"Faire Entlohnung" bei Zeitarbeit gefordert

Gießen (si). Die IG Metall setzt sich auch in der Region Mittelhessen dafür ein, dass die Mitarbeiter von Zeitarbeitsfirmen leistungsgerecht entlohnt werden und Mitbestimmungsrechte erhalten.

Die Gewerkschaft habe alle 25 hier ansässigen Unternehmen angeschrieben und ihnen ein "Fairnessabkommen" angeboten. 18 Firmen hätten darauf schriftlich garantiert, dass sie den DGB-Tarifvertrag anwenden, die Zeitarbeitnehmer einen Betriebsrat wählen lassen und dass sie bereit seien, mit Gewerkschaft oder Betriebsräten über ein "Gleichbehandlungsabkommen" zu verhandeln. Sie habe die IG Metall im Gegenzug mit einem Gütesiegel ausgezeichnet, sagte deren 1. Bevollmächtigter in Mittelhessen, Holger Timmer, gestern an einem Info-Stand in der Löwengasse. Sechs der sieben übrigen Unternehmen hätten sich zu dem Vorschlag nicht geäußert, eines sei sogar "aggressiv" dagegen vorgegangen. Diese Unternehmen wolle die Gewerkschaft künftig als "unfair" bekannt machen, bekräftigte Timmer. Der Interessenverband Deutsche Zeitarbeitsfirmen kritisierte die Aktion als "enttäuschend und widersprüchlich".

Ihr Anliegen machte die IG Metall an einem zwölf Meter langen und 14 Tonnen schweren Truck deutlich, der unter dem Motto "Gleiche Arbeit - Gleiches Geld" insgesamt 80 Städte in ganz Deutschland anfährt. In der Vergangenheit seien Leiharbeiter vor allem eingesetzt worden, um kurzfristige Auftragsspitzen abzudecken, sagte Timmer. Inzwischen sei ihre Zahl "explosionsartig" angestiegen. Dabei würden immer häufiger auch Kernarbeitsplätze abgebaut. Leiharbeiter verdienten im Schnitt 20 bis 40 Prozent weniger ihre direkt in den Betrieben angestellten Kollegen. Und nur in den seltensten Fällen sei die Zeitarbeit "Türöffner" in eine Festanstellung. "Leiharbeit ist eine Bedrohung für alle Beschäftigten", betonte Timmer.

Von den 18 in der Region ausgezeichneten "fairen" Zeitarbeitsfirmen sitzen sieben direkt in Gießen, die übrigen in Alsfeld, Friedberg, Marburg und Wetzlar. Sie gehören alle einem der beiden Dachverbände an, dem Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen bzw. dem Bundesverband Zeitarbeit. Aus Gießen kommen auch die meisten (drei) der als "unfair" klassifizierten Unternehmen, die anderen aus Linden, Marburg und Wetzlar. Sie hätten auf das Gewerkschaftsschreiben gar nicht geantwortet, eine in der Gießener Innenstadt ansässige Zeitarbeitsfirma habe sogar Strafanzeige wegen Nötigung erstattet, sagte Timmer.

Dass die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen prompt eingestellt habe, wertet der Gewerkschaftsbevollmächtigte als Bestätigung dafür, dass die Forderung nach einem Mindestmaß an Fairness in der Zeitarbeitsbranche ebenso berechtigt sei wie der Widerstand gegen "unfaire Firmen". Die IG Metall werde weiter versuchen, mit möglichst vielen Firmen "Gleichbehandlungsabkommen" abzuschließen, sagte Timmer. Wer sich weigere, den Beschäftigten ein "Mindestmaß an fairen Regeln" zu garantieren, werde mit dem entschiedenen Widerstand von IG Metall und Betriebsräten rechnen müssen.

Der Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen meinte dagegen gestern in einer schriftlichen Stellungnahme zu der Gewerkschaftsaktion in Gießen, die Zeitarbeit sei "eine moderne und schützenswerte Branche, die ihren Beschäftigten tarifliche Sicherheit und der Wirtschaft Flexibilität gewährleistet". Gegen die zentrale Forderung "Gleiche Arbeit - Gleiches Geld" sei grundsätzlich nichts einzuwenden, wenn sie auf einer "dreiseitigen Vereinbarung zwischen Zeitarbeits- und Kundenunternehmen sowie den Gewerkschaften" basiere. Eine ausnahmslos gleiche Bezahlung werde den Weg der Zeitarbeitnehmer zurück ins Berufsleben allerdings erschweren.

Zudem belegten Studien, dass mittlerweile rund 30 Prozent der Zeitarbeitnehmer von den Kundenbetrieben in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen würden.

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