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Das bis zu neun Millimeter große Kerbtier kann sich gut tarnen.

Ein Exot aus der Fremde

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Gießen (hsb). Wer nach der Urlaubszeit an Fernweh leidet, kann diese Stimmung bis zum 20. Oktober noch bei einem Besuch des heimischen Botanischen Gartens befriedigen, denn hier gibt es Pflanzen aus der ganzen Welt zu bestaunen. Selbst eine Safari unter exotischen Tieren ist möglich. Unter den 700 bisher hier registrierten Tierarten befinden sich nämlich zahlreiche Vertreter, die ursprünglich aus der Fremde kommen.

Als Neuzugang unter den Migranten ist der Verzierte Büffelkopf zu verzeichnen. So könnte man den wissenschaftlichen Namen Stictocephala bisonia frei übersetzen. Besser bekannt ist das Tier allerdings unter den Begriffen Büffelzikade, Büffelzirpe und Amerikanische Büffelzikade. Dabei wird gleich deutlich, dass hier kein Bison durch den Garten trampelt, sondern ein kleines Insekt unterwegs ist, das zu den Zikaden gehört.

Wie die Namen verraten, liegt die Heimat in der Neuen Welt. Dort, in Teilen Kanadas, der USA und Mexikos, wäre das bis zu neun Millimeter große Kerbtier sicher auch geblieben, hätte es der Mensch zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht unbeabsichtigt nach Europa verschleppt. Wahrscheinlich überstand es die weite Anreise in eingeführten Obstreisern. 1912 wurde das wärmeliebende Tier zum ersten Mal auf dem Balkan nachgewiesen. Von dort startete es seinen Siegeszug bis nach Mittelasien, Nordafrika und natürlich Europa.

Das agile Tier zeichnet sich durch ein gutes Flugvermögen aus und nutzt für seine aktive Ausbreitung Lebensräume in den Flusstälern und an den Verkehrswegen. Hinzu kommt eine passive Verschleppung durch den Menschen. In Süddeutschland erschien die Zirpe bereits 1966. Inzwischen kommt das Tier in weiten Teilen Europas vor. Es ist allerdings wegen seiner grasgrünen Färbung in der Vegetation ausgezeichnet gut getarnt.

Seinen Namen verdankt es einem hochgewölbten Halschild, das nach den Seiten in zwei mächtigen Dornen ausläuft und auch nach hinten in einer Spitze endet. Wegen dieses charakteristischen Aussehens kann man den Neuankömmling nicht mit einheimischen Arten verwechseln. Die gute Tarnung und die stachelige Körpergestalt machen Fressfeinden das Auffinden und Vertilgen schwer. Das bedauert der Mensch, denn er betrachtet die vom ihm eingeschleppte Buckelzikade inzwischen als Schädling, der verschiedene Kulturpflanzen befällt.

Das Anstechen der Leitungsbahnen der Pflanze ist eine typische Ernährungsform der Zikaden. Es führt unmittelbar oder sekundär durch Eindringen von Keimen zu Schäden. Ähnlich verhält es sich mit der Eiablage, die ebenfalls in die Pflanzen erfolgt. Da trifft es sich gut, dass mit der Büffelzikade auch die Zwergwespe (Polynema striaticorne) zwangseinwanderte. Diese Gegenspielerin der Zikade parasitiert deren Eier. Bei aller Schädlichkeit, die der Büffelzikade zugeschrieben wird, ist sie doch im Vergleich mit dem Wirken des Menschen auf dieser Erde ein geradezu harmloses Wesen.

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