es bei der nächsthöheren Instanz, dem Hessischen Verwaltungsgericht in Kassel. Auch hier ist die Aussicht auf Erfolg eher gering.

Derweil soll im Januar die Vermarktung von 30 der 42 Wohnungen beginnen. Interessenten gibt es genug: Über 100 Menschen haben sich für die barrierearmen Wohnungen im Gießener Stadtteil gemeldet.

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