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Der 24-jährige Christian Lengwenat ist verantwortlicher Streckenbauer - und er beherrscht die Trails und sein Bike, wie auf diesem Foto zu erkennen ist. FOTO;: PM

Fahrspaß auf den Klostertrails

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Gießen (pm). Als Christian Lengwenat im September 2018 zum Studium nach Gießen kommt, zieht es den gebürtigen Schwaben gleich auf den Schiffenberg. Der heute 24-jährige begeisterte Mountainbiker hatte erfahren, dass sich auf dem Gießener Hausberg die einzige legale Mountainbike-Strecke im Umkreis befindet. »Leider war sie damals in einem schlechten Zustand«, erzählt er im Interview mit der Gießen Marketing GmbH.

Bereits seit Jugendjahren ist Lengwenat dem Radsport verbunden, nahm als begabter BMX-Sportler an internationalen Wettkämpfen teil und wechselte schließlich zum Freeride-Sport. Auch mit dem Bau von Downhill-Strecken kennt sich der damalige Student der Physik und Technologie für Raumfahrtanwendungen und gelernte Mechatroniker aus. Also knüpft er Kontakt mit der Radsportgemeinschaft Gießen-Wieseck (RSG), die seit 2013 die Strecke betreut. Er wird Mitglied und hat seit Mitte 2019 den Verantwortungsbereich »Streckenbau« inne.

Tausende Arbeitsstunden investiert

Die Gießener Mountainbike-Trails sind das Ergebnis der guten Zusammenarbeit zwischen der Radsportgemeinschaft und der Stadt Gießen. »Wir haben mit viel Vorarbeit und klaren Vorgaben einen definierten Streckenkorridor für die Mountainbiker ausgewiesen«, erläutert Ernst-Ludwig Kriep, Leiter für Grundstücksverwaltung, Forsten und Technik beim städtischen Liegenschaftsamt. Im Vorfeld gab es ökologische Begleituntersuchungen, um die Verträglichkeit des Sports mit dem Ökosystem Wald zu gewährleisten. »Auch haben wir Ausgleichsmaßnahmen geschaffen, um den Eingriff in die Natur so schonend wie möglich zu gestalten«, sagt Kriep.

Die seit 2013 legal ausgewiesenen Gießener Strecken, die den Titel Klostertrails tragen, leben von ihren vielfältigen Sprungmöglichkeiten, die alle selbst gebaut werden. »Wenn ich auf dem Schiffenberg bin, schaufel ich meistens erst mal, bevor ich fahre«, schmunzelt Lengwenat, der schon Tausende Arbeitsstunden in die Schiffenberg-Strecken investiert hat. So hat er etwa vor Kurzem zentnerschwere Betonfundamente eines abgebauten alten Holzhäuschens im Garten seiner Nachbarn ausgegraben und als Hindernisse in die Trails integriert. Während der Lockdown-Phasen habe auch der Verein RSG Gießen-Wieseck unzählige ehrenamtliche Arbeitsstunden in die Herrichtung der Trails gesteckt. »Während des ersten Lockdowns haben wir in zehn Tagen den unteren Streckenabschnitt auf Vordermann gebracht«, berichtet Lengwenat. Im Herbst wurde der obere Streckenabschnitt wieder hergerichtet und völlig neu gestaltet.

Von waghalsig bis familienfreundlich

Seit dem vergangenen Jahr haben die Klostertrails einen Boom erlebt. Auch die Einrichtung des Instagram-Accounts freeride.giessen habe zur wachsenden Popularität der Strecke beigetragen. Die Resonanz zu den Trails sei nahezu durchweg positiv. »Die Leute schätzen unsere Strecken, in denen so viel ehrenamtliche Arbeit steckt«, freut sich Lengwenat. »Sie ist auch jedes Jahr anders, weil wir sie jedes Mal wieder neu aufbauen.«

Es gibt drei Strecken, die in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen vom Schiffenberg hinunterführen: Für die familienfreundliche blaue Strecke, die man gemütlich in seinem eigenen Tempo runterfahren kann, reicht ein normaler Fahrradhelm als Schutz aus. Sprünge müssen nicht absolviert werden. Etwas anspruchsvoller ist die rote Strecke, die mit ein paar Sprungelementen ausgestattet ist. Diese können allerdings »umrollt« werden - die Mountainbiker nennen diese Möglichkeit »chicken-ways«. Die schwarze Strecke hingegen ist nur für fortgeschrittene Fahrer geeignet.

Es gebe allerdings immer wieder Uneinsichtige, die meinten, sie könnten mit einem normalen Fahrradhelm und ohne weiteren Schutz die schwarze Strecke runterfahren. »Davon rate ich dringend ab«, sagt Lengwenat. »Wer sich auf die schwarze Strecke wagt, sollte über fortgeschrittene Downhill-Erfahrung verfügen und mehrere Einheiten auf Bikepark-Strecken hinter sich haben.«

Zur kompletten Schutzausrüstung gehören ein Fullface-Helm, Brust- und Rückenprotektoren sowie Knie- und Ellbogenschützer.

Über die Strecken infor-miert ein Schild am Startpunkt der drei Klostertrails. Dort ist auch ausgewiesen, wann man die Strecken befahren darf. Geöffnet sind die Trails von März bis Oktober. In Pandemiezeiten gelten natürlich die entsprechenden Hygiene- und Abstandsregeln.

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