Die Kopie (Faksimile) der Nobelpreis-Urkunde von Wilhelm Conrad Röntgen hängt jetzt im Uni-Hauptgebäude. FOTO: PM
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Die Kopie (Faksimile) der Nobelpreis-Urkunde von Wilhelm Conrad Röntgen hängt jetzt im Uni-Hauptgebäude. FOTO: PM

Faksimile mit kleinem Schönheitsfehler

  • vonSebastian Schmidt
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Gießen(seg). Einen kleinen Schönheitsfehler hat die originalgetreue Kopie von Wilhelm Conrad Röntgens Nobelpreis-Urkunde. Das gibt der Präsident der Justus-Liebig-Universität (JLU), Joybrato Mukherjee, mit einem Schmunzeln zu. "Röntgen hat den Nobelpreis für eine Entdeckung bekommen, die er nicht in Gießen gemacht hat." Trotzdem ist der Ort, an dem das Faksimile jetzt eingeweiht wird, nicht unpassend. Im Uni-Hauptgebäude in der Ludwigstraße ist Röntgens Labor gewesen, als er Professor in Gießen war.

Vor 175 Jahren ist Röntgen geboren worden. Vor 125 Jahren ist ihm die Entdeckung der Röntgenstrahlen gelungen. Wegen des Doppeljubiläums ist an der JLU zum einen ein Street-Art-Wandgemälde vom Künstlerkollektiv 3Steps eingeweiht worden. Das bunte Wandgemälde befindet sich an der Trafostation zwischen Uni-Hauptgebäude und Theaterlabor. Es zeigt ein Portrait von Röntgen, seinen Versuchsaufbau und ein Röntgenbild einer Hand mit einem Ring am Finger. Zerteilt wird das Bild von einem "X".

Doppeljubiläum für den Physiker

Zum anderen stellt die JLU eine Kopie der Nobelpreis-Urkunde aus. Die Kopie hängt im rechten Flügel des Erdgeschosses im Uni-Hauptgebäude. Dort wo früher Röntgens Labor gewesen ist, befindet sich heute Mukherjees Büro. Neben der Kopie der Urkunde steht bereits eine Büste von Röntgen, die Ernst Kunst 1932 angefertigt hat. "Ich freue mich, dass Röntgen an seiner ehemaligen Wirkungsstätte nun noch sichtbarer ist", sagt der JLU-Präsident.

Röntgen hat 1901 den ersten Physik-Nobelpreis für die Entdeckung der Röntgenstrahlen erhalten. Die Original-Urkunde hat die schwedische Künstlerin Sofia Gisberg von Hand gefertigt und vergoldet. Heute befindet sich die Urkunde im Besitz der Universität Würzburg. Die Würzburger Universität hat auch die Kopie für die JLU angefertigt. "2000 Euro hat sie gekostet", sagt Professor Markus Thoma. Die Volksbank Mittelhessen hat die Urkunde gefördert. Thoma ist der Leiter der AG Atom-, Plasma- und Raumfahrtphysik der JLU und er erinnert an Röntgens bekannteste Entdeckung. "Die Röntgenstrahlung ist aus unserem heutigen Leben nicht mehr wegzudenken." Medizin, Biologie, Materialwissenschaften und Astrophysik. Röntgenstrahlen spielen eine wichtige Rolle, sagt Thoma. Bei der Entdeckung der Röntgenstrahlen habe auch Röntgens Ehefrau eine wichtige Rolle gespielt - unter anderem als Versuchsperson. Deswegen zeigt eines der ersten Röntgenbilder ihre Hand, inklusive des Eheringes.

Röntgenblick notwendig

Das Motiv haben die Künstler von 3Steps in ihrem Wandgemälde aufgegriffen. "Wirklich sehr gelungen", lobt Thoma. Während das Gemälde öffentlich zugänglich ist, ist eine Besichtigung der Urkunde, zumindest ohne Röntgenblick, im Moment nicht möglich. Das Uni-Hauptgebäude ist wegen Corona für den Publikumsverkehr gesperrt.

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