Wie eine barrierefreie Erschließung von Wallenfels’schem und Leib’schem Haus gelöst werden kann, soll ein Architektenwettbewerb klären. Ein Aufzug könnte zwischen den Häusern errichtet werden. FOTO: FACTS AND FICTION
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Wie eine barrierefreie Erschließung von Wallenfels’schem und Leib’schem Haus gelöst werden kann, soll ein Architektenwettbewerb klären. Ein Aufzug könnte zwischen den Häusern errichtet werden. FOTO: FACTS AND FICTION

Facelift für das Museum

  • Karola Schepp
    vonKarola Schepp
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Wie kann das Oberhessische Museum attraktiver werden? Darüber haben sich kluge Köpfe Gedanken gemacht. Das Ergebnis der Überlegungen zu Raumkonzept und inhaltlichen Neuerungen wurde nun der Öffentlichkeit präsentiert. Ein Architektenwettbewerb soll helfen, diese Ideen auch umsetzen.

Dass Überlegungen zu einem neuen Konzept für das Oberhessische Museum mithilfe eines Stadtlabors, Bürgerbeteiligung, Workshop und einer hippen Beraterfirma entwickelt werden - und dann auch noch zusätzlich via Zoom-Meeting vorgestellt werden - , das wäre noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen. Doch das Museum ist längst aus seinem Dornröschenschlaf erwacht und man hat erkannt, dass neue Wege bestritten werden müssen. Wie das aussehen kann, wurde nun - coronabedingt vor 40 Live-Besuchern sowie einigen Zoom-Meeting-Teilnehmenden - im Rathaus präsentiert.

Was Architekt Martin Sinken, Robert Müller und Stephanie Spiegelhalder von der Agentur facts and fiction sowie Museumsleiterin Dr. Katharina Weick-Joch an neuem Konzept vorstellten, wird den auszuschreibenden Architektenwettbewerb vor Herausforderungen stellen. Barrierefreiheit, neue Dramaturgie der Dauerausstellung, Sammlungsvielfalt, Denkmalschutz, Raumbedarf - all das gilt es unter einen Hut zu bekommen. "Ein echt dickes Brett, das hier zu bohren ist", bringt es Sinken auf den Punkt.

"Stadtgeschichte to go" als Einstieg

Geplant ist, sich im ersten Bauabschnitt - zur Verfügung stehen 4,7 Millionen Euro aus der Hessenkasse - auf das Leib’sche und Wallenfels’sche Haus zu konzentrieren, da der Museumsbetrieb im Alten Schloss mit einem Zugang über den Hof zumindest ansatzweise barrierefrei funktioniert. Diese Thematik soll, so Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz, aber natürlich später angegangen werden. Im Alten Schloss sollen, als Sonderstellung im Raumprogramm, künftig die Gemäldesammlung (EG und 1. OG rechter Flügel) und die Antikensammlung samt archäologischer Werkstatt (3. OG) Platz finden. Der Netanyasaal als Veranstaltungsraum und die Sonderausstellungsfläche (bis 500 qm) bleiben im linken Flügel wie bisher bestehen.

Wichtigste Neuerung ist die komplette Neustrukturierung der Dauerausstellung, die sich am Kirchenplatz auf die beiden Häuser ausdehnen wird. Es bleibt also bei den drei für Publikum zugänglichen Museumshäusern, aber für die Besucher sollen daraus zwei Museumsstandorte werden. Wie die in der Schlossgasse optisch miteinander verbunden werden können, soll ebenfalls im Architektenwettbewerb vorgeschlagen werden. Leib’sches und Wallenfels’sches Haus sollen "ein Ausstellungshaus aus einem Guß" werden. Ein neuer Aufzug dazwischen könnte die - allerdings versetzten - Geschosse barrierefrei zugänglich machen. Wie das generell und auch für die Dachgeschosse zu lösen sein wird, soll der Architektenwettbewerb zeigen. Geplant ist, dass der Zugang zu den beiden Museumshäusern künftig über das Leib’sche Haus beginnt. Hier ist, so der Arbeitstitel, eine Abteilung "Stadtgeschichte to go" vorgesehen, die auch für einen Kurzbesuch oder bei Stadtführungen geeignet, mit Stadtmodell, Gießen-Ansichten oder Gefäßen von der Marktplatzgrabung einen Einstieg bietet. Im Fokus des Museums sollen Stadt- und Regionalgeschichte stehen. In der Dauerausstellung sind sieben Themenbereiche angedacht, in denen sich anhand von Objekten aus unterschiedlichen Abteilungen in den beiden Häusern auf insgesamt rund 700 qm neue Geschichten erzählen lassen. So soll sich ein Themenbereich dem Sammeln und den Sammlerpersönlichkeiten Wilhelm Gail (ethnografische Sammlung, Porzellan), Gustav Bock (Gemälde) und Heinrich Beer (Tibet) widmen. Weitere Themen könnten, so der erste Ansatz, sein: Ankommen/weggehen in Gießen, Arbeitswelt (von der Mammutjagd bis zur Tabak- und Fliesenfabrik), Freizeitverhalten (Sportgeschichte, Clubszene etc.) und Wissen (Universität, politische Auseinandersetzungen etc.).

Spurensuche und roter Faden

Weil man künftig nicht mehr alles sammlungsbezogen ausstellt, soll eine "Spurensuche" Orientierung für spezielle Interessen bieten. Wer sich etwa für Kunst, jüdisches Leben, Archäologie oder die Geschichte des Ortes im Besonderen interessiert, soll sich anhand solcher "Spuren", sei es mithilfe von Labels oder digital, im Haus orientieren können. Wer sich mit bestimmten Gattungen auseinandersetzen will, könne in der Dauerausstellung, in der ansonsten Verknüpfungsmöglichkeiten der unterschiedlichsten Objekte als roter Faden dienen, durchaus fündig werden, so das Versprechen.

Ein Mitschnitt der Präsentation wird ab dem Wochenende auf www.museum.giessen.de online gestellt.

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