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Am Kugelbrunnen machen die Landwirte auf ihr Anliegen aufmerksam. FOTO: RSC

"Faire Preise statt Subventionen"

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Gießen(rsc). Das Wetter kann es zumeist keinem so richtig Recht machen. Dem einen ist es zu warm, dem anderem zu kalt. Oder zu nass. Von den Landwirten, die am Samstag um die Mittagszeit am Kugelbrunnen für ihre Anliegen demonstriert haben, wurde der strömende Regen einerseits als segensreich für ihre Felder empfunden. Doch gerade in diesen Stunden verhinderte das Wetter, dass mehr Stadtmenschen am Kreuzplatz ihren Stand aufsuchten. Trotzdem gab es zahlreiche Dialoge zwischen Bauern und Verbrauchern.

Den Informationsstand samt Traktor, Pavillon und Stehtischen hatte die Gruppe "Land schafft Verbindung" organisiert. Bereits der Traktor-Corso am vorletzten Freitag ging auf ihr Konto. "Es kommen immer weniger Leute auf das Land. Deshalb kommen wir heute in die Stadt", erklärte Bäuerin Anne-Kathrin Häuser vom zwischen Watzenborn-Steinberg und Grüningen gelegene Limeshof. Die Landwirtin beklagt das Schlechte Bild, das immer mehr Menschen von den Bauern hätten. "Umweltsünder" und "Tierschänder" würden sie genannt. "Wir sind bäuerliche Betriebe, haben die Höfe über unsere Großeltern und Eltern bekommen, wollen sie erhalten und an unsere Kinder und Enkel weitergeben. Niemand von uns will die Umwelt zerstören", betonte Häuser. Vielmehr würden Landwirte an Ackerändern Blühstreifen für die Insekten und den Erhalt der Artenvielfalt anlegen. Dagegen werde die Fläche immer weiter mit Wohnbaugebieten und Gewerbeflächen zersiedelt. "Täglich schwinden dafür in Deutschland 80 Hektar."

Milchverkauf nicht kostendeckend

Stephanie Schreiner betreibt auf ihrem Bauernhof in Laubach-Altenhain Milchviehhaltung und hobbymäßig Pferdezucht. Ihr fehlt die Wertschätzung gegenüber den Agrarprodukten. "Wieso ist Cola teurer als Milch? Und wieso Fleisch oftmals billiger als Obst und Gemüse?"

In Laubach-Wetterfeld besitzt Florian Luckert 100 Milchkühe und bewirtschaftet 260 Hektar Land. 31 Cent bekomme er von der Molkerei für den Liter Milch. "42 Cent wären kostendeckend. Wenn die Milchpreise für die Verbraucher um zehn Cent steigen, bekommen wir davon nur einen einzigen Cent mehr." Alle drei Bauern sind sich einig, dass sie keine Subventionen wollen, "sondern faire Preise." Auch die von der Bundesregierung zugesagte Agrarhilfe von einer Milliarde Euro für vier Jahre sei nicht zielführend.

"Wenn die Bahn jede Menge Glyphosat auf ihre Trassen sprüht, um sie von Bewuchs freizuhalten, sagt keiner was", warf der gelernte Landwirt Matthias Graf aus Gießen in die Gesprächsrunde. Der Pflanzenschutz sei in den letzten Jahren wesentlich "sanfter" geworden. Nur genehmigte Spritzmittel würden verwendet.

Luckert erzählte, dass er täglich ein bis zwei Stunden allein nur "Bürokram" machen müsse. Von Jahr zu Jahr würde den Bauern immer mehr aufgebürdet.

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