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Die Fahne hängt etwas verloren in einem Depot-Raum. FOTO: EP

Die Fahne der Ehefrauen

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Gießen(chh). Es gab Zeiten, da trug die Gießener Universität ihre Fahne mit Stolz durch die Stadt. Zum Beispiel bei einer der vielen standardisierten Festlichkeiten wie dem Umzug beim Rektorenwechsel. Doch das liegt lange zurück. Heute hängt die Fahne in einem Depot-Raum des Universitäts- archivs. Dr. Alissa Theiß, Sammlungskoordinatorin der JLU, würde sich jedoch über eine andere Unterbringung der Fahne freuen.

"Es wäre schön, wenn dieses historisch wichtige Stück an einem Ort ausgestellt wird, wo es mehr Würdigung erfährt." An einigen anderen Universitäten würden die Fahnen zum Beispiel publikumsträchtig in der Aula hängen.

Zwei Löwen mit Antoniterkreuz

Die Fahne gehört genau wie die Kette oder die Zepter zu den Insignien der Universität. Sie ist 1896 gefertigt worden. Theiß schmunzelt: "Angeblich wurde sie von den Ehefrauen der Professoren genäht." Beim Blick auf die Fahne wird deutlich, dass die verantwortlichen Gattinnen großes handwerkliches Können besessen haben mussten. Die hellblaue Seide ist kunstvoll bestickt. Auf der Vorderseite sind zwei Löwen zu sehen, die das Antoniterkreuz tragen, das noch heute das Wappen der Uni ziert. Darüber sind eine Krone und der Schriftzug Academia Ludoviciana (so der alte Name der Uni) zu sehen. Auch die Ornamente in den Ecken zeugen vom Talent der Ehefrauen. Auf der Rückseite der Fahne ist die alte Devise "Armis Et Litteris Ad Utrumque Parati", also "zu Waffen und Wissenschaften gleichermaßen bereit" eingestickt.

Slogan bewaffneter Studentenschaft

Der Überlieferung nach soll die bewaffnete Studentenschaft schon im 17. Jahrhundert eine Fahne mit diesem Wahlspruch geführt haben.

Heute hat die Fahne der Justus-Liebig-Universität schon lange nicht mehr im Wind geweht. Aus konservatorischen Gründen ist das auch nicht mehr möglich. Eine Ausstellung im Hauptgebäude, findet Theiß, wäre hingegen eine charmante Option

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