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Auch das Bauhandwerk sucht händeringend nach qualifizierten Mitarbeitern. Mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz sollen Lücken geschlossen werden. 

Neues Gesetz

Fachkräftemangel: Erste Anträge zur Fachkräfte-Einwanderung in Gießen

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Ob das neue Gesetz zur Einwanderung von Fachkräften die Lücken in Handwerksbetrieben und Krankenhäusern schließen kann? Die ersten acht Anträge liegen in Gießen bereits vor.

Für Gießens Stadträtin Astrid Eibelshäuser war der vergangenen Sonntag in gewisser Weise ein historischer Tag. Seit dem 1. März, an dem das sogenannte Fachkräfteeinwanderungsgesetz in Kraft trat, könne "Einwanderung systematisch erfolgen", erklärte die SPD-Politikern am Donnerstag vor der Presse.

Mit dem neuen Gesetz können Fachkräfte mit beruflicher, nicht-akademischer Ausbildung von außerhalb der Europäischen Union leichter zu Arbeitszwecken nach Deutschland einwandern. Die bereits seit Jahren bestehenden Regelungen für Personen mit Hochschulabschluss gelten weiter.

Um eine Aufenthaltserlaubnis zu erhalten, die nach vier Jahren in einer Niederlassungserlaubnis münden kann, brauchen die Fachkräfte eine Anerkennung ihrer ausländischen Qualifikation. Bei Handwerkern sind die Handwerkskammern die Anlaufstellen. Bei anderen Fachkräften ist in Hessen das Regierungspräsidium in Darmstadt zuständig.

Fachkräftemangel Gießen: Visaerteilung beschleunigen

Um die Visaerteilung zu beschleunigen, kann der künftige Arbeitgeber mit einer Vollmacht seines künftigen Mitarbeiters bei der Ausländerbehörde vorstellig werden, in deren Zuständigkeitsbereich das Unternehmen seinen Sitz hat. Das heißt: Unternehmen mit Sitz in der Stadt Gießen müssen sich an die städtische Behörde wenden, Betriebe mit Sitz in Buseck oder Linden an die Ausländerbehörde des Landkreises.

Wenige Tage nach dem Inkraftreten konnte die für die städtische Ausländerbehörde zuständige Dezernentin natürlich noch nichts zur Resonanz sagen. Aber Abteilungsleiter Gerald Menche berichtete, dass der Behörde die ersten acht Anträge von Handwerksbetrieben vorliegen.

Was die Situation in Gießen betrifft, haben sich in den letzten Monaten zwei Branchen herauskristallisiert, die von dem neuen Gesetz besonders profitieren könnten. Neben den Handwerksbetrieben sind das Sozialverbände und Kliniken, die händeringend nach Pflegepersonal suchen.

Fachkräftemangel Gießen: Gespräch im hessischen Innenministerium

Ein typischer Fall ist laut Abteilungsleiter Menche der von einem türkischstämmigen Inhaber geführte Handwerksbetrieb, der Mitarbeiter aus der alten Heimat anwerben will, weil er hier keine findet. "Fälle wie den mit dem Anstreicher-Unternehmen, das fünf Leute sucht, sind ja bekannt", erklärte Menche.

Dezernentin Eibelshäuser hatte nach der Verabschiedung des Gesetzes im Herbst die Agentur für Arbeit, IHK und Handwerkskammer mit großen Arbeitgebern wie Kliniken sowie Wohlfahrtsverbänden an einen Tisch geholt. Auch ein Gespräch im Hessischen Innenministerium gab es. Experte Menche steht der IHK auch in nächster Zeit für Beratungen zur Verfügung.

Eibelshäuser, die zugleich Schuldezernentin ist, will zudem die Volkshochschule einbinden, damit die Fachkräfte ausreichend Deutsch können, denn auch der Spracherwerb ist eine der im Gesetz definierten Voraussetzungen.

Fachkräftemangel Gießen: Weitere Arbeit für Ausländerbehörde

Anfragen bei der Ausländerbehörde, meistens von kleineren Handwerksbetrieben, gab es laut Menche bereits seit dem Sommer. In welchem Umfang das Fachkräfteeinwanderungsgesetz in Anspruch genommen wird, lasse sich derzeit nicht absehen. Daher sei die Behörde, die zuletzt selbst Probleme bei der Rekrutierung von Mitarbeitern hatte, bislang auch nicht aufgestockt worden. Klar ist aber: Mit Erteilung von Aufenthaltserlaubnissen kommt weitere Arbeit auf die Ausländerbehörden zu, weil in der Regel der Nachzug der Familie folgt. Für Menche ist das Gesetz jedenfalls mit Blick auf den Bedarf der Unternehmen ein Fortschritt: "Der Maurergeselle hat jetzt die gleichen Möglichkeiten wie ein wissenschaftlicher Mitarbeiter oder Arzt, hier ansässig zu werden."

Ein großes Arbeitskräfte-Potential indes lässt das neue Bundesgesetz außen vor. Die Rede ist von Asylbewerbern, denen nach dem Wunsch der SPD der sogenannte "Spurwechsel" hätte ermöglicht werden sollen. Die Unionsparteien indes befürchteten einen Fluchtanreiz und lehnten den Spurwechsel ab. Flüchtlinge und ihre Arbeitgeber müssen sich weiter mit den unsichereren Aufenthaltstiteln Ausbildungs- und Beschäftigungsduldung zufrieden geben.

Die Stadt hat zum neuen Fachkräfteinwanderungsgesetz eine spezielle E-Mail-Adresse eingerichtet, unter der man Anfragen loswerden kann. Sie lautet: FEG@giessen.de

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