Nach eineinhalb Jahren Pause war der Andrang im Scarabée am Donnerstag so groß, dass ab Mitternacht erstmal keine Leute mehr reingelassen wurden.
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Nach eineinhalb Jahren Pause war der Andrang im Scarabée am Donnerstag so groß, dass ab Mitternacht erstmal keine Leute mehr reingelassen wurden.

Clubkultur

Gießens Kultdisco Scarabée ist zurück: „Es ist einfach sau geil“

  • Daniel Beise
    VonDaniel Beise
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Gießens Clubkultur ist wieder lebendig. Nach Ulenspiegel und MuK hat am Donnerstag auch der älteste Club der Stadt, das Scarabée, seine Tanzfläche wieder freigemacht. Dort war allerdings so viel los, dass zwischendurch niemand mehr eingelassen werden konnte. Ein Besuch vor Ort.

GIeßen – Kurz nach 22 Uhr in der Alicenstraße. Bereits hier hört man die feiernde Meute im Riegelpfad - und sieht den Pulk, wenn man in die Straße einbiegt. Gießens Kultdisco, das Scarabée, hat wieder auf, wie traditionell donnerstags mit Technobeats und House.

Von den wummernden Bässen schallt allerdings nur wenig nach oben auf die Straße. Die Lautstärke des jungen Publikums macht das wieder wett. Es sind Ersti-Wochen, sicher viele Studienanfänger hier, glaubt auch Inhaberin Isabel Bojunga. »Jedenfalls viele neue Gesichter«, sagt sie.

Partystimmung auch vor Gießens Kultdisco Scarabée

Es herrscht Partystimmung in und um den Laden. Manchmal ein wenig Marihuana-Geruch, ein Typ fährt auf einem Bürostuhl zwischen Gruppen hin und her und sorgt für Erheiterung. Etliche Flaschen liegen herum, ein Mitarbeiter sammelt sogar Leergut vom Dach eines Autos ein. In der Schlange herrscht Gedränge. Wenn Leute raus an die Luft möchten, kommen ein paar wenige rein. Überfüllt. Im Prinzip kein Reinkommen. »Es ist völlig egal, ob man reinkommt - es ist einfach sau geil, dass das Scara wieder auf hat«, freut sich ein Wartender. Das Feiern mit Freunden und Fremden draußen sei auch immer lustig. Ein anderer ist sichtlich genervt vom engen Getümmel.

Als Bojunga gegen Mitternacht kommt, verhängt sie allerdings sofort einen Einlassstopp und sorgt mit ihren Mitarbeitern dafür, dass die Straße leerer und ruhiger wird - sensibilisiert das Partyvolk für schlafenden Nachbarn. Die ersten Beschwerden seien schon gekommen, bevor der urige Keller überhaupt aufgemacht hat, erzählt sie und fügt an: »Ich kann das total verstehen, dass das nach eineinhalb Jahren Ruhe nun zu laut ist.« Peu à peu bekommen sie den Lärmpegel in den Griff und können später auch wieder Leute reinlassen.

Ein fast normales Nachtleben in Gießens Kultdisco Scarabée

»Es war wild«, sagt sie am nächsten Morgen, als sie noch aufräumt. Und sie habe »keine Worte« für die Müllberge und Unmengen an Flaschen, betont aber: »Es ist toll, dass die Leute sich an den Laden erinnern und wiederkommen.«

Wie auch das Scarabée gewährten bereits vergangenes Wochenende der Ulenspiegel und das MuK nur Geimpften und Genesenen Einlass - wofür die Mehrheit Verständnis zeige, wie die Betreiber berichten. Auch am Ulenspiegel bildete sich zur Wiedereröffnung am 1. Oktober eine lange Schlange vor dem Einlass, erzählt Inhaber Tobias Bach. Weil es der erste Club war, der wieder öffnete, wie er vermutet. »Danke für diesen wilden Abend gestern und dass ihr gar nicht mehr gehen wolltet!«, schreiben Tobias und Brigitte Bach auf Instagram.

Clubkultur in Gießen: Auch das MuK hat wieder offen

Im MuK, wo in den vergangenen Wochen schon einige Privatpartys stattgefunden haben, war der Andrang nicht ganz so massiv. »Es war gut besucht, aber nicht unangenehm voll«, sagt Markus Pfeil vom Musik- und Kunstverein und fährt fort: »Die Stimmung war wirklich positiv und freundlich und man hat gemerkt, dass sich die Leute gefreut haben und erleichtert waren, dass wieder etwas Normalität eingezogen ist.« Auch wenn es erstmal ungewohnt gewesen sei, wieder »so unbedarft« mit vielen Leuten in einem Raum zu sein. Aber daran gewöhne man sich »gerne wieder«.

Derzeit haben dort nur Bar und Tanzfläche im Erdgeschoss geöffnet, oben wird mindestens noch einen Monat lang umgebaut und renoviert. Man darf gespannt sein, wie der größere Bereich im MuK dann aussieht. Nach vielen Monaten der Stille und Leere auf den Tanzflächen und wieder einigen Monaten normalem Kneipenbetrieb fühlt sich das Ausgehen nun fast wieder wie ein normales Nachleben an.

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