Martin Spahr.
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Martin Spahr.

Examenskonzert mit drei Kandidaten

Spezielle Stimmung im Musentempel: Drei Kandidaten der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst zeigten in ihrem Konzertexamen Profil vor interessiertem Publikum im gut besetzten Großen Haus des Stadttheaters.

Die traditionelle Verbindung mit der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst mit dem Gießener Stadttheater hatte am Sonntagabend eine besonders aktuelle Note. Nicht nur die ansprechenden, ja ausgezeichneten Leistungen der Absolventen in ihrem Fach erfreuten die Hörer, sondern auch das Mitschwingen von Spannung und Entspannung war im Saal spürbar.

Mit Preisen geehrt sind sie, mit Konzerterfahrung können sie alle aufwarten, und einer der drei jungen Musiker ist dem heimischen Publikum bereits bekannt: Martin Spahr, gebürtiger Gießener, stand außer im Extrachor unter anderem in Bernsteins "Trouble in Tahiti" 2009 singend und swingend auf der TiL-Bühne und gestaltet seit 2013 als Korrepetitor das Musikgeschehen am Hause mit; unvergessen seine empfindsame Einstudierung von Jake Heggies’ "For a Look or a Touch" 2014. Der designierte Kapellmeister agierte am Sonntag am Pult des Musikchefs.

So recht geeignet in seiner Leichtigkeit für einen Sommerabend im klimagekühlten Konzertraum, eröffneten die Instrumentalisten zusammen mit dem gebürtigen Ukrainer Andriy Vorozheykin mit Mozarts Flötenkonzert Nr. 2 D-Dur KV 314 das Programm. Spahr führte das Orchester mit dezidierter Gestik, dabei leichter Hand durch die drei Sätze. Vorozheykin gab mit weichem Ton und beeindruckend langem Atem (gehaltene Töne!) seiner Interpretation gefälliges Format. Genussvoll ausgesponnenes Legato in der Kadenz wurde zur poetischen Deklamation, quirlig unterbrochen von schnellen Passagen.

Das Andante geriet im Tempo ein wenig breit, umso übermütiger erklang das humorvoll akzentuierte Arienthema das Schlusssatzes, das der Flötist sehr "mozartisch" variierte. Herzlicher Beifall für eine wohlgelungene Darbietung auf hohem Niveau.

Eines der anspruchsvollen Werke für Cello ist Peter Tschaikowskys Opus 33, "Variationen über ein Rokoko-Thema". Hier trat Arthur Hornig mit seinem Vuillaume-Instrument auf; der 1987 geborene Musiker ist seit 2011 Erster Solocellist im Orchester der Deutschen Oper Berlin und war bereits mit zehn Jahren Jungstudent an der Berliner Musikhochschule und lernte später bei Prof. Sanderling in Frankfurt. Wen wundert es, dass da eine ausgereifte Sonderbegabung die Hörer unmittelbar in Bann schlug.

Hornig ging mit machtvoll prägnantem Ton und virtuosem Impetus an die Variationen mit ihren hohen Anforderungen an Stilgefühl und Können. Der facettenreiche, volle Klang des französischen Cellos von 1867 hätte dem Komponisten wohl auch gefallen, angemessen "russisch" im Pathos des ins Moll gewendeten Motivs als auch im wilden Tanz der abschließenden Variation, einmal abgesehen von technischen Kniffligkeiten wie Doppelgriffläufen und Spitzentönen im Pianissimo. Eine musikalisch ausgefeilte wie musikantisch empfundene Realisierung riss zu Beifall mit Zurufen hin.

Nach der Pause die Sinfonik mit Martin Spahr – jetzt statt im legeren Outfit im klassischen Frack und mit weißem Stab. Energische Ausstrahlung und ästhetische Bewegungen gingen Hand in Hand in Robert Schumanns 2. Sinfonie C-Dur. Sie erhielt alle Facetten zwischen Melancholie und entrückter Emphase in der wunderbaren Melodie des Adagios, die unter dem Dirigat von Spahr und mit vollem Einsatz der Streicher zu einem expressiven Höhepunkt wurde. Aber auch die so wichtigen Bläsereinsätze gelangen vorzüglich, und als die Pauke zum strahlenden Schluss mächtig auftrumpfte, endete eine romantische Sinfonie voll pulsierender Energie, suggestiver Spannung und klug ausgereizter Dynamik. Rauschender Beifall für eine Interpretation, die lange nachklang. Olga Lappo-Danilewski

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