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Prozess

Ex-AStA-Finanzreferent vor Gericht

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Er soll 74 000 Euro vom Studierendenausschuss eingesteckt haben und einen Raub vorgetäuscht haben, um das zu vertuschen. Seit Dienstag steht der ehemalige AStA-Finanzreferent der THM vor Gericht.

Ein schwarz gekleideter Mann mit Schusswaffe dringt in das Gießener Büro der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) ein. Er zwingt den Finanzreferenten den Tresor zu öffnen, fesselt ihn mit Klebeband, packt bündelweise Bargeld in seinen Rucksack und verschwindet. So hat der damalige Finanzreferent des Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) der Polizei den Abend des 1. Oktobers 2015 geschildert. Eine erfundene Geschichte, um eine 74 000 Euro-Lücke im Haushalt des AStA zu vertuschen – so lautet der Vorwurf der Anklage. Wegen des Verdachts auf Untreue und Vortäuschung einer Straftat muss sich der ehemalige Finanzreferent seit Dienstag vor dem Amtsgericht Gießen verantworten.

Buchhalterische Dinge lagen im Argen

Regina Knögel, AStA-Beraterin

Dem 31-Jährigen aus Pohlheim wird vorgeworfen, während seiner ehrenamtlichen Tätigkeit zwischen 2011 und 2015 insgesamt 74 731 Euro unrechtmäßig aus einem Tresor der Studierendenvertretung der Hochschule entnommen zu haben. Zeitgleich verzeichneten zwei Privatkonten zahlreiche kleine Bareinzahlungen im Wert von insgesamt 54 000 Euro. Zudem wird ihm zur Last gelegt, die räuberische Erpressung vorgetäuscht zu haben – vier Tage bevor eine Prüfung der AStA-Finanzen anstand.

"Mein Mandant hat ein chaotisches Buchhaltungssystem vorgefunden", sagte der Verteidiger Carsten Marx. "Er fühlt sich dafür nicht verantwortlich." Die ihm vorgeworfenen Taten habe er nicht begangen. Seit Beginn der Ermittlungen vor rund zwei Jahren sei der Angeklagte sowie seine Familie psychologische schwer belastet.

AStA-Feten nicht korrekt belegt

Über die unsachgemäße Buchhaltung beim AStA sind sich die Gutachterin der Polizei sowie die externe Beraterin Regina Knögel einig. "Buchhalterische Dinge lagen im Argen, die von einer Fachkraft aufgeräumt werden mussten", sagte Knögel, Betriebswirtin und Unternehmensberaterin, die die Buchhaltung seit 2012 im Auftrag des AStA unterstützt. Zum Anfang ihrer Tätigkeit habe es für einige Jahre habe es keinen ordentlichen Kassenabschluss gegeben, Belege für die vom AStA organisierten Feten hätten gefehlt und sie habe von einer früheren, aber aufgelösten Schwarzgeldkasse erfahren. Im Juni 2016 habe sie den Angeklagten darauf hingewiesen, dass nach ihren Berechnungen 53 000 Euro im Tresor liegen und auf das Konto eingezahlt werden müssten.

Den Betrag von rund 74 000 Euro hatte eine Gutachterin der Polizei im Oktober 2015 auf Grundlage beschlagnahmter Belege und Kontonachweise berechnet. Gesehen hat das Bargeld jedoch niemand – auch nicht AStA-Beraterin Knögel. Aus der Buchführung werde nicht abschließend klar, woher das Geld stamme, sagte ein Kriminaloberkommissar, der Kontoauszüge sichergestellt hatte.

Urteil am Mittwoch

Wichtigste Einkünfte sind laut Gutachterin das Lehrmittelreferat, eine Art Shop in Gießen und Friedberg, der Skripte und Studienbedarf verkauft. Seit Knögel im Hause sei, seien diese Posten einwandfrei belegt. Jedoch kritisierte auch die Gutachterin, dass es kaum Belege über die AStA-Feten gebe.

Der Vorsitzende Richter Heiko Kriewald wies darauf hin, dass jede einzelne Einzahlung auf das Privatkonto des Angeklagten als Straftat der Untreue gewertet werden und er bei einem Schuldspruch ein bis drei Jahre Gefängnis verhängen könne. An diesem Mittwoch will das Gericht einen weiteren Zeugen befragen und anschließend ein Urteil fällen.

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