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Wenn in Hessen ein Kinderherz transplantiert werden muss, ist Gießen die Anlaufstelle.

Exzellenz in Herz und Lunge

  • Christoph Hoffmann
    VonChristoph Hoffmann
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Eine Serie über Spitzenforschung in Gießen wäre nicht vollständig ohne einen Blick auf den medizinischen Fachbereich der JLU und das Uniklinikum. Denn neben klinischer Versorgung und Lehre ist Forschung dritte Säule des Krankenhauses. Vor allem bei Herz und Lunge sind die Gießener Mediziner deutschlandweit Spitze.

Herz und Lunge sind die beiden wichtigsten Organe des Menschen. Ohne sie wird kein Blut durch den Körper gepumpt und kein Sauerstoff aufgenommen. Wenn Herz oder Lunge nicht mehr ihren Dienst erfüllen, ist das Leben also akut in Gefahr. Am Gießener Uniklinikum können sich Betroffene in gute Hände begeben. Denn hier werden Erkrankungen des kardiopulmonalen Systems, also der Funktionseinheit aus Herz und Lunge, nicht nur diagnostiziert und behandelt, sie stehen auch im Mittelpunkt der Forschung. Dabei unterstreicht der Dekan des Fachbereichs Medizin an der Justus-Liebig-Universität, Herr Prof. Wolfgang Weidner: »In diesem Schwerpunktbereich hat Gießen internationale Strahlkraft.«

Schon seit 2006 mit dem Beginn der Exzellenzinitiative des Bundes ist die JLU eine feste Größe auf der deutschen Exzellenzlandkarte. Von Anfang an wurde der kardiopulmonale Schwerpunkt des Gießener Fachbereichs der JLU als Exzellenzcluster durch diese Bundesinitiative gefördert.

Der Partner des Fachbereichs Medizin ist das UKGM, das in diesem Bereich bei vielen Erkrankungen einzige Anlaufstelle ist. Muss in Hessen ein Kinderherz verpflanzt werden, wird das ausschließlich in Gießen vorgenommen. Herz-Transplantationen bei Erwachsenen werden in der Kardio-Chirurgie der Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim durchgeführt, die an den Fachbereich Medizin der JLU als Campus angebunden ist. »Davon profitieren neben den Patienten auch die Studenten, sie werden im Bereich der Kardiologie extrem gut ausgebildet«, betont Weidner.

Neben der klinischen Versorgung und der Lehre ist die Forschung dritte Säule der jeweiligen Professoren. »Alle drei sind sehr eng miteinander verbunden«, sagt Weidner. Doch während es in anderen Häusern hin und wieder knirsche und sich ein Ungleichgewicht einstelle, sei in Gießen diesbezüglich eine gute Lösung gefunden worden. »Wir haben auch mehrere Professuren eingerichtet, die Grundlagenforschung betreiben. Das sind oft keine Mediziner, sondern Biologen, die nicht im OP stehen müssen und ausschließlich forschen können.«

Ein wegweisendes Projekt sei zum Beispiel die Forschung zur pulmonalen Hypertonie, die seit Jahren federführend in Gießen durchgeführt werde, sagt Weidner. Dabei handelt es sich um einen erhöhten Druck in der Lungenstrombahn, der schlussendlich den Sauerstoffaustausch behindert und zu einem Versagen des Herzens führt. »Eine Arbeitsgruppe um Herrn Prof. Grimminger ist es gelungen, diesen Hochdruck medikamentös zu senken«, sagt Weidner. Inzwischen seien analoge Medikamente im klinischen Einsatz und wirkten lebensverlängernd. »Das ist ein großer Fortschritt.«

Während dieses Erfolgsgeschichte bereits einige Jahre zurückliegt, arbeitet Prof. Birgit Aßmus gerade an der nächsten. Sie leitet nicht nur die Spezialambulanz für Herzinsuffizienz an der Uniklinik, sondern befasst sich auch mit einem neuen Projekt zur Überwachung von Herzrhythmusstörungen und Herzschwäche unter Einsatz moderner telemedizinischer Methoden.

»Dabei werden die Teilnehmer mit einer App und einer Digitaluhr ausgestattet, worüber jede Mengen Daten gesammelt werden«, erklärt Weidner. So werde zum Beispiel aufgezeichnet, wie das Herz mit seinem Rhythmus auf Fahrradfahren, Treppensteigen oder den Konsum von Alkohol reagiere. Sobald alarmierende Werte registriert werden, würden Betroffenen kontaktiert. Besonders beim Vorhofflimmern könne das Projekt Leben retten, betont der Dekan.

Das sind nur zwei von vielen Beispielen der Gießener Forschungsaktivitäten. Sie zeigen, wie eng die Standbeine der Uni miteinander verbunden sind: Wenn die Forschung erfolgreich verläuft, wird das Ergebnis bestenfalls zentraler Bestandteil von Lehre und klinischer Versorgung.

Prof. Wolfgang Weidner

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